Nemetschek Aktie: HCSS-Übernahme kommt in der zweiten Jahreshälfte
Nemetschek überwindet die 50-Tage-Linie, während starke Q1-Zahlen und strategische Expansion vom Markt ignoriert werden.

Kurz zusammengefasst
- Aktie überwindet wichtige 50-Tage-Linie
- Starkes Q1 mit 17 Prozent Umsatzplus
- RSI von 85,5 deutet auf Überhitzung hin
- Berenberg sieht Kurspotenzial von 115 Euro
Der Bausoftware-Spezialist Nemetschek zeigt in dieser Woche Lebenszeichen. Nach monatelanger Talfahrt überwand die Aktie die 50-Tage-Linie – und notiert aktuell bei 65,45 Euro. Das sind 13,6 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 57,60 Euro, das Mitte April markiert wurde. Gleichzeitig liegt das Papier noch immer über 50 Prozent unter dem Hoch vom August 2025 bei knapp 138 Euro.
Ein RSI von 85,5 signalisiert Überhitzung. Der schnelle Anstieg der vergangenen Tage hat charttechnisch zu einer extremen Lage geführt. Dennoch sehen viele Marktteilnehmer den Ausbruch über den 50-Tage-Durchschnitt von 63,47 Euro als erstes Signal für ein Ende der Abwärtsphase. Der 100-Tage-Durchschnitt bei 67,47 Euro wäre der nächste Test.
Die Frage ist: Reicht das für eine nachhaltige Wende?
Operativ läuft es – der Markt ignoriert es
Nemetschek hat im ersten Quartal 2026 starke Zahlen vorgelegt. Der währungsbereinigte Umsatz stieg um 17 Prozent auf 313 Millionen Euro. Besonders das SaaS- und Subskriptionsgeschäft wächst dynamisch: plus 35,4 Prozent. Das operative Ergebnis (EBITDA) kletterte auf 98,4 Millionen Euro, die Marge erreichte 31,4 Prozent.
Diese Kennzahlen stehen im krassen Widerspruch zum Kursverfall der vergangenen Monate. Die Berenberg Bank hält vor diesem Hintergrund an einem Kursziel von 115 Euro fest. Das wäre fast das Doppelte des aktuellen Niveaus.
Gleichzeitig treibt Nemetschek die strategische Expansion voran. Die Übernahme des US-Infrastruktur-Softwarehauses HCSS soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Hinzu kommt der konzernweite Rollout des „Nemetschek AI Assistant“. Beide Projekte adressieren den wachsenden Markt für digitale Bauplanung.
Der Markt scheint diese Fortschritte bislang zu ignorieren. Und das könnte die eigentliche Story sein.
Ausblick im Juli
Am 30. Juni endet das zweite Quartal. Die Zahlen werden im Juli erwartet. Dann zeigt sich, ob das hohe SaaS-Wachstum stabil bleibt – und ob die Integration von HCSS erste Früchte trägt.
Sollte Nemetschek liefern, wäre die Basis für eine Erholung gelegt. Der technische Ausbruch der letzten Tage ist ein erster Schritt. Aber 50 Prozent unter dem Allzeithoch bleiben ein langer Weg zurück.
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