Nel ASA Aktie: 73 Prozent Auftragseinbruch im Mai
Nel ASA startet neue Elektrolyseur-Plattform, kämpft aber mit massivem Auftragsrückgang und wachsendem Preisdruck durch Konkurrenz.
Kurz zusammengefasst
- Neue alkalische Elektrolyseur-Plattform gestartet
- Auftragseingang um 73 Prozent eingebrochen
- Kein Analyst empfiehlt aktuell den Kauf
- Halbjahresbericht am 15. Juli erwartet
Nel ASA erlebt einen seltenen Spagat. Technologisch setzt der Wasserstoff-Spezialist mit einer neuen Elektrolyseur-Plattform ein Ausrufezeichen. Geschäftlich kämpft der Konzern mit schwachen Aufträgen, knapper Auslastung und wachsendem Preisdruck.
Der Kurs läuft trotzdem heiß: Am Freitag schloss die Aktie bei 0,33 Euro, in den vergangenen 30 Tagen ging es um 49,43 Prozent nach oben. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 71,10 Prozent. Kein Wunder, dass die Diskrepanz zwischen Börsenfantasie und operativer Realität nun genauer geprüft wird.
Neue Plattform, neuer Preisdruck
Nel hat im Mai seine neue druckalkalische Elektrolyseur-Plattform kommerziell gestartet. Nach acht Jahren Entwicklung soll sie die Kosten für große Anlagen deutlich senken und Nel klar von anderen Anbietern abheben.
Bei einer Anlage mit 25 MW peilt Nel vollständige Projektkosten von unter 1.450 Dollar je Kilowatt an. Viele Industrieprojekte lagen zuletzt nahe oder über 3.000 Dollar je Kilowatt. Das ist der Kern der Technologiegeschichte.
Der Zeitpunkt ist heikel. Westliche Elektrolyseur-Hersteller kämpfen mit langsamen Projektentscheidungen, schwacher Nachfrage und harter Konkurrenz aus China. Viele Anbieter senken Kosten und passen Kapazitäten an.
Nur zwei Wochen nach Nels Produktstart legte Stiesdal Hydrogen nach. Der dänische Rivale präsentierte einen 6,5-MW-Elektrolyseur und stellt Systemkosten von unter 500 Euro je Kilowatt in Aussicht. Damit liegt Stiesdal deutlich unter Nels neuer Plattform.
ITM Power nennt für seine PEM-Systeme rund 1.166 Dollar je Kilowatt, jeweils inklusive Balance-of-Plant. Chinesische Hersteller gelten bei rund 500 Euro je Kilowatt als Kostenreferenz. Für Nel verschärft sich damit die zentrale Aufgabe: Der Technologievorsprung muss auch beim Preis überzeugen.
Aufträge brechen weg
Die operativen Zahlen erzählen eine andere Geschichte als der Aktienkurs. Der jüngste Auftragseingang brach um 73 Prozent auf 85 Millionen norwegische Kronen ein. Das ist ein harter Rückschlag für die Auslastung.
Der Auftragsbestand fiel um 24 Prozent auf 1,113 Milliarden norwegische Kronen. Das Management räumte ein, dass das aktuelle Orderbuch keine nennenswerte Werksauslastung im Jahr 2027 sichert. Genau hier liegt der wunde Punkt.
Bei der PEM-Sparte sank der Umsatz um 14 Prozent. Grund waren begrenzte Projektlieferungen sowie verzögerte oder gestrichene US-Forschungszuschüsse. Teile dieser erwarteten Gelder stehen seit Ende des vergangenen Jahres zur Prüfung aus.
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Für die nächste PEM-Generation plant Nel 2026 einen Prototyp-Stack. Auf Stack-Ebene zielt das Unternehmen auf Kostensenkungen von rund 70 Prozent. Eine kommerzielle Einführung liegt aber wohl noch mehrere Jahre entfernt.
Altlasten und skeptische Analysten
Auch die Bilanz bleibt ein Thema. Nel prüft den Buchwert von zwei stillgelegten Produktionslinien für atmosphärische Elektrolyse in Herøya mit jeweils 500 MW Kapazität. Daraus könnten weitere Wertminderungen entstehen.
Bereits im Abschluss 2025 verbuchte Nel Wertminderungen von insgesamt 799 Millionen norwegischen Kronen. Davon entfielen 361 Millionen auf Produktionsanlagen und 439 Millionen auf Goodwill sowie immaterielle Technologiewerte.
Die Analystenseite bleibt klar skeptisch. Unter 13 erfassten Analysten empfiehlt keiner den Kauf der Aktie, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 norwegischen Kronen. Das liegt deutlich unter den jüngsten Handelsniveaus.
Nel hat die Belegschaft auf rund 300 Beschäftigte reduziert, 26 Prozent unter dem Höchststand und 19 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Personalkosten sanken dadurch um 21 Prozent. Die Kehrseite: Das Management sieht weniger Fertigungs- und Projektkapazität, falls die Nachfrage schnell zurückkehrt.
Die Liquidität beträgt 1,4 Milliarden norwegische Kronen und soll den Betrieb bis Ende 2026 finanzieren. Das verschafft Zeit. Es ersetzt aber keine neuen Aufträge.
Juli wird zum Praxistest
Nel erwartet im laufenden Quartal eine erste EU-Tranche von 11 Millionen Euro. Das Geld soll den Produktionshochlauf in Herøya stützen. Dort will der Konzern bis Jahresende eine Jahreskapazität von 500 MW für die neue alkalische Plattform erreichen.
Das Management rechnet 2026 mit mehr finalen Investitionsentscheidungen als im Vorjahr. Für 2027 und 2028 sieht Nel zunehmende Dynamik, auch Anwendungen in Verteidigung und Sicherheit sollen Nachfrage bringen.
Am 15. Juli legt CEO Håkon Volldal den Halbjahresbericht vor. Dann zählen weniger Visionen als konkrete Signale: Auftragseingang, Projektfortschritt und Auslastung in Herøya. Ohne sichtbare kommerzielle Traktion bleibt die Rally stark von Erwartungen getragen.
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