NASDAQ 100: Warsh treibt Zinswahrscheinlichkeit auf 60 Prozent

Geopolitische Spannungen und strengere Zinssignale setzen den Nasdaq 100 unter Druck, während wichtige US-Konjunkturdaten bevorstehen.

Redaktion Stock-World ·
Ein Finanzanalyst sitzt nachdenklich an einem Schreibtisch in einem modernen Büro vor einem ausgeschalteten Monitor. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Brent steigt über 90 US-Dollar
  • Fed-Signale erhöhen Zinssorgen
  • Halbleiter-ETF verliert rund neun Prozent
  • Broadcom-Zahlen und Arbeitsmarktbericht folgen

Der Nasdaq 100 startet die neue Woche unter Druck. Nach einem starken August mit rund vier Prozent Plus geraten die Futures am Montag ins Minus, während sich zwei Belastungsfaktoren überlagern: eine militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran sowie zunehmend hawkishe Töne der US-Notenbank.

Iran-Konflikt treibt Ölpreis, drückt auf Technologiewerte

Auslöser der jüngsten Nervosität sind US-Angriffe auf iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak, auf die der Iran mit Attacken auf US-Streitkräfte in Jordanien reagierte. Der Konflikt dauert bereits die achte Nacht in Folge an, ein dritter US-Soldat wurde getötet.

Die Ölpreise reagierten prompt: Brent kletterte über 90 US-Dollar je Barrel, ein Anstieg von rund zwei bis über fünf Prozent je nach Meldungszeitpunkt. Steigende Energiekosten gelten als zusätzliches Risiko für die Inflationsentwicklung und damit indirekt als Belastung für zinssensitive Technologiewerte, die im Nasdaq 100 hoch gewichtet sind.

Der Index schloss am Freitag bei 29.349,46 Punkten und gab dabei 0,4 Prozent ab. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,3 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar von 3,4 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Verunsicherung bislang eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende darstellt. Der Index notiert nur 4,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 30.762,20 Punkten, das erst Anfang Juni erreicht wurde.

Fed-Chef Warsh verschärft Zinserwartungen

Parallel zur geopolitischen Lage sorgt Fed-Chef Kevin Warsh für Gegenwind. Bei seiner Rede in Jackson Hole bezeichnete er die Inflation als „besorgniserregend“ und signalisierte mögliche Zinserhöhungen – eine deutliche Abkehr von der zuvor entspannteren Markterwartung.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September ist laut Fed-Futures-Notierungen von rund 40 Prozent vor einer Woche auf etwa 57 bis 60 Prozent gesprungen. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen zog in der Folge auf rund 4,34 Prozent an, den höchsten Stand seit Ende Juli.

Besonders hart traf die Kehrtwende die Halbleiterbranche. Der VanEck Semiconductor ETF verlor in der vergangenen Woche rund neun Prozent, den dritten Wochenverlust binnen vier Wochen. Einzelwerte wie Nvidia und Marvell gaben zweistellig nach, nachdem sie im August noch zu den stärksten Treibern des Index gehört hatten – Nvidia und Microsoft hatten im Monatsverlauf jeweils zweistellig zugelegt.

Woche mit dichtem Terminkalender voraus

Anleger richten den Blick nun auf eine datenreiche Woche. Am Dienstag steht der ISM-Index an, dazu Quartalszahlen von Dell und Palo Alto Networks. Am Mittwoch folgen der ADP-Beschäftigungsbericht und das Beige Book, flankiert von den mit Spannung erwarteten Zahlen von Broadcom nach Börsenschluss – der Chiphersteller soll laut Konsensschätzungen einen Umsatz von 29,2 bis 29,4 Milliarden Dollar ausweisen, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von kundenspezifischen KI-Chips für Google und Meta.

Den Wochenabschluss markiert am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für August, für den Reuters-Umfragen ein Stellenplus von rund 45.000 bis 58.000 sowie eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent erwarten.

Diese Datenflut dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob die Fed im September tatsächlich die Zinsen anhebt oder ob sich die Markterwartung wieder entspannt. Solange die Unsicherheit über Nahost-Konflikt und Notenbankkurs anhält, bleibt der Nasdaq 100 trotz seiner Nähe zum Rekordhoch anfällig für schnelle Stimmungswechsel.

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