Nemetschek Aktie: HCSS-Deal über 2 Milliarden Euro
Nemetschek verzeichnet starkes Umsatzwachstum und plant eine Milliardenübernahme, doch der Aktienkurs fällt auf ein Jahrestief.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert 54 Prozent in zwölf Monaten
- Oracle-Schock belastet gesamte Softwarebranche
- Umsatzwachstum von 17 Prozent im ersten Quartal
- Milliarden-Übernahme von HCSS geplant
Starke Quartalszahlen und eine anstehende Milliarden-Übernahme. Trotzdem stürzt die Nemetschek-Aktie ab. Das Papier notiert aktuell bei 53,55 Euro und kratzt damit am jüngsten 52-Wochen-Tief. Auf Sicht von zwölf Monaten verlor der Titel rund 54 Prozent seines Wertes. Dieser Einbruch steht in krassem Widerspruch zur operativen Realität.
Der Oracle-Schock belastet
Der Auslöser für die Talfahrt kommt aus den USA. Oracle meldete kürzlich zwar Rekordumsätze. Investoren bestraften die Aktie aber dennoch mit einem Minus von zehn Prozent. Der Grund: hohe Ausgaben für KI-Infrastruktur und ein langsameres Cloud-Geschäft.
Oracle plant bis 2027 Netto-Investitionen von 70 Milliarden US-Dollar. Dafür braucht der Konzern frisches Kapital. Das weckt Sorgen über den Cashflow der gesamten Branche.
Dieser Schock strahlt auf Europa aus. Der Markt bewertet den gesamten Software-Sektor neu. Davon bleiben auch SAP oder TeamViewer nicht verschont. Ein krasser Kontrast. Während der TecDAX im vergangenen Monat zulegte, büßte Nemetschek massiv ein.
Operativ auf Wachstumskurs
Bei Nemetschek selbst laufen die Geschäfte hervorragend. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf rund 313 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) kletterte um 22 Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg auf 0,52 Euro.
Besonders das Abo-Modell treibt dieses Wachstum an. Wiederkehrende Erlöse machen mittlerweile über 92 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand ein Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent an. Die EBITDA-Marge soll bei rund 33 Prozent liegen.
Milliarden-Deal vor dem Abschluss
Im Hintergrund bereitet das Management die größte Übernahme der Firmengeschichte vor. Nemetschek kauft den US-Bausoftware-Anbieter HCSS. Die Bewertung liegt bei über zwei Milliarden Euro. Das entspricht dem 20-fachen des erwarteten HCSS-EBITDA für 2025.
Wenn der Deal abschließt, hält Nemetschek 72 Prozent am gemeinsamen Segment. Der bisherige Eigentümer Thoma Bravo behält die restlichen 28 Prozent. Den Vollzug erwartet Nemetschek in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Der Deal bringt allerdings finanzielle Verpflichtungen mit sich. Nemetschek muss bestehende HCSS-Schulden refinanzieren. Das erhöht die Nettoverschuldung um rund 450 Millionen Euro.
Analysten sehen massives Potenzial
Analysten halten den aktuellen Kursverfall für übertrieben. Der Konsens sieht das Kursziel bei 94 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von fast 70 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei 26.
Am RSI-Wert von 33 zeigt sich die stark überverkaufte Lage der Aktie. Im Juli legt das Unternehmen seinen Halbjahresbericht vor. Bestätigt Nemetschek dann die zweistelligen Wachstumsraten und meldet Fortschritte bei der HCSS-Übernahme, treffen starke Fundamentaldaten auf eine historisch günstige Bewertung.
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