NASDAQ 100: Chipindex verliert 20,6 Prozent

Der Nasdaq 100 verzeichnet im Juli den stärksten Einbruch seit Jahren, während Amazon und Microsoft glänzen, Apple und Meta jedoch enttäuschen.

Dr. Robert Sasse ·
NASDAQ 100 Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Chipwerte stürzen ab, Index verliert
  • Amazon und Microsoft mit Rekordquartalen
  • Apple und Meta mit schwachen Aussichten
  • Fed hält Zinsen stabil, Warnsignale wachsen

Der Nasdaq 100 hat einen der volatilsten Monate seit Jahren hinter sich. Der Technologieindex schloss am Freitag bei 28.274,20 Punkten und legte damit 0,42 Prozent zu – nach einem Juli, in dem der Index laut einer Auswertung von Goodreturns um 1.534,94 Punkte beziehungsweise 5,15 Prozent eingebrochen war. Auf 30-Tage-Sicht steht für den Nasdaq 100 ein Minus von 5,00 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch fehlen inzwischen 8,09 Prozent.

Hinter der Monatsbilanz verbirgt sich eine ungewöhnlich starke Auffächerung innerhalb der Technologiebranche. Während der marktbreitere S&P 500 den Monat nahezu unverändert beendete und der Dow Jones sogar zulegte, drückten einzelne Schwergewichte den Nasdaq 100 deutlich ins Minus. Der gleichgewichtete S&P 500 übertraf den Nasdaq-100 im Juli nach Angaben von MarketWatch um 7,6 Prozentpunkte – die stärkste monatliche Outperformance seit 2003, wie Dow Jones Market Data ermittelte. Auslöser war laut Berichten ein heftiger Ausverkauf bei Chipwerten: Der Philadelphia Semiconductor Index verlor im Juli rund 20,6 Prozent und markierte damit den schwächsten Monat seit 2008.

Amazon und Microsoft treiben, Apple und Meta bremsen

Die jüngste Berichtssaison der großen Technologiekonzerne fiel extrem uneinheitlich aus. Amazon sprang am Freitag um 15,3 Prozent, nachdem die Cloud-Sparte AWS mit einem Umsatzwachstum von 37 Prozent das stärkste Quartal seit mehr als vier Jahren lieferte. Der Konzern erhöhte laut Berichten seine Investitionsplanung für das laufende Jahr auf 220 Milliarden US-Dollar. Microsoft hatte bereits am Donnerstag zuvor mit einem Kurssprung von 15 Prozent reagiert – dem größten Tagesgewinn seit 2008 – nachdem der Cloud-Dienst Azure erstmals einen Quartalsumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar überschritten hatte. Alphabet gewann im Wochenverlauf 6,9 Prozent, obwohl der Konzern nach Angaben mehrerer Berichte im zweiten Quartal erstmals seit dem Börsengang 2004 einen negativen freien Cashflow auswies und die Kapitalausgaben-Prognose auf 205 Milliarden US-Dollar anhob.

Auf der anderen Seite standen deutliche Verlierer. Meta büßte im Wochenverlauf rund acht bis knapp zehn Prozent ein, nachdem der freie Cashflow um 91 Prozent auf lediglich 784 Millionen US-Dollar eingebrochen war – der Konzern hatte zugleich seine Capex-Untergrenze für 2026 auf 130 bis 145 Milliarden US-Dollar angehoben. Apple verlor am Freitag rund 7,4 Prozent, nachdem der Konzern trotz eines Rekordquartals mit 109,4 Milliarden US-Dollar Umsatz und 27 Prozent Gewinnwachstum eine schwächere Prognose für das laufende Quartal abgab: 9 bis 11 Prozent Umsatzwachstum statt der erwarteten rund 12 Prozent. Der scheidende CEO Tim Cook bezeichnete die Komponentenengpässe bei Speicherchips in seiner letzten Bilanzvorlage vor der Übergabe an John Ternus im September als „sehr bedeutend“. Reuters berichtete, mindestens vier Broker hätten ihre Kursziele für Apple daraufhin gesenkt, der Median liege nun bei 330 US-Dollar.

Fed hält still, Warnsignale mehren sich

Die US-Notenbank unter dem Vorsitzenden Kevin Warsh beließ die Leitzinsen im Juli unverändert. Parallel dazu verdichten sich laut Reuters Warnsignale abseits der Einzelwerte: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte über die Marke von 5 Prozent und damit auf die längste derartige Serie seit 2007, die Marge-Verschuldung erreichte im Juni mit 1,5 Billionen US-Dollar einen Rekordwert. Jim Cramer riet Anlegern angesichts dieser Entwicklung, auf Kredit gekaufte KI-Aktien umgehend zu verkaufen.

Jefferies-Stratege Chris Wood warnte zudem vor den Risiken des branchenweiten Investitionsrausches in künstliche Intelligenz: Die großen Cloud-Anbieter könnten angesichts der enormen Kapitalausgaben Milliarden verbrennen, sollte sich die erwartete Nachfrage nicht materialisieren. Für den Nasdaq 100 bedeutet das eine Gemengelage aus robusten Cloud-Wachstumsraten bei Amazon und Microsoft auf der einen und wachsender Skepsis gegenüber den Ausgabenprogrammen von Meta und Alphabet auf der anderen Seite. Mit einem RSI von 45,2 zeigt der Index derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage – ein Hinweis darauf, dass der Markt die widersprüchlichen Signale der Berichtssaison erst noch verarbeitet.

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