Interviewmit Eduard Altmann

Nebius Aktie: Mehr als 40 Milliarden Dollar Verträge lassen die Finanzierung offen

Analyst Eduard Altmann bewertet das Verlustrisiko höher, solange Stromversorgung, Ausbau und Finanzierung der Rechenzentren ungeklärt sind.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über Nebius
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Microsoft- und Meta-Verträge über 40 Milliarden Dollar
  • Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar geplant
  • Rotterdamer Rechenzentrum bislang nur beabsichtigt
  • Altmann sieht Verlustrisiko derzeit höher

Nebius hat mit Microsoft und Meta Umsätze von mehr als 40 Milliarden US-Dollar vertraglich vereinbart; der Ausbau der dafür nötigen Rechenzentren verlangt erhebliche Mittel. Wie Eduard Altmann die Verträge gegen das Finanzierungsrisiko gewichtet, zeigt das Gespräch.

Nebius (NL0009805522) — Schlusskurse 16.04.2026 bis 13.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 13.10.2026.

Nebius (NL0009805522) — Schlusskurse 16.04.2026 bis 13.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 13.10.2026.

Stock World Redaktion: Der Analysten-Konsens sieht erhebliches Potenzial. Welche Begründung haben Sie, das Verlustrisiko trotz der Verträge mit Microsoft und Meta so stark zu gewichten?

Eduard Altmann: Wenn der Ausbau stockt, fließt Geld in Standorte und Technik, bevor daraus ausreichend nutzbare Rechenleistung wird. Dann wird der Irrtum teuer. Die Verträge belegen Nachfrage, und das erkenne ich an. Verträge liefern keine Steckdose für Rechenzentren. Für mein Urteil zählt zuerst, ob Nebius Strom, Bau und Finanzierung zusammenbekommt.

Stock World Redaktion: Sie sagen: „Verträge liefern keine Steckdose für Rechenzentren.“ Die Absichtserklärung für Rotterdam sichert immerhin einen künftigen Großstandort. Ist Ihr Blick auf den Engpass zu streng?

Eduard Altmann: In Rotterdam gibt es bisher eine Absicht. Strom und Bau müssen noch folgen. Das kann dauern.

Stock World Redaktion: Wenn dieser Ausbau stockt: Wie teuer kann Ihr Irrtum über Nebius werden, obwohl die Kunden gebunden sind?

Eduard Altmann: Bei geplanten Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar für 2026 ist eine Verzögerung keine Kleinigkeit. Meine Rechnung kippt, wenn zugesagte Kapazität wegen Stromanschluss oder Finanzierung länger nicht nutzbar wird, während die Ausgaben weiterlaufen.

Dann bleibt viel Geld gebunden, ohne dass die erwarteten Umsätze daraus entstehen. Wie groß der Verlust wäre, lässt sich heute nicht seriös beziffern; genau deshalb gewichte ich dieses Risiko hoch.

Stock World Redaktion: Sie behandeln die Nähe zu NVIDIA als Vorteil. Ist diese Abhängigkeit nicht gerade die Schwäche, die Nebius’ Vorsprung entwertet?

Eduard Altmann: Für den jetzigen Ausbau wirkt die Abhängigkeit zunächst in die andere Richtung: Die strategische Beteiligung von NVIDIA erleichtert Nebius den frühen Zugang zu knapper Technik. Ewig hält dieser Vorsprung nicht, denn Wettbewerber kommen ebenfalls an NVIDIA-Hardware.

Eigenständiger ist, dass Nebius Server und Software selbst entwickelt; laut Analystenschätzungen senkt das die Gesamtkosten je GPU-Stunde um etwa 20 bis 25 Prozent. Ob dieser Vorteil bei Nebius als Ertrag ankommt, hängt auch von der Verhandlungsmacht seiner Großkunden ab.

Stock World Redaktion: Was müsste Inferize im Betrieb bewirken, damit die Übernahme für Sie mehr als ein Technikversprechen wird?

Eduard Altmann: Kürzere Anlaufzeiten großer KI-Modelle müssten dazu führen, dass vorhandene Rechner mehr abrechenbare Arbeit leisten. Die Technik und das Team sind bereits bei Token Factory angekommen; einen bezifferten Ergebnisbeitrag gibt es bislang nicht. Das ist ein plausibler Weg zu besserer Auslastung, noch kein Beleg dafür.

Stock World Redaktion: Bei 20 bis 25 Milliarden Dollar geplanten Investitionen für 2026: Überwiegt für Sie bei Nebius die Chance oder das Verlustrisiko?

Eduard Altmann: Derzeit gewichte ich das Verlustrisiko höher. Die Nachfrage ist durch große Verträge greifbar, und Inferize kann die vorhandene Technik wirtschaftlicher machen. Bei diesem Ausmaß an Investitionen entscheidet für mich jedoch die nutzbare Kapazität: Verzögert sie sich, wird die Rechnung schnell unfreundlich.

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Nebius Aktie

182,78 EUR

– 5,64 EUR -2,99 %
KGV 172,71
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 55,78 Mrd. USD
Ø Kursziel 283,60 USD
ISIN: NL0009805522 WKN: A1JGSL

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