Nel ASA Aktie: Auftragseingang springt um 224 Prozent
Nel verzeichnet einen massiven Auftragsschub, während die Aktie ein technisch wichtiges Niveau testet. Der Konzernumbau und die CEO-Suche prägen die Lage.

Kurz zusammengefasst
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- PEM-Elektrolyseure dominieren Auftragsvolumen
- CEO-Posten derzeit unbesetzt
- Einmalzahlung belastet Quartalsergebnis
Bei Nel ASA klaffen zwei Welten auseinander. Auf dem Papier explodieren die Auftragseingänge. An der Börse fällt die Aktie auf ein technisch kritisches Niveau. Der norwegische Elektrolyseur-Spezialist zeigt gerade, wie weit operative Stärke und Marktvertrauen sich entkoppeln können.
Das Papier notiert aktuell bei 0,1942 Euro und testet damit eine wichtige Unterstützungszone nahe der 0,19-Euro-Marke. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Mai bei 0,3655 Euro trennen die Aktie inzwischen fast 47 Prozent. Der Rückgang der letzten 30 Tage summiert sich auf 8,61 Prozent.
Auftragseingang explodiert um 224 Prozent
Während der Kurs schwächelt, meldet Nel für das zweite Quartal 2026 einen Auftragssprung. Die Neubestellungen erreichten 230 Millionen norwegische Kronen. Das entspricht einem Plus von 224 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Fast der gesamte Zuwachs stammt aus einer einzigen Sparte. Die PEM-Elektrolyse-Technologie steuerte rund 96 Prozent des Auftragsvolumens bei. Der Auftragsbestand in diesem Segment liegt inzwischen bei 990 Millionen Kronen und sichert die Werksauslastung für den Rest des Jahres.
Führungsvakuum und Konzernumbau
Nel sucht derzeit einen neuen Vorstandschef. CEO Håkon Volldal hatte seinen Rücktritt Mitte Juni 2026 angekündigt. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der sich das Unternehmen ohnehin neu ausrichtet: Die Wasserstoff-Tankstellensparte Cavendish Hydrogen wurde bereits als eigenständiges Unternehmen abgespalten.
Nel positioniert sich damit klar als reiner Technologieanbieter für Elektrolyseure. Das passt zu einem Trend, der sich in der gesamten Branche abzeichnet. Große Energiekonzerne wie BP haben ihre grünen Wasserstoffpläne zuletzt zurückgefahren und konzentrieren sich wieder auf das Kerngeschäft. Spezialisierte Anbieter wie Nel rücken dadurch stärker in den Fokus für dezentrale und industrielle Wasserstoffprojekte.
Einmalzahlung belastet das Ergebnis
Eine Einmalzahlung von 7,5 Millionen US-Dollar an die Iwatani Corporation of America drückte das jüngste Quartalsergebnis deutlich. Das EBITDA fiel dadurch auf minus 155 Millionen Kronen. Die Liquiditätsposition bleibt trotzdem robust: Nel verfügte zum Quartalsende über eine Kassenreserve von rund 1,3 Milliarden Kronen.
Das Management sieht darin genug finanziellen Spielraum, um die neue Technologieplattform PA-Series zur Marktreife zu bringen. Das im Mai 2026 vorgestellte System soll bei 25-Megawatt-Anlagen Systemkosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt erreichen. Aktuelle Branchenwerte liegen oft über 3.000 US-Dollar pro Kilowatt — das gesetzte Ziel wäre damit ein deutlicher Kostenvorteil.
Zwei Katalysatoren für die zweite Jahreshälfte
Der RSI von 37,6 signalisiert eine Aktie, die sich technisch der überverkauften Zone nähert. Ob sich daraus eine Erholung ergibt, dürfte von zwei konkreten Ereignissen abhängen: der Berufung eines neuen CEOs und den ersten großvolumigen Kommerzialisierungsverträgen für die PA-Series.
Bis zum 200-Tage-Durchschnitt von 0,2142 Euro fehlen der Aktie aktuell 9,34 Prozent. Ob Nel diese Distanz schließen kann, hängt vor allem davon ab, ob sich der starke Auftragseingang in den kommenden Quartalen tatsächlich in besseren Margen niederschlägt.
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