Nemetschek Aktie: Organisches Wachstum enttäuscht
Der HCSS-Beitrag steigert den Quartalsumsatz, während das organische Wachstum hinter den Erwartungen liegt; Nemetschek hält an den Jahreszielen fest.

Kurz zusammengefasst
- Quartalsumsatz steigt auf 371,1 Millionen Euro
- Organisches Wachstum erreicht 13,7 Prozent
- Bereinigter Gewinn je Aktie wächst um 20 Prozent
- Unternehmen bestätigt Ziele für 2026
Umsatz im Plan, Gewinn auf Wachstumskurs, Jahresziele bestätigt — und trotzdem rutscht die Aktie ab. Der Grund liegt im Kleingedruckten: Das Wachstum aus eigener Kraft fiel schwächer aus als erhofft.
Zukauf trägt die Zahlen
Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal um 27 Prozent auf 371,1 Millionen Euro. Analysten hatten mit diesem Wert gerechnet. Den Sprung verdankt Nemetschek vor allem dem US-Anbieter HCSS, der seit Anfang Juli konsolidiert wird. Ohne den Zukauf lag das organische Plus bei 13,7 Prozent, ohne Wechselkurseffekte bei 12,5 Prozent.
Das operative Ergebnis (EBITDA) legte um 22 Prozent auf 115,9 Millionen Euro zu. Die Marge sank allerdings auf 31,2 Prozent, nach 32,5 Prozent im Vorjahresquartal. Das Unternehmen hatte diese Verwässerung durch die Übernahme vorab angekündigt. Organisch hätte die Marge bei 34,8 Prozent gelegen.
Unter dem Strich ging der Nettogewinn um 16 Prozent auf 46,6 Millionen Euro zurück, also auf 0,40 Euro je Aktie. Hauptgründe sind akquisitionsbedingte Effekte und höhere Abschreibungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg dagegen um 20 Prozent auf 0,66 Euro.
Marktreaktion: Erholung unter Druck
Die jährlich wiederkehrenden Umsätze wuchsen um 36 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Subskriptions- und SaaS-Erlöse zogen sogar um 52 Prozent an. Dennoch drehten Anleger vor allem an der organischen Zahl.
JPMorgan-Analyst Joseph George verwies darauf, dass Umsatz und operatives Ergebnis teils besser lagen als im Konsens. Beim organischen Wachstum sei aber gut ein Prozentpunkt mehr erwartet worden. Die zuletzt gut gelaufene Aktie dürfte das Ergebnis belasten. Jefferies-Analyst Charles Brennan sprach von einem komplizierten Zahlenwerk nach der Übernahme. Dass die Entwicklung aus eigener Kraft enttäuscht habe, könnten wohl die meisten unterschreiben.
Die Aktie gab im frühen Handel zeitweise zwischen 4,6 und 5,8 Prozent nach und notierte zuletzt bei rund 72 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast einem Viertel zu Buche. Im Oktober war der Kurs zwischenzeitlich unter 60 Euro gefallen und hatte sich seither spürbar erholt.
Prognose steht
Konzernchef Yves Padrines bestätigte die Ziele für 2026. Organisch erwartet Nemetschek währungsbereinigt 14 bis 15 Prozent Umsatzwachstum bei einer EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent. HCSS soll zusätzlich rund sechs Prozentpunkte zum Umsatzwachstum beitragen und die Marge um etwa 1,5 Prozentpunkte drücken.
HCSS ist die bisher größte Übernahme des Münchner Konzerns. Sie soll das Geschäft im Infrastruktur- und Tiefbau stärken und vom Bauboom bei KI-Rechenzentren profitieren. Die Integration verlaufe planmäßig. Für die Build-Sparte holte sich Nemetschek den Finanzinvestor Thoma Bravo ins Boot, der einen Minderheitsanteil von 28 Prozent hält.
Um die Jahresziele zu erreichen, braucht das organische Wachstum im Schlussquartal wieder mehr Schwung: Das Neunmonatsbild muss sich der Spanne von 14 bis 15 Prozent annähern.
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