Nebius Aktie: 454 Prozent Umsatzsprung, 3% Minus
Nebius übertrifft mit fast verfünffachtem Umsatz die Erwartungen, dennoch fällt die Aktie. Analysten sehen Risiken bei Rechenzentrums-Bau.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz steigt um 454 Prozent
- AI-Cloud-Erlöse versechsfachen sich
- BlackRock und Goldman erhöhen Anteile
- Kursziel von DA Davidson gesenkt
Nebius Group hat gestern Zahlen vorgelegt, die selbst hochgesteckte Erwartungen übertrafen – und trotzdem knickt die Aktie heute ein. Der Kurs verliert 3,0 Prozent auf 217,90 Euro, nachdem das Papier tags zuvor bei 224,55 Euro geschlossen hatte. Der Rückgang wirkt angesichts der Nachrichtenlage wie eine technische Verschnaufpause: Auf Wochensicht steht bei Nebius immer noch ein Plus von 32 Prozent, auf Jahressicht sogar von 196 Prozent.
Umsatz verfünffacht sich fast
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Nebius einen Umsatz von 582,3 Millionen Dollar – ein Anstieg von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich mehr als die von LSEG erhobene Konsensschätzung von 572,75 Millionen Dollar.
Treiber war die AI-Cloud-Sparte, deren Erlöse sich nahezu versechsfachten und allein 575 Millionen Dollar beisteuerten. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das ein außergewöhnliches Tempo, das die Frage aufwirft, ob sich das Wachstum in dieser Form fortsetzen lässt.
Ein wichtiger Baustein der Antwort liegt im Auftragsbuch. Nebius unterzeichnete im zweiten Quartal vier große Cloud-Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtvolumen von jeweils über einer Milliarde Dollar.
Bestätigt wurde zudem ein mehrjähriger Deal über mehr als eine Milliarde Dollar mit Reflection AI, der Rechenkapazität bis 2029 sichert. Solche langfristigen Abnahmeverträge geben dem Umsatzwachstum eine sichtbare Basis für die kommenden Jahre.
Kapazitätsausbau treibt Investitionen
Nebius hob sein Ziel für die bis Jahresende 2026 kontrahierte Stromkapazität von 4 auf 5 Gigawatt an und bekräftigte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 40 Prozent.
Der Preis für dieses Wachstum ist hoch: Die Investitionsausgaben im zweiten Quartal lagen bei 5,7 Milliarden Dollar und damit klar über der Schätzung von 4,7 Milliarden Dollar, größtenteils für GPU-Beschaffung und den Ausbau von Rechenzentren.
Das Unternehmen betonte allerdings, dass Vorauszahlungen von Kunden die erwartete Amortisationszeit des eingesetzten Kapitals auf 22 Monate verkürzt haben – ein Hinweis darauf, dass die Investitionen nicht auf Vorrat, sondern auf bereits gebuchte Nachfrage getätigt werden.
Nicht alles läuft reibungslos. DA Davidson senkte am Dienstag sein Kursziel für Nebius von 250 auf 175 Dollar und beließ die Einstufung bei Neutral. Als Grund nannte das Analysehaus mögliche Bauverzögerungen am Rechenzentrums-Campus in Vineland, New Jersey, die die Umsetzung der Pläne für 2026 belasten könnten.
Institutionelle Investoren bauen Positionen aus
Parallel zur operativen Entwicklung wächst das Interesse großer Kapitalsammelstellen. BlackRock stockte seine Position bis Ende Juni um 16,04 Prozent auf und hält nun rund 11,5 Millionen Class-A-Aktien. Goldman Sachs meldete in einer aktualisierten Offenlegung einen Anteil von 10,5 Prozent, was mehr als 23 Millionen Class-A-Stammaktien entspricht. Auch Janus Henderson erhöhte sein Engagement im ersten Quartal um 14,9 Prozent.
Mit Blick auf die Kursentwicklung bleibt die Aktie trotz des heutigen Rückgangs 17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, notiert aber weiterhin deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 193,19 Euro.
Die hohe Volatilität von 177 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, dass Rückschläge wie der heutige Handelstag bei Nebius keine Seltenheit sind – ungeachtet der fundamental starken Geschäftsentwicklung.
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