Nebius nach der Hauptversammlung: Wie viel Vertrauensvorschuss trägt die Aktie noch?

Nebius-Aktionäre billigen neue Kapitalbefugnisse. Starkes Umsatzwachstum und hohe Vorauszahlungen stützen den Ausbau, doch Verwässerungsrisiken bleiben.

Eduard Altmann ·
Nebius Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktionäre bestätigen sämtliche Beschlussvorlagen
  • Umsatz steigt im zweiten Quartal deutlich
  • Auftragsbestand stützt milliardenschwere Investitionen
  • Neue Befugnisse bergen Verwässerungsrisiken

Ausgangslage: Governance-Freiraum trifft auf Rekordbewertung

Nebius meldet nach der Hauptversammlung vom 25. August eine breite Zustimmung der Aktionäre zu sämtlichen Beschlussvorlagen. Am Mittwoch billigten die Anteilseigner unter anderem die Wiederbestellung von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, die Bestätigung der Abschlussprüfer sowie weitreichende Kapitalbefugnisse für den Verwaltungsrat: Er darf zusätzliche Class-A-Aktien ausgeben, Bezugsrechte ausschließen, bis zu 20 Prozent der ausstehenden Aktien zurückkaufen und 2.243.621 eigene Class-C-Aktien einziehen.

Die Aktie reagierte am heutigen Donnerstag mit einem Plus von 6,4 Prozent auf 195,64 Euro und liegt damit rund 2,3 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Erst am Montag hatte Nebius eine Wandelanleihe über 5,75 Milliarden Dollar geschlossen, tags darauf hob Goldman Sachs sein Kursziel auf marktweit führende 328 Dollar an.

Die nun erteilte Kapitalflexibilität liefert dem Management das rechtliche Rüstzeug, um mit dem frischen Fremdkapital und potenziellem Eigenkapital zügig zu agieren – etwa für Aktienrückkäufe, weitere Kapitalmarktaktionen oder Zukäufe.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der Personalie: Governance-Unsicherheit ist vom Tisch, während der Konzern seinen milliardenschweren Infrastrukturausbau vorantreibt.

Die entscheidende Frage: Hält das Wachstumstempo mit dem Kapitalbedarf Schritt?

Der Kern der Anlegerentscheidung ist nicht die Hauptversammlung selbst, sondern die Frage, ob Nebius das enorme Kapitaltempo mit entsprechendem Umsatzwachstum rechtfertigen kann. Im zweiten Quartal wuchs der Konzernumsatz um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar, das AI-Cloud-Geschäft steuerte davon 575 Millionen Dollar bei.

Die annualisierte Run-Rate erreichte zum Ende Juni 3 Milliarden Dollar, ein Plus von 598 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose einer Run-Rate von 7 bis 9 Milliarden Dollar bei einem Capex-Rahmen von 20 bis 25 Milliarden Dollar.

Diese Spanne zeigt das Ausmaß der Wette: Nebius muss innerhalb kurzer Zeit enorme Investitionssummen in Rechenzentren und GPU-Kapazität stecken, um die versprochenen Erlöse überhaupt liefern zu können.

Der Auftragsbestand von 40 Milliarden Dollar und Kundenvorauszahlungen von über 9 Milliarden Dollar, die laut Unternehmensangaben 50 bis 60 Prozent des Capex abdecken sollen, stützen die These, dass die Nachfrage die Investitionen trägt. Auch die erste Kapazitätsauktion, die 15 Prozent über dem bisherigen Höchstpreis für Blackwell-Chips abschloss, deutet auf ein knappes Angebot bei robuster Nachfrage hin.

Bullisches Szenario: Kapitalflexibilität als Wachstumsbeschleuniger

Sollte sich die Nachfrage nach KI-Cloud-Kapazität wie bisher fortsetzen, verschafft die neu erteilte Kapitalflexibilität dem Management Spielraum, um opportunistisch zu handeln – etwa durch gezielte Rückkäufe bei Kursschwächen oder durch zügige Anschlussfinanzierungen für weitere Rechenzentren.

Die im August erteilte Phase-2-Genehmigung für das Rechenzentrum in Vineland entschärft zudem ein regulatorisches Risiko in den USA. Bleibt der Auftragsbestand hoch und wachsen die Vorauszahlungen weiter, könnte Nebius die ambitionierte Capex-Guidance ohne übermäßige Verwässerung der Aktionäre stemmen. In diesem Szenario wirkt die Hauptversammlung rückblickend als Wegbereiter, nicht als Belastung.

Bärisches Szenario: Verwässerungsrisiko und regulatorischer Gegenwind

Die eingeräumten Befugnisse – insbesondere der Ausschluss von Bezugsrechten bei neuen Class-A-Aktien – öffnen aber auch die Tür für Verwässerung, falls das Management zusätzliches Eigenkapital aufnehmen muss, um den Capex-Rahmen von bis zu 25 Milliarden Dollar zu stemmen.

Die Wandelanleihe allein deckt diesen Bedarf nicht vollständig. Hinzu kommt laut Berichten wachsender Widerstand gegen Rechenzentrumsprojekte in einzelnen Jurisdiktionen, worauf Cantor Fitzgerald bei seiner Ersteinschätzung mit Overweight-Rating explizit hinwies.

Auch die kolportierten Gespräche über eine Übernahme des israelischen KI-Start-ups Decart AI bergen Risiken: Medienberichten zufolge konkurriert Nebius dabei mit Nvidia, SpaceX und Amazon um denselben Übernahmekandidaten – ein Bieterwettstreit, der den Kaufpreis in die Höhe treiben oder ganz zugunsten eines Konkurrenten ausgehen könnte.

Bei einer annualisierten Volatilität von 173 Prozent könnten schon moderate Enttäuschungen bei künftigen Kennzahlen zu heftigen Kursausschlägen führen.

Ausblick: Der nächste Prüfstein heißt Kapitalverwendung

Solange Auftragsbestand und Vorauszahlungen im bisherigen Tempo wachsen, dürfte der Markt die neuen Kapitalbefugnisse als Werkzeug für Wachstum und nicht als Verwässerungsdrohung lesen – der Kurs notiert mit 195,64 Euro rund 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, aber weit über dem Tief von 53,50 Euro vom 5. September.

Kippt hingegen die Nachfragedynamik oder zeigt sich, dass die Kapitalflexibilität tatsächlich für größere Aktienausgaben statt für Rückkäufe genutzt wird, dürfte die Bewertung rasch unter Druck geraten.

Der nächste konkrete Prüfstein: wie das Management die frisch erteilten Befugnisse in den kommenden Monaten tatsächlich einsetzt – und ob der Bieterwettstreit um Decart AI zu einem weiteren Zukauf oder zu einem Rückzug führt.

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Nebius Aktie

196,50 EUR

+ 14,90 EUR +8,20 %
KGV
KUV 35,04
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 57,34 Mrd. USD
Ø Kursziel 283,93 USD
ISIN: NL0009805522 WKN: A1JGSL

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