Navitas Semiconductor: 50 Prozent Wachstum in KI-Rechenzentren

Navitas wächst dank KI-Rechenzentren stark, kämpft aber mit hohem Nettoverlust und Patentklage. Analysten bleiben skeptisch.

Andreas Sommer ·
Navitas Semiconductor Corporation Aktie

Kurz zusammengefasst

  • KI-Rechenzentren treiben Umsatzwachstum
  • Hoher Nettoverlust durch Bewertungseffekte
  • Patentklage von Wolfspeed belastet
  • Analysten senken Kursziele für Navitas

Wer verstehen will, warum Anleger bei Navitas Semiconductor derzeit so nervös reagieren, muss zwei Geschichten gleichzeitig lesen. Die eine erzählt von einem Halbleiterhersteller, der genau dort sitzt, wo die Stromversorgung der KI-Rechenzentren zum Nadelöhr wird.

Die andere erzählt von einem Unternehmen, das operativ noch klein ist, bilanziell Federn lässt und sich gegen einen Konkurrenten vor Gericht verteidigen muss. Beide Geschichten sind wahr, und genau diese Spannung treibt den Kurs.

Am heutigen Montag verliert die Aktie 4,13 Prozent und notiert bei 11,60 Euro. Damit liegt sie rund 60,27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch – ein Abstand, der zeigt, wie viel Vertrauen der Markt seit dem Höchststand bereits abgebaut hat.

Wer nur auf diese Zahl schaut, sieht eine Halbleiteraktie im Abwärtstrend. Wer genauer hinschaut, sieht ein Unternehmen, das gerade an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft – operativ, juristisch und um die Gunst der Analysten.

Die operative Seite: Wachstum kehrt zurück

Am 27. Juli meldete Navitas für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 10,53 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzung von 9,97 Millionen Dollar. Der bereinigte Verlust pro Aktie lag bei 0,04 US-Dollar und traf damit exakt den Konsens.

Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 13,5 Millionen US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 0,5 Millionen Dollar. Das entspräche einem sequenziellen Wachstum von 28 Prozent und wäre die Rückkehr zu einem Umsatzplus im Jahresvergleich.

Besonders bemerkenswert ist, wo dieses Wachstum herkommt. Navitas teilte am heutigen Montag mit, dass die Hochleistungsmärkte – KI-Rechenzentren und Netzinfrastruktur – im zweiten Quartal um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt haben.

Bis Ende 2026 sollen sie mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen. Das ist die eigentliche Wette hinter der Aktie: Wenn Rechenzentren mehr Strom brauchen, brauchen sie auch effizientere Leistungshalbleiter, um diesen Strom verlustärmer umzuwandeln.

Erst vor wenigen Tagen stellte das Unternehmen eine neue 1,2-Kilovolt-JFET-Produktlinie auf Basis der fünften Generation seiner GeneSiC-Technologie vor, die genau auf diese Anwendungen zielt und laut eigenen Angaben ein zusätzliches adressierbares Marktpotenzial von rund einer Milliarde US-Dollar erschließen soll.

Auch die Ende Juli bekannt gewordene Partnerschaft mit Magnachip Semiconductor, das GeneSiC-Lizenzen der vierten und fünften Generation für Anwendungen bis 3300 Volt nutzen und in seiner südkoreanischen Fabrik qualifizieren will, passt in dieses Bild einer Firma, die ihre Technologie breiter ausrollt.

Die Kehrseite: Verlust, Klage und skeptische Analysten

Doch der Blick auf die Bilanz zeigt, warum die Aktie am Tag der Zahlen um rund 12 Prozent einbrach – trotz der Umsatzüberraschung. Navitas wies einen GAAP-Nettoverlust von 228,2 Millionen US-Dollar aus, verursacht durch eine nicht zahlungswirksame Neubewertung von Earnout-Verbindlichkeiten in Höhe von 203,1 Millionen US-Dollar.

Ein Buchhaltungseffekt, kein operatives Desaster – aber genug, um Anleger zu verschrecken, die zwischen Wachstumsstory und Bilanzrisiko nicht sauber trennen konnten oder wollten.

Hinzu kommt ein juristischer Konflikt: Anfang Juli reagierte Navitas auf eine Patentklage von Wolfspeed vor dem US-Bezirksgericht in Delaware und kündigte an, die Vorwürfe zurückzuweisen und seine GaN- und SiC-Produktlinien energisch zu verteidigen. Ein schwebendes Verfahren dieser Art wiegt auf jede Wachstumsstory – Anleger müssen es im Kopf behalten, auch wenn ein Ausgang noch offen ist.

Auch von der Analystenseite kam Ende Juli kein Rückenwind. Am 28. Juli senkte Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore das Kursziel für Navitas von 13,70 auf 12,60 US-Dollar und beließ die Einstufung bei „Underweight“. Am selben Tag reduzierten die Analysten von Jefferies Financial Group ihr Kursziel von 15,00 auf 13,00 US-Dollar, bei unveränderter „Hold“-Einstufung. Beide Häuser reagierten damit unmittelbar auf den Zahlensturz und den Bilanzverlust.

Was Anleger von hier aus beobachten sollten

Die Aktie hat sich binnen sieben Tagen deutlich erholt, bleibt aber mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 110 Prozent ein Papier für Anleger mit starken Nerven.

Der nächste Prüfstein kommt am 2. November, wenn Navitas seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt und zeigen muss, ob die versprochenen 13,5 Millionen US-Dollar Umsatz tatsächlich erreicht werden – und ob der Rechenzentrums-Boom die juristischen und bilanziellen Altlasten am Ende überstrahlen kann.

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Navitas Semiconductor Corporation Aktie

13,50 USD

– 0,40 USD -2,84 %
KGV
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 3,63 Mrd. USD
Ø Kursziel 14,08 USD
ISIN: US63942X1063 WKN: A3C5RC

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