Nel ASA Aktie: Auftragseingang um 224 Prozent gestiegen
JPMorgan reduziert das Kursziel für Nel ASA auf 1,80 Kronen. Der Auftragseingang steigt massiv, während Umsatz und Liquidität sinken.

Kurz zusammengefasst
- JPMorgan senkt Kursziel auf 1,80 Kronen
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- Umsatz aus Kundenverträgen sinkt um 12 Prozent
- Barmittelbestand schrumpft auf 1,328 Milliarden Kronen
Der norwegische Wasserstoffkonzern Nel ASA gerät weiter unter Druck. JPMorgan senkte gestern das Kursziel für die Aktie von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Die Anpassung fällt in eine Phase, in der das Papier bereits deutlich unter seinem Jahreshoch notiert und Anleger auf klare Wachstumssignale warten.
Am deutschen Markt kostet die Nel-Aktie aktuell 0,1946 Euro und verliert damit 1,62 Prozent auf Tagessicht. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, notiert vom 25. Mai, beträgt der Abstand knapp 47 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark sich die Stimmung rund um den Titel im laufenden Jahr eingetrübt hat. Der Relative-Stärke-Index von 38,9 signalisiert dabei keine extreme Überverkauftheit, deutet aber auf anhaltend schwache Kursdynamik hin.
Auftragseingang schnellt hoch, Umsatz schrumpft
Die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal 2026, die Nel ASA am 15. Juli veröffentlichte, zeichnen ein zwiespältiges Bild. Der Auftragseingang stieg auf 230 Millionen norwegische Kronen und damit um 224 Prozent gegenüber den 71 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Bemerkenswert: 96 Prozent der neuen Aufträge entfielen auf das PEM-Segment des Unternehmens. Diese Dynamik dürfte auch bei JPMorgan als Silberstreif gewertet worden sein, reichte aber offenbar nicht aus, um die Kurszielsenkung zu verhindern.
Auf der anderen Seite steht ein rückläufiger Umsatz aus Kundenverträgen. Dieser fiel im zweiten Quartal 2026 auf 153 Millionen norwegische Kronen, ein Minus von 12 Prozent gegenüber den 174 Millionen Kronen im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei minus 155 Millionen Kronen. Darin enthalten war eine Belastung von 70 Millionen Kronen aus einem Rechtsstreit: Nel ASA hatte sich Anfang Juni mit Iwatani Corporation of America auf einen Vergleich verständigt.
Kassenbestand schmilzt, Führungswechsel steht bevor
Der Barmittelbestand des Unternehmens sank zum 30. Juni 2026 auf 1,328 Milliarden norwegische Kronen, verglichen mit 1,928 Milliarden Kronen ein Jahr zuvor. Der Rückgang um rund 600 Millionen Kronen binnen zwölf Monaten unterstreicht, wie stark die anhaltenden Verluste und der Rechtsstreit die Finanzreserven belastet haben – auch wenn die verbleibende Liquidität dem Unternehmen weiterhin Spielraum lässt.
Parallel dazu befindet sich Nel ASA in einer Übergangsphase an der Unternehmensspitze. Vorstandschef Håkon Volldal hatte im Juni seinen Rücktritt angekündigt und bleibt während seiner sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Verwaltungsrat einen Nachfolger sucht. Zugleich bleibt Samsung E&A mit einem Anteil von 9,09 Prozent und 167.155.785 Aktien zweitgrößter Aktionär des Unternehmens.
Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick auf zwei Termine: Die EU-Kommission wird voraussichtlich Anfang August die Ergebnisse ihres Förderprogramms „HORIZON-JU-CLEANH2-2026“ veröffentlichen, bei dem Nel ASA beziehungsweise dessen Partner unter den 170 Antragstellern für Fördergelder im Bereich grüner Wasserstoffproduktion und -speicherung vertreten sind. Berichten zufolge könnte dies zusätzliche Impulse für die Auftragslage liefern. Die Zahlen zum dritten Quartal 2026 sind für den 21. Oktober terminiert und dürften zeigen, ob sich der Auftragsschub aus dem PEM-Segment im Umsatz niederschlägt.
Mit dem im Mai vorgestellten alkalischen Elektrolyseur-System der nächsten Generation, das für eine 25-Megawatt-Anlage Systemkosten von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt anstreben soll, verfolgt Nel ASA zudem eine Kostenstrategie, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Technologie verbessern soll. Ob dies ausreicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
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