Nel ASA Aktie: CEO Håkon Volldal geht 2026
Nel ASA verzeichnet sinkende Erlöse und einen Nettoverlust, während der Auftragseingang massiv steigt. Der CEO-Abgang belastet die Aktie zusätzlich.

Kurz zusammengefasst
- CEO Håkon Volldal verlässt Nel im Juni
- Umsatzrückgang um 15,6 Prozent im Quartal
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- Aktie notiert 44 Prozent unter Jahreshoch
Ein „Pure-Play“ auf Wasserstoff zu sein, klingt für Visionäre nach Zukunft. Für Aktionäre von Nel ASA fühlt es sich gerade eher nach Warten in der Kälte an. Die Aktie notiert bei 0,2035 Euro, mehr als 44 Prozent unter ihrem Jahreshoch von Mai. Der Hype früherer Jahre ist einer zähen Phase der Ernüchterung gewichen.
Der Kursgewinn von 1,50 Prozent am Mittwoch ändert daran wenig. Er ist ein schwaches Signal in einem Trend, der seit Monaten nach unten zeigt.
Ein Machtvakuum zur Unzeit
Im Juni 2026 verlässt CEO Håkon Volldal das Unternehmen. Er wechselt zum Verpackungskonzern Elopak. Der Abgang trifft Nel an einem sensiblen Punkt.
Nur wenige Wochen zuvor, am 6. Mai, hatte Nel seine neue PA-Series vorgestellt. Diese druckbeaufschlagte Alkali-Plattform soll die Systemkosten in der Wasserstoffproduktion um 40 bis 60 Prozent senken. Eine technologische Ambition also, ausgerechnet ohne Kapitän an Bord.
Die Jahresperformance von plus 7,79 Prozent klingt zunächst positiv. Auf Sicht von zwölf Monaten steht aber ein Minus von 13,18 Prozent zu Buche. Der Markt scheint sich zu fragen: Kann ein technisch überlegener Elektrolyseur sich selbst verkaufen, wenn Investitionsentscheidungen weltweit stocken?
Die Zahlen hinter dem Auftragsschub
Die Quartalszahlen vom 15. Juli offenbaren die Reibung im Sektor. Nel meldet für das zweite Quartal Erlöse von 181,7 Millionen norwegische Kronen. Das ist ein Rückgang von 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der Nettoverlust weitet sich auf 189 Millionen Kronen aus. Ein Betriebsverlust drückt das Ergebnis, dazu kommt eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen an Iwatani Corporation of America.
Zwischen diesen Zahlen liegt aber ein Lichtblick. Der Auftragseingang springt auf 230 Millionen Kronen, ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025. Die Nachfrage kommt fast ausschließlich aus einem Segment: PEM-Elektrolyseure stellen 96 Prozent der neuen Bestellungen. Der gesamte Auftragsbestand liegt Ende Juni bei 1.213 Millionen Kronen.
Hier zeigt sich das eigentliche Paradox der Nel-Story. Das Geschäft wächst, während die Bilanz schrumpft. Kunden bestellen mehr Technik, aber sie zahlen noch nicht genug dafür, um die laufenden Kosten zu decken.
Charttechnik: Suche nach dem Boden
Der RSI von 40,7 zeigt: Die Aktie ist überverkauft, aber noch nicht in extremer Schieflage. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 0,2500 Euro fehlen fast 19 Prozent, während der Abstand zum 200-Tage-Schnitt mit gut 5 Prozent deutlich enger ausfällt.
Seit der Abspaltung der Betankungssparte als Cavendish Hydrogen tritt Nel als reiner Elektrolyseur-Hersteller auf. Diese Fokussierung sollte spezialisiertes Kapital anziehen. Die aktuelle Marktkapitalisierung von 354,55 Millionen Euro legt aber nahe: Anleger bleiben skeptisch gegenüber dem „Pure-Play“-Risiko.
Ein Polster gibt es immerhin. Die Kassenreserve von 1,328 Milliarden Kronen schützt vor akutem Finanzierungsdruck. Bei einer annualisierten Volatilität von 42,10 Prozent bleibt der Weg zur industriellen Profitabilität dennoch eine Wette auf das Tempo der globalen Energiewende — und auf die Frage, wer Nel künftig durch diese Wette führt.
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