Nebius Aktie: 45-Prozent-Marge bei 684% Wachstum
Nebius Group wird in den Nasdaq-100 aufgenommen. Das KI-Infrastruktur-Unternehmen überzeugt mit massivem Umsatzwachstum und steigenden Margen.

Kurz zusammengefasst
- Aufnahme in den Nasdaq-100 Index
- Umsatzsprung um 684 Prozent
- EBITDA-Marge auf 45 Prozent gestiegen
- Ausbau auf ein Gigawatt Kapazität
Es gibt einen Moment im Leben eines Wachstumsunternehmens, an dem sich die Geschichte grundlegend verändert. Wenn aus einer spekulativen Wette ein Pflichttitel wird. Für Nebius Group ist dieser Moment am kommenden Sonntag.
Ab dem 22. Juni 2026 ist Nebius Teil des Nasdaq-100 — als Ergebnis der quartalsweisen Indexanpassung. Das klingt nach Formalität. Es ist das Gegenteil.
Der mechanische Kaufdruck, den niemand aufhalten kann
Der Nasdaq-100 bildet die Grundlage für mehr als 200 Anlageprodukte mit einem verwalteten Vermögen von über 800 Milliarden Dollar weltweit. Alle passiven Fonds und ETFs, die den Index abbilden, müssen Nebius-Aktien vor dem Aufnahmedatum kaufen. Das ist kein überzeugungsgetriebener Kauf — das sind regelbasierte Pflichtpositionen. Jeder QQQ-Rebalance, jeder Nasdaq-100-ETF, jedes strukturierte Produkt braucht Nebius im Portfolio.
Der Markt hat das bereits eingepreist. Die Aktie schloss am Montag bei 223,40 Euro — ein Plus von 17 Prozent in sieben Tagen und rund 30 Prozent in einem Monat. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei über 190 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 242,95 Euro, erreicht Anfang Juni, ist nur noch acht Prozent entfernt.
Nebius tritt dem Index gemeinsam mit Astera Labs, CoreWeave, Rocket Lab und Teradyne bei. Unter den fünf Neuaufnahmen führt Nebius die Jahresperformance mit 165,5 Prozent an. Das ist kein Zufall — die Indexaufnahme ist nicht der Auslöser der Rally, sondern ihre Bestätigung.
Fundamentaldaten, die den Hype rechtfertigen
Die Indexmechanik wäre bedeutungslos, wenn das Geschäftsmodell darunter hohl wäre. Es ist es nicht.
Der Umsatz im ersten Quartal 2026 erreichte 399 Millionen Dollar — ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was diese Zahl noch bemerkenswerter macht: Die bereinigte EBITDA-Marge sprang von 24 Prozent im vierten Quartal auf 45 Prozent. Ein Unternehmen, das dreistellig wächst und gleichzeitig die Margen nahezu verdoppelt, ist in der kapitalintensiven Infrastrukturwelt eine echte Ausnahme. Die Liquidität lag zum Quartalsende bei 9,3 Milliarden Dollar.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management einen annualisierten Umsatz von 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Der Konzernumsatz soll zwischen 3 und 3,4 Milliarden Dollar liegen, die bereinigte EBITDA-Marge bei rund 40 Prozent.
Von Megawatt zu Marktkapitalisierung
Die eigentliche Geschichte hinter Nebius ist struktureller Natur. Inferenz — also das Ausführen trainierter KI-Modelle — ist das am schnellsten wachsende Segment im KI-Bereich und soll in diesem Jahr rund zwei Drittel der gesamten Rechenkapazitätsnachfrage ausmachen. Wer diese Infrastruktur bereitstellt, baut kritische Grundlage für die nächste Phase der KI-Entwicklung.
Nebius hat genau darauf hingearbeitet. Das Unternehmen betreibt inzwischen rund 170 Megawatt aktive Rechenleistung — ursprünglich war ein Ziel von 100 Megawatt angepeilt. Nebius gehört zu den ersten KI-Cloud-Anbietern weltweit, die NVIDIAs neue Vera-Rubin-NVL72-Systeme einsetzen werden. Das Investitionsprogramm für 2026 umfasst rund 22,5 Milliarden Dollar. Das Ziel: bis Jahresende eine Gesamtkapazität von einem Gigawatt aufzubauen, verteilt auf 16 Standorte in den USA und EMEA.
Der agentenbasierte KI-Markt soll von rund 7 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 140 bis 200 Milliarden Dollar Anfang der 2030er-Jahre wachsen. Nebius positioniert sich dabei nicht nur als GPU-Vermieter, sondern als vollständige Plattform — mit einer integrierten Software-Schicht, auf der Unternehmen autonome KI-Agenten aufbauen und betreiben können.
Die Spannung hinter dem Momentum
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 51 Milliarden Euro und einer annualisierten Volatilität von fast 114 Prozent ist Nebius kein Titel für schwache Nerven. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 162,24 Euro — der aktuelle Kurs notiert fast 38 Prozent darüber. Der RSI von 63,4 ist erhöht, aber noch nicht in extremem Territorium.
Reicht das Fundament, um eine Bewertung zu tragen, die auf künftiger Infrastrukturherrschaft basiert? Das ist die Frage, die hinter jedem Kursanstieg mitschwingt. Die Margenentwicklung und die Wachstumsdynamik liefern bisher überzeugende Argumente — aber bei einem 12-Monats-Kursanstieg von über 410 Prozent ist der Spielraum für Enttäuschungen gering.
Am 22. Juni kaufen Indexfonds ohne Rücksicht auf Bewertung. Danach muss Nebius liefern.
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