Nestle Aktie: Gewinneinbruch, Kurs im Plus
Nestlé verzeichnet Gewinneinbruch durch Wertberichtigungen, während der Aktienkurs steigt. Der Konzern treibt den Verkauf des Wassergeschäfts voran.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn um fast ein Drittel gesunken
- Organisches Wachstum übertrifft Analystenerwartungen
- Ausstieg aus Wassersparte mit neuem Joint Venture
- Jahresprognose leicht nach oben korrigiert
Ein Konzern verliert fast ein Drittel seines Gewinns – und die Aktie klettert trotzdem. Bei Nestlé passt das an diesem Donnerstag zusammen, weil der Nettogewinnrückgang hausgemachte Gründe hat und der Markt stattdessen auf den nächsten großen Umbauschritt schaut: den Ausstieg aus dem Wassergeschäft.
Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz aus eigener Kraft um 3,6 Prozent, nominal stand wegen negativer Wechselkurseffekte aber ein Minus von 2,5 Prozent auf 43,1 Milliarden Franken zu Buche. Das organische Wachstum zog im zweiten Quartal auf 3,7 Prozent an und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Nestlé hob die Jahresprognose entsprechend leicht an: Statt „rund 3 Prozent“ peilt der Konzern nun ein Wachstum aus eigener Kraft von 3 bis 4 Prozent an.
Unter dem Strich blieb davon wenig übrig. Der Nettogewinn sank um fast ein Drittel auf knapp 3,5 Milliarden Franken, belastet durch Wertberichtigungen von rund 1,4 Milliarden Franken auf Vermögenswerte, die zum Verkauf stehen – darunter Teile des Eiscreme- sowie des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts. Die operative Marge gab leicht auf 16,4 Prozent nach, belastet von hohen Kaffee- und Kakaopreisen sowie US-Zöllen.
Wassergeschäft wird zu Peranel
Parallel zu den Zahlen hat Nestlé eine Lösung für sein seit Jahren schwächelndes Wassergeschäft präsentiert. Gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity entsteht ein Gemeinschaftsunternehmen namens Peranel, an dem beide Partner je die Hälfte halten. Der Sitz liegt in Paris, geführt wird die neue Gesellschaft von Muriel Lienau, aktuell Chefin der Nestlé-Sparte für Wasser und Premium-Getränke.
Die Transaktion bewertet das Geschäft mit Marken wie San Pellegrino, Perrier und Acqua Panna auf 4,9 Milliarden Euro. Nestlé soll daraus rund 3,0 Milliarden Euro an Barmitteln zufließen. Zum Portfolio gehören mehr als 30 Marken in 120 Ländern, dazu eine Entwicklungsabteilung, die seit 2025 an rund 120 Produkteinführungen beteiligt war.
Überraschend kommt der Schritt nicht: Bereits 2024 hatte Nestlé angekündigt, sich vom Wassergeschäft trennen zu wollen, das zuletzt auch durch einen Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei Mineralwasser in Frankreich belastet war. Die Sparte trug 2025 rund 3,5 Milliarden Franken oder knapp 4 Prozent zum Konzernumsatz bei.
Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiter-Konsultationen und regulatorischen Genehmigungen. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen – für Nestlé-Chef Philipp Navratil ein weiterer Baustein seiner Strategie, den Konzern auf weniger, dafür profitablere Kerngeschäfte zu fokussieren.
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