Nebius Aktie: 5-Milliarden-Dollar-Wandelanleihe aufgestockt

Nebius erhöht Kapital auf 5 Mrd. Dollar für KI-Infrastruktur. Trotz Umsatzplus von 454% bleiben Nettoverlust und hohe Verschuldung.

Dieter Jaworski ·
Moderne Rechenzentrum-Infrastruktur mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für digitale Finanzinvestitionen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kapitalerhöhung auf 5 Milliarden Dollar
  • Umsatzsprung um 454 Prozent
  • Nettoverlust von 190 Millionen Dollar
  • Analysten uneins über KI-Wette

Wer in diesen Tagen auf den Kurszettel von Nebius blickt, erkennt sofort: Hier wird nicht mit kleinen Einsätzen gespielt. Die Entscheidung des Unternehmens, seine Wandelanleihe am gestrigen Freitag auf ein Volumen von insgesamt 5 Milliarden US-Dollar aufzustocken, markiert für mich einen Wendepunkt. Es ist der Versuch, sich mit brachialer finanzieller Gewalt einen Platz am Tisch der großen KI-Infrastrukturanbieter zu sichern. Doch während die Wachstumszahlen glänzen, wachsen im Schatten der Rechenzentren die Risiken für die Anleger.

Ein beispielloser Expansionsdrang

Für mich ist die Dimension dieser Kapitalmaßnahme schlicht atemberaubend. Nebius teilt das frische Geld in zwei Tranchen auf: 3 Milliarden US-Dollar werden über eine Anleihe mit einer Laufzeit bis 2030 und einem fast schon symbolischen Kupon von 0,5 Prozent eingesammelt.

Weitere 2000 Millionen US-Dollar fließen über ein Papier bis 2034 zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent ins Unternehmen. Rechnet man die Optionen für Mehrzuteilungen hinzu, könnte das Gesamtvolumen sogar auf über 5,7 Milliarden US-Dollar steigen.

Dass der Markt auf diese Nachricht zunächst mit einem Kursrutsch reagierte, überrascht mich kaum. Neben der massiven Neuverschuldung drückt der Umtausch von alten Anleihen im Wert von 800 Millionen US-Dollar in rund 15,8 Millionen neue Aktien auf die Stimmung. Diese Verwässerung der bestehenden Anteile um etwa 5,5 Prozent ist der Preis, den Aktionäre für den Griff nach der KI-Krone zahlen müssen.

Wachstum am Limit oder visionärer Weitblick?

Die fundamentale Entwicklung des Unternehmens liest sich wie ein Drehbuch für die Goldgräberstimmung im Silicon Valley. Im zweiten Quartal explodierte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 454 Prozent auf 582 Millionen US-Dollar.

Wer solche Zahlen liefert, hat Argumente auf seiner Seite. Besonders beeindruckend finde ich die EBITDA-Marge im Bereich AI Cloud, die bei 50 Prozent liegt. Dennoch bleibt Nebius unter dem Strich tiefrot; das Quartal endete mit einem Nettoverlust von 190 Millionen US-Dollar.

Das Problem liegt für mich in der schieren Kapitalintensität. Mit Investitionen von 5,7 Milliarden US-Dollar allein im letzten Quartal verbrennt Nebius Geld schneller, als es viele klassische Industrieunternehmen in einem Jahrzehnt verdienen.

Zwar berichtete das Unternehmen über einen Cash-Bestand von über 8 Milliarden US-Dollar, doch bei diesem Tempo der Expansion – Nebius plant riesige Rechenzentren und den massiven Zukauf von GPUs – schmilzt auch dieses Polster dahin.

Die Spaltung der Analystenzunft

Ich beobachte derzeit eine extreme Polarisierung unter den Experten, wie sie selten bei einem Tech-Wert zu finden ist. Auf der einen Seite stehen Optimisten wie Wolfe Research.

Dort traut man Nebius zu, die wiederkehrenden jährlichen Umsatzerlöse von derzeit gut 4,2 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030 auf über 41 Milliarden US-Dollar zu steigern – fast eine Verzehnfachung. Deals mit Branchengrößen wie Microsoft und Meta untermauern diese These einer langfristigen Dominanz.

Auf der anderen Seite steht die mahnende Stimme von BCA Research. Die Analysten dort warnen vor den sogenannten „Neoclouds“, zu denen sie neben CoreWeave auch Nebius zählen.

Ihr Argument: Die Schuldenlast und die astronomischen Investitionskosten könnten kollabieren, falls die Nachfrage nach KI-Rechenleistung auch nur geringfügig nachlässt. Angesichts einer Short-Quote von 27,6 Prozent des Streubesitzes ist die Aktie längst zu einem Schlachtfeld zwischen Optimisten und Skeptikern geworden.

Das Urteil für den Kapitalmarkt

Am Freitag ging das Papier mit einem Schlusskurs von 187,70 € aus dem Handel. Trotz der jüngsten Turbulenzen und eines Abstands von -28% zum 52-Wochen-Hoch notiert der Wert seit Jahresanfang noch immer mit 155% im Plus. Diese Zahlen verdeutlichen die extreme Volatilität: Wer hier investiert, muss starke Nerven haben.

Unterm Strich ist Nebius für mich die reinste Form einer Wette auf die Fortdauer des KI-Booms. Das Unternehmen schafft Fakten und baut Kapazitäten auf, als gäbe es kein Morgen.

Wenn der Plan aufgeht und die Nachfrage nach Rechenleistung wie prognostiziert explodiert, könnte die aktuelle Finanzierung im Rückblick als Geniestreich gelten. Doch die Gefahr einer Überkapazität und der immense Zinsaufwand der länger laufenden Tranche sind reale Bedrohungen.

Für mich überwiegt derzeit der Eindruck, dass das Management volles Risiko geht. Anleger müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie hier kein klassisches Cloud-Unternehmen kaufen, sondern einen hochgehebelten Infrastruktur-Akteur. Die Chancen sind gigantisch, aber die Fallhöhe ist es nach dem jüngsten Kapitalmarkt-Manöver ebenso. Ein moderaterer Pfad scheint für Nebius keine Option mehr zu sein – es zählt nur noch die absolute Größe.

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Nebius Aktie

183,00 EUR

– 12,00 EUR -6,15 %
KGV
KUV 36,73
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 57,01 Mrd. USD
Ø Kursziel 290,71 USD
ISIN: NL0009805522 WKN: A1JGSL

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