Nel ASA Aktie: 70-Millionen-Streit mit Iwatani
Nel ASA leidet unter neuen US-Importzöllen und einem millionenschweren Vergleich. Der Auftragseingang steigt jedoch rasant.

Kurz zusammengefasst
- Neue US-Zölle belasten grüne Technologiewerte
- Millionenvergleich mit Iwatani Corporation belastet Quartal
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- Neue PA-Serie soll Kosten drastisch senken
Nel ASA kämpft an zwei Fronten gleichzeitig. Auf der einen Seite drückt ein globaler Zollschock auf grüne Technologiewerte. Auf der anderen Seite muss der norwegische Elektrolyseur-Hersteller einen millionenschweren Rechtsstreit verdauen. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,1968 Euro, ein Minus von 2,09 Prozent.
Washington schickt grüne Technologie auf Talfahrt
Am 24. Juli 2026 hat Washington neue Importzölle von 10 und 12,5 Prozent eingeführt. Betroffen sind 60 verschiedene Volkswirtschaften. Die Maßnahme hat einen breiten Ausverkauf bei internationalen Technologie- und „Green Tech“-Aktien ausgelöst.
Anleger fürchten steigende Kosten in globalen Lieferketten. Für Wasserstoff-Unternehmen wie Nel kommt das zur Unzeit. Die Flucht in sichere, renditestarke Anlagen überlagert derzeit die langfristige Dekarbonisierungs-Story der Branche.
Quartalszahlen zeigen zwei Gesichter
Die aktuelle Kursschwäche folgt auf den Quartalsbericht von Nel ASA für das zweite Quartal 2026, veröffentlicht am 15. Juli. Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild aus operativem Fortschritt und teuren Altlasten.
Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel auf 153 Millionen norwegische Kronen. Das ist ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber den 174 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen.
Ein Grund dafür: Nel musste sich mit der Iwatani Corporation of America vergleichen. Der Streit drehte sich um Betankungsanlagen in Kalifornien und kostete das Unternehmen 70 Millionen Kronen, umgerechnet rund 7,5 Millionen Dollar.
Positiver sieht es beim Auftragseingang aus. Der stieg um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen. Der gesamte Auftragsbestand kletterte damit Ende Juni auf 1,213 Milliarden Kronen. Trotz des Quartalsverlusts verfügt Nel über eine Kassenposition von rund 1,328 Milliarden Kronen — ein Polster für den weiteren industriellen Ausbau.
Herøya und die neue Produktgeneration
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der RSI von 36,5 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, ohne bislang eine klare Trendwende zu markieren.
Die kommenden Monate entscheiden viel für Nels Industriestrategie. Im Zentrum steht der Ausbau der Herøya-Anlage in Norwegen. Dort treibt das Unternehmen die Skalierung seiner neuen PA-Series voran, einer druckalkalischen Plattform, die im Mai 2026 kommerziell gestartet ist.
Die neue Technologie soll die Investitionskosten gegenüber älteren Systemen um 40 bis 60 Prozent senken. Ob das Management den wachsenden Auftragsbestand — getrieben vor allem durch Nachfrage nach PEM-Technologie — in tatsächlichen Umsatz verwandeln kann, entscheidet über die Kursentwicklung in der zweiten Jahreshälfte.
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