Nel ASA crasht, Bloom Energy verdaut Rallye — Fünf H2-Aktien zwischen Technologiesprung und Gewinnmitnahmen
Wasserstoffwerte wie Nel ASA und Ballard Power erleben heftige Rücksetzer. Analysten bleiben skeptisch, während Unternehmen mit neuen Technologien und Aufträgen punkten.
Kurz zusammengefasst
- Nel ASA stürzt trotz Technologiedurchbruch ab
- Bloom Energy verliert nach Rekordrallye an Boden
- ITM Power erhält Kaufempfehlung von Morgan Stanley
- Ballard Power verarbeitet Weichai-Rückzug
Minus 9 Prozent bei Nel ASA, fast 8 Prozent Verlust bei Ballard Power — und das an einem einzigen Tag. Der Wasserstoff-Sektor erlebt am Dienstag einen heftigen Rücksetzer, der die jüngsten Kursgewinne vieler Titel empfindlich zusammenstaucht. Dabei liefern die Unternehmen selbst durchaus Gründe für Optimismus: neue Technologieplattformen, Rekordaufträge, Boardroom-Umbauten. Die Kurszettel erzählen trotzdem eine andere Geschichte.
Bloom Energy: Nach 1.262 Prozent Plus kommt die Ernüchterung
Die Dimension der Bloom-Energy-Rallye ist schwer zu fassen. Innerhalb von zwölf Monaten hat sich der Kurs mehr als verdreizehnfacht. Getrieben wurde der Anstieg von einer fundamentalen Neubewertung: Im ersten Quartal 2026 sprang der Umsatz um über 130 Prozent auf 751 Millionen US-Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 0,44 Dollar fast viermal so hoch wie erwartet.
Das Management hob die Jahresprognose deutlich an — der Umsatzkorridor liegt jetzt bei 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar, die bereinigte EPS-Erwartung bei 1,85 bis 2,25 Dollar. Der Treiber hinter den Zahlen: Blooms Festoxid-Brennstoffzellen gewinnen als dezentrale Stromversorgung für KI-Rechenzentren rapide an Bedeutung.
Trotzdem hat die Aktie seit Mitte Mai rund 15 Prozent vom Hoch bei 310 Dollar abgegeben. Gewinnmitnahmen, Sektorrotation und Insiderverkäufe drücken. Die Royal Bank of Canada sieht mit einem Kursziel von 335 Dollar noch Luft, Barclays und UBS liegen mit 254 beziehungsweise 251 Dollar bereits unter dem aktuellen Niveau. Die technischen Signale bestätigen das gemischte Bild: Der MACD notiert unter seiner Signallinie, der Aufwärtsdruck lässt nach.
ITM Power: Privatanleger fliehen, Morgan Stanley steigt ein
Ein bemerkenswerter Kontrast prägt die ITM-Power-Aktie gerade. Sie war vergangene Woche der meistverkaufte Titel auf der britischen Handelsplattform AJ Bell — noch vor Schwergewichten wie Rolls-Royce und Shell. Privatanleger nahmen nach einem Kursanstieg von rund 400 Prozent innerhalb eines Jahres massiv Gewinne mit.
Genau in dieses Vakuum stößt Morgan Stanley. Die Investmentbank stufte ITM auf „Overweight“ hoch und setzte das Kursziel von 60 auf 170 Pence fast verdreifacht an. Es ist die erste Kaufempfehlung des Hauses im Wasserstoff-OEM-Segment seit 2021. Begründung: ITM könnte den EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028 erreichen, ein Jahr früher als der Konsens erwartet.
Die Zahlen stützen diese These zumindest ansatzweise. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres meldete ITM einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund. Das Management hob die Jahresprognose auf 40 bis 43 Millionen Pfund an, der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund — 71 Prozent davon profitabel.
Zum entscheidenden Katalysator könnte die nächste Generation des Chronos-Elektrolyseurs werden:
- Leistung: 2 Megawatt pro Einheit, dreimal so viel wie das bisherige Trident-System
- Kosten: 40 Prozent günstiger als die aktuelle Plattform
- Platzbedarf: halbiert, Gewicht um 50 Prozent reduziert
- Recycelbarkeit: bis zu 90 Prozent der Komponenten
Im Juni steht eine Förderentscheidung über 46,5 Millionen Pfund für die Chronos-Produktionslinie an. Ein positiver Bescheid würde den Weg für die kommerzielle Skalierung ebnen. Eine Ablehnung würde den gesamten Zeitplan infrage stellen.
Nel ASA: Technologiedurchbruch trifft auf Analystenwall
Nel ASA hat im Mai eine Technologieankündigung vorgelegt, die das Potenzial hat, die Wirtschaftlichkeit grüner Wasserstoffprojekte grundlegend zu verändern. Nach über acht Jahren Entwicklungszeit und erfolgreichen Tests in der norwegischen Herøya-Anlage ist das neue druckbasierte alkalische Elektrolyseur-System marktreif.
Die Zahlen dahinter sind beeindruckend. Wo der Markt aktuell mit Gesamtsystemkosten von bis zu 3.000 US-Dollar pro Kilowatt kämpft, verspricht Nels Plattform schlüsselfertige Kosten unter 1.450 Dollar pro Kilowatt — bei einer 25-Megawatt-Anlage. Die Investitionskosten sollen 40 bis 60 Prozent unter dem Wettbewerb liegen.
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An der Börse verpufft die Euphorie bislang. Heute notiert die Aktie bei 0,28 Euro, ein Tagesverlust von über 9 Prozent. Der RSI ist mit 16,2 tief in den überverkauften Bereich gerutscht. Immerhin: Auf Monatssicht steht ein Plus von gut 21 Prozent, seit Jahresbeginn sogar 45 Prozent.
Das Analystenurteil bleibt vernichtend. Kein einziger von sieben Analysten empfiehlt den Kauf, alle raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 NOK — deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 3,22 NOK. Die Kluft zwischen dem kommerziellen Versprechen der neuen Plattform und der Markteinschätzung könnte kaum größer sein. Die nächsten Quartalszahlen im Juli werden zeigen, ob die Technologie bereits auf Kundeninteresse stößt.
Ballard Power: Weichai geht, Wrightbus kommt
Ballard Power steckt mitten in einem Umbruch. Die chinesische Weichai Power — über Jahre strategischer Anker und Großaktionär — hat sich von rund 8,15 Millionen Aktien getrennt und hält jetzt weniger als 15 Prozent. Zwei Weichai-Vertreter räumten ihre Sitze im Verwaltungsrat. Das Ende einer Ära.
Die operative Entwicklung rechtfertigt diese Trennung nicht. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 19,4 Millionen Dollar, die Bruttomarge drehte auf plus 14 Prozent. Die Betriebskosten sanken um 36 Prozent, der operative Cashflow-Abfluss schrumpfte um 68 Prozent. Mit 516,8 Millionen Dollar Cash ist das Unternehmen solide finanziert.
Heute verliert die Aktie 7,89 Prozent und notiert bei 3,41 Euro. Der RSI liegt bei 18,7 — ebenfalls tief überverkauft. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von knapp 49 Prozent. Der jüngste Auftrag von Wrightbus für Wasserstoff-Doppeldeckerbusse der nächsten Generation zeigt, dass das Management den operativen Fokus schärft, statt die strategische Lücke nach dem Weichai-Abgang zu beklagen. Die Umsatzprognose ist auf die zweite Jahreshälfte gewichtet — die Quartale drei und vier werden zum Lackmustest.
EcoGraf: Graphit-Projekt rückt an den Baustart heran
EcoGraf bewegt sich auf einer anderen Zeitachse als die Brennstoffzellen- und Elektrolyseur-Spezialisten im Sektor. Der australische Graphit-Entwickler treibt sein Epanko-Projekt in Tansania systematisch Richtung Baubeginn voran. Die aktualisierte bankfähige Machbarkeitsstudie weist einen Nettobarwert von 516 Millionen US-Dollar und eine interne Rendite von 31,1 Prozent aus.
Ein konkreter Meilenstein: NMB Bank wurde als Auszahlungspartner für Kompensationsleistungen an betroffene Anwohner der geplanten Minenzufahrt bestellt — die ersten physischen Vorarbeiten am Standort. Die geplante Produktion von 73.000 Tonnen pro Jahr wird durch eine Erzreserve von 16,7 Millionen Tonnen gedeckt.
Strategisch wichtig ist die Kooperationsvereinbarung mit der Europäischen Investitionsbank, die EcoGraf im Zentrum der europäischen Rohstoffstrategie positioniert. Ein Status als Strategisches Projekt unter dem EU-Gesetz für kritische Rohstoffe ist möglich.
An der Börse läuft es weniger gut. Die Aktie notiert bei 0,18 Euro, seit Jahresbeginn ein Minus von knapp 19 Prozent. Der Konsens-Kursziel liegt unter dem aktuellen Kurs. Die finale Genehmigung der KfW-IPEX-Bank-Kreditfazilität bleibt die entscheidende Variable für den Zeitplan.
Fünf Geschwindigkeiten, ein Sektor — und ein nervöser Mai
Die fünf Titel illustrieren, wie fragmentiert die Wasserstoffbranche aktuell ist:
- Bloom Energy hat sich mit der Positionierung im Rechenzentrumsmarkt eine Sonderstellung erarbeitet, muss aber beweisen, dass die Bewertung nach dem Parabelflug haltbar ist
- ITM Power steht zwischen Retail-Flucht und institutioneller Aufwertung — die Chronos-Förderentscheidung im Juni wird richtungsweisend
- Nel ASA liefert eine potenziell disruptive Technologie, aber die Analystengemeinde bleibt unbeeindruckt
- Ballard Power zeigt operative Fortschritte, muss den Weichai-Abgang aber erst verdauen
- EcoGraf operiert im Rohstoffsegment auf langer Linie und wartet auf die finale Finanzierung
Der heutige Rücksetzer mag technisch getrieben sein — überverkaufte RSI-Werte bei Nel und Ballard deuten darauf hin. Für Substanz hinter den nächsten Kursbewegungen sorgen aber nicht die Charts, sondern konkrete Ereignisse: ITMs Förderbescheid, Nels erste Kundenmeldungen zur neuen Plattform und Ballards umsatzstarke zweite Jahreshälfte. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Sektor seinen Reifeprozess fortsetzen kann — oder ob die Gewinne von 2026 nur auf Pump gebaut waren.
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