Neste Aktie: Rotterdam wird teurer!
Santander stuft Neste hoch, während Inderes für 2028 weniger EBITDA erwartet und höhere Kosten in Rotterdam einpreist.

Kurz zusammengefasst
- Santander hebt Neste auf Outperform
- Inderes senkt Kursziel auf 33 Euro
- EBITDA-Prognose für 2028 um 16 Prozent reduziert
- Rotterdam-Ausbau kostet nun drei Milliarden Euro
Santander setzt bei Neste auf eine bessere Aktienentwicklung, während Inderes die Gewinnerwartungen zurücknimmt. Die gestern veröffentlichten Einschätzungen zeigen unterschiedliche Schwerpunkte: Dem starken operativen Geschäft stehen höhere Ausbaukosten in Rotterdam und später erwartete Wachstumsimpulse gegenüber. Für Anleger rückt damit die Frage in den Vordergrund, wie nachhaltig die jüngsten Gewinne sind.
Santander wird zuversichtlicher
Santander hat Neste gestern von „Neutral“ auf „Outperform“ hochgestuft. Das Kursziel beträgt 35,75 €. Damit fällt das Urteil der Bank optimistischer aus als zuvor.
Inderes hält dagegen an seiner Empfehlung „Accumulate“ fest, reduziert aber das Kursziel von 35 auf 33 €. Die Analysten bleiben damit grundsätzlich positiv, bewerten die Perspektiven jedoch vorsichtiger.
Der Unterschied liegt vor allem im zeitlichen Horizont. Inderes erwartet in den kommenden beiden Jahren sinkende Gewinne und erst anschließend wieder deutliches Wachstum. Die jüngste operative Stärke führt bei dem Analysehaus somit nicht zu höheren mittelfristigen Erwartungen.
Konkret senkte Inderes seine EBITDA-Schätzung für 2028 um 16 %. Deutliches Gewinnwachstum erwartet das Haus ab 2029. Die Einschätzung verschiebt den Schwerpunkt der Anlageargumentation vom aktuellen Ergebnis auf die spätere Ertragsentwicklung.
Rotterdam verschiebt den Blick nach vorn
Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist der Ausbau in Rotterdam. Neste will dort die Produktionskapazität verdoppeln, einschließlich der Herstellung erneuerbaren Diesels. Das Projekt soll zusätzliches Geschäft ermöglichen, verlangt aber mehr Kapital als zuvor veranschlagt.
Der Kostenrahmen steigt von 2,5 auf 3 Mrd. €. Die Inbetriebnahme wird bis Ende 2027 erwartet.
Nach Einschätzung von Inderes folgt der Hochlauf 2028. Für den Geschäftsbereich Renewable Products nennt das Haus auf Basis seiner Gewinnschätzung für 2029 ein Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn von rund neun.
Diese Bewertung stützt sich also auf weiter entfernte Gewinne. Entscheidend wird damit nicht allein die Fertigstellung der Erweiterung, sondern auch der anschließende Hochlauf. Die höheren Baukosten und der erwartete Ergebnisbeitrag fallen zeitlich auseinander.
Starkes Quartal, vorsichtigerer Ausblick
Neste führte die Entwicklung auf höhere Endproduktpreise, Rekordverkäufe erneuerbarer Produkte und starke Märkte für Mitteldestillate zurück.
Laut Inderes übertrafen sowohl die Ölproduktmargen als auch der Rekordabsatz erneuerbarer Produkte die Erwartungen. Das starke Quartal und die zurückhaltendere Gewinnprognose widersprechen sich deshalb nicht: Sie betreffen unterschiedliche Zeiträume.
Die Analystenurteile markieren damit zwei Seiten derselben Anlageentscheidung. Santander wird zuversichtlicher. Inderes sieht weiterhin Chancen, verlangt Anlegern aber einen längeren Atem ab, bis sich der Ausbau stärker im Ergebnis niederschlagen dürfte.
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