NASDAQ 100: Chip-Spaltung am Markt?

Qualcomms schwaches Smartphone-Chipgeschäft und Arms verhaltener Ausblick dämpfen die Wirkung besserer Gesamtergebnisse.

Redaktion Stock-World ·
Moderne Wertpapierbörse mit verschwommenen Bildschirmen, die Aktienkurstrends anzeigen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Qualcomm meldet 26 Prozent weniger Smartphone-Umsatz
  • Gesamtumsatz übertrifft die Marktschätzung
  • Arm übertrifft Quartalsschätzungen, Ausblick knapp darüber
  • NASDAQ 100 steigt trotz Chip-Sorgen

Enttäuschungen bei Qualcomm und Arm stellen die Erholung des Nasdaq 100 auf die Probe. Heute geben die Index-Futures nach, nachdem Anleger gestern große Technologiekonzerne gekauft und viele Halbleiterwerte gemieden hatten. Die neuen Unternehmenszahlen liefern zusätzliche Gründe für diese Trennung: Wachstum im KI-Geschäft gleicht Schwächen anderer Bereiche nicht automatisch aus.

Qualcomm spürt die Smartphone-Schwäche

Qualcomm verfehlte mit seinem Geschäft für Smartphone-Chips die Erwartungen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 sank der entsprechende Umsatz um 26% auf 5,14 Milliarden US-Dollar. Schwache Nachfrage und rückläufige Apple-Erlöse belasteten das Geschäft. Heute berichteten Medien über weitere Verluste asiatischer Halbleiteraktien nach den Zahlen von Qualcomm und Arm.

Dabei fiel Qualcomms bereinigter Gesamtumsatz besser aus als erwartet. Er erreichte 10,44 Milliarden US-Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von 10,11 Milliarden US-Dollar. Die positive Überraschung auf Konzernebene reichte jedoch nicht aus, um die Sorgen um das Smartphone-Geschäft zu verdrängen.

Für Anleger im Nasdaq 100 ist diese Unterscheidung wichtig. Die Reaktion auf die Ergebnisse zeigt, dass ein übertroffener Gesamtkonsens allein nicht genügt. Entscheidend sind auch die Entwicklung einzelner Geschäftsfelder und die Frage, wie zuverlässig neue Wachstumstreiber bestehende Schwächen auffangen können.

Qualcomm prognostiziert für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz zwischen 10,4 und 11,2 Milliarden US-Dollar. Zugleich erwartet das Unternehmen für den Smartphone-Markt im kommenden Jahr lediglich Stagnation. Damit bleibt der Ausbau anderer Geschäftsfelder ein wichtiger Teil der Wachstumsperspektive.

Arm übertrifft Erwartungen, überzeugt aber nicht

Auch Arm konnte mit besseren Ergebnissen die Anleger nicht überzeugen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,44 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn von 0,52 US-Dollar je Aktie. Beide Kennzahlen lagen über den Analystenschätzungen.

Der Ausblick bot allerdings keine deutliche positive Überraschung. Das begrenzte die Wirkung der guten Quartalszahlen und belastete die Aktie nachbörslich. Bei beiden Unternehmen richtet sich der Blick damit weniger auf die übertroffenen Erwartungen als auf die Aussicht auf weiteres Wachstum.

Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte Arm einen Umsatz von rund 1,54 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Der Konsens lag bei 1,53 Milliarden US-Dollar. Die Prognose bewegte sich damit nur knapp über den Erwartungen.

Große Technologiekonzerne bieten selektiven Rückhalt

Die Chipnachrichten treffen auf einen bereits gespaltenen Technologiemarkt. Gestern bevorzugten Anleger nach dem demokratischen Wahlsieg in beiden Kongresskammern etablierte Cloud-Konzerne. Reuters berichtete über Käufe bei großen Technologieunternehmen, während Anbieter von KI-Infrastruktur unter Druck standen.

Der Nasdaq 100 gewann gestern 0,9%. Dieser Anstieg verdeckt allerdings die unterschiedlichen Erwartungen innerhalb des Technologiesektors: Bestehende Cloud-Kapazitäten könnten von Einschränkungen neuer Rechenzentren profitieren. Für Ausrüster und projektabhängige Unternehmen wären Verzögerungen dagegen ein Risiko.

Nomura sieht die größere Anfälligkeit bei der für 2028 geplanten Rechenzentrumskapazität. Ein Großteil der für 2027 erwarteten Kapazität befinde sich bereits im Bau. Strengere Regeln könnten Projekte zudem verlagern, statt sie vollständig zu verhindern.

Für den Nasdaq 100 zählt deshalb nicht allein die politische Richtung. Die Ergebnisse von Qualcomm und Arm zeigen, dass Absatzentwicklung und Unternehmensausblicke die Erholung ebenfalls begrenzen können. Der für morgen angekündigte US-Arbeitsmarktbericht für Oktober liefert den nächsten gesamtwirtschaftlichen Prüfstein.

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