Nel ASA Aktie: Die Weichen für den Herbst
Nel ASA verzeichnet im zweiten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang, während der Auftragseingang dank PEM-Technologie deutlich zulegt. Die Ergebnislage bleibt durch Sonderbelastungen angespannt.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz sinkt um zwölf Prozent
- Auftragseingang steigt um 224 Prozent
- EBITDA durch Sonderbelastung belastet
- Kassenbestand von 1,3 Milliarden Kronen
Ausgangslage
Nel ASA steckt mitten in einem Umbau, der sich in den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 deutlich zeigt. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist meldete Mitte Juli einen Umsatz von 153 Millionen norwegischen Kronen – ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber den 174 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Gleichzeitig sprang der Auftragseingang um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen, wobei 96 Prozent der neuen Bestellungen aus dem PEM-Segment (Proton Exchange Membrane) stammten. Diese Kluft zwischen schwächelndem laufenden Geschäft und kräftig anziehender Nachfrage ist der Kern der aktuellen Anlagegeschichte.
Verschärft wird das Bild durch die Ergebnisseite: Das EBITDA rutschte im zweiten Quartal auf minus 155 Millionen Kronen, belastet durch eine Einmalbelastung von 70 Millionen Kronen aus einem juristischen Vergleich mit Iwatani Corporation of America, der Anfang Juni final besiegelt wurde. Zum Quartalsende verfügte Nel über eine Kasse von 1,3 Milliarden Kronen – ein Puffer, der Zeit kauft, aber nicht unbegrenzt. Der Aktienkurs notiert aktuell bei 0,1994 Euro und legte am Freitag um 1,63 Prozent zu, bleibt damit aber rund 45 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, das im Mai markiert wurde. Der Markt hat die operative Schwäche also längst eingepreist – die Frage ist, ob er die Wende schon vorwegnimmt oder noch abwartet.
Die entscheidende Frage
Für Anleger reduziert sich die Lage auf einen einzigen Punkt: Wie schnell verwandelt sich der Auftragseingang in tatsächlichen, profitablen Umsatz? Ein Plus von 224 Prozent bei den Bestellungen ist beeindruckend, sagt aber nichts über die Marge und das Timing der Auslieferung. Solange die PEM-Aufträge nicht in den Umsatzzahlen ankommen, bleibt die Diskrepanz zwischen Auftragsbuch und Ergebnis das zentrale Risiko. Die für den 21. Oktober angesetzte Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal 2026 wird zeigen, ob sich der Trend fortsetzt oder ob der Umsatzrückgang sich verfestigt.
Bullisches Szenario
Für Optimisten spricht die klare Verschiebung der Nachfrage hin zum PEM-Geschäft, das als margenstärker gilt als klassische Alkali-Technologie. Im Mai brachte Nel zudem eine neue Generation seiner druckbeaufschlagten Alkali-Elektrolyseur-Plattform an den Start, die laut Unternehmensangaben die Produktionskosten senken und die Skalierbarkeit verbessern soll. Setzt sich diese Kostensenkung im laufenden Geschäft durch, könnte sich die Lücke zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung in den kommenden Quartalen schließen. Der mit 1,3 Milliarden Kronen komfortable Kassenbestand gibt dem Unternehmen dabei Spielraum, den Iwatani-Vergleich sauber abzuschließen und sich auf das operative Wachstum zu konzentrieren, ohne kurzfristig auf frisches Kapital angewiesen zu sein. Auch charttechnisch gibt es erste vorsichtige Signale: Der automatisierte Bewertungsdienst StockInvest.us stufte die Aktie am 5. August von „Sell“ auf „Hold/Accumulate“ hoch – ein rein quantitatives Signal, das für sich genommen keine fundamentale Aussage trägt, aber die zuletzt etwas stabilere Kursbewegung widerspiegelt.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Verzögerung. Auftragseingänge sind Absichtserklärungen, keine Rechnungen – zwischen Bestellung und Auslieferung können bei Elektrolyseur-Projekten Monate oder Jahre liegen. Bleibt der Umsatz schwach, während die Kosten für Fertigung, Vertrieb und Rechtsstreitigkeiten weiterlaufen, schmilzt die Kassenreserve schneller als geplant. Der Kurs notiert bereits rund 10 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2210 Euro, was auf eine mittelfristig eher schwache Dynamik hindeutet. Sollte die Wasserstoff-Nachfrage insgesamt hinter den Erwartungen zurückbleiben – ein Thema, das die gesamte Branche zuletzt beschäftigt hat – könnte der aktuelle Auftragsschub ein Einzeleffekt bleiben statt der Beginn eines nachhaltigen Trends. Zusätzliche Unsicherheit bringt die laufende Suche nach einer neuen Unternehmensführung, die operative Entscheidungen zumindest verzögern kann.
Ausblick
Solange Nel den Auftragsbestand aus dem PEM-Segment in den kommenden Quartalen tatsächlich in Umsatz überführt und die Kostensenkungen der neuen Elektrolyseur-Plattform greifen, bleibt das Szenario einer schrittweisen Margenverbesserung intakt – auch wenn der Weg zur Profitabilität noch nicht als gesichert gelten kann. Kippt hingegen die Umsetzung, etwa weil sich Projekte weiter verzögern oder die Kasse schneller schrumpft als der Auftragseingang wächst, dürfte der Kurs seine Nähe zum 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro erneut testen. Der nächste verlässliche Anhaltspunkt für Anleger ist der 21. Oktober, wenn Nel die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt und zeigen muss, ob aus dem Auftragsplus endlich mehr Umsatz wird.
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