Netflix Aktie: La Bola Negra erhält 47 Tage Kinofenster
Eine Klage in Florida belastet Netflix, während neue Kinofenster und höhere UK-Tarife die Ausrichtung des Streamingkonzerns prägen.

Kurz zusammengefasst
- Florida verklagt Netflix wegen Datenschutz
- Netflix veröffentlicht künftig Kinoeinnahmen
- 47 Tage exklusives Kinofenster geplant
- Britische Netflix-Tarife deutlich verteuert
Der Streaming-Riese Netflix sieht sich mit einer neuen Klage im US-Bundesstaat Florida konfrontiert, während das Unternehmen zeitgleich seine Strategie für Kinoveröffentlichungen massiv ausweitet. Während juristische Auseinandersetzungen über den Datenschutz die Werbestrategie belasten könnten, setzt der Konzern in Europa auf deutliche Preiserhöhungen, um den Umsatz pro Nutzer zu steigern.
Schwere Vorwürfe zum Datenschutz in Florida
Am Mittwoch reichte der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, eine Klage gegen Netflix ein. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Abonnenten durch das Versprechen eines werbefreien und privatsphäre-orientierten Dienstes getäuscht zu haben, während im Hintergrund umfangreiche Verhaltensdaten gesammelt wurden.
Diese Daten, die laut der Klageschrift auch Profile von Kindern umfassen, sollen zur Unterstützung des wachsenden Werbegeschäfts von Netflix genutzt worden sein.
Medienberichten zufolge wird dem Konzern vorgeworfen, Billionen von Ereignissen aufgezeichnet zu haben. Dazu gehören Informationen darüber, welche Geräte genutzt werden, wo die Inhalte gestreamt werden und welche spezifischen Aktionen die Nutzer ausführen – vom Pausieren und Vorspulen bis hin zum Abbruch eines Films. Netflix wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück.
Das Unternehmen betonte, die Datenschutzgesetze weltweit einzuhalten und über spezielle Schutzmaßnahmen für Kinder-Accounts zu verfügen. Die Klage entbehre jeder Grundlage, und man werde sich vor Gericht entschieden verteidigen. Bereits im Mai wurde eine ähnliche Klage im Bundesstaat Texas gegen den Streaming-Anbieter eingereicht.
Strategische Kehrtwende bei Kino-Auswertungen
Parallel zu den rechtlichen Herausforderungen bereitet Netflix eine deutliche Kursänderung bei der Veröffentlichung seiner Eigenproduktionen vor. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Konzern künftig die Einspielergebnisse an den Kinokassen für sechs kommende Spielfilme öffentlich ausweisen wird. Dies gilt als Bruch mit der bisherigen Praxis des Unternehmens, Daten über den Erfolg im Kino weitgehend unter Verschluss zu halten.
Zu den betroffenen Produktionen gehören unter anderem Greta Gerwigs „Narnia: The Magician’s Nephew“, David Finchers „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ und ein animierter Film zu „Charlie und die Schokolade Fabrik“.
Besonders deutlich zeigt sich die neue Strategie bei dem Film „La Bola Negra“ mit Penélope Cruz. Dieser soll am 16. Oktober in die Kinos kommen und erhält mit 47 Tagen das längste exklusive Kinofenster, das Netflix jemals gewährt hat, bevor er im Dezember auf der Streaming-Plattform erscheint.
Für das Jahr 2027 plant das Unternehmen zudem eine breite Veröffentlichung von Greta Gerwigs Narnia-Verfilmung, die unter anderem auf Imax-Leinwänden zu sehen sein soll.
Preiserhöhungen und Marktreaktion
Im wichtigen britischen Markt hat Netflix zudem eine erhebliche Anpassung seiner Preisstruktur vorgenommen. Am 3. September traten dort neue Tarife in Kraft, die vor allem das werbefinanzierte Einstiegsmodell betreffen. Der Preis für das „Standard mit Werbung“-Abo stieg um 33,4 Prozent von 5,99 auf 7,99 Pfund pro Monat.
Auch das Premium-Modell verteuerte sich um 10,5 Prozent auf nun 20,99 Pfund. Branchenexperten werten diesen Schritt als Versuch, die Profitabilität des Werbe-Segments zu steigern und Nutzer in höhere Preiskategorien zu drängen.
An der Börse zeigte sich die Aktie von den juristischen Nachrichten zuletzt unbeeindruckt. Das Papier legte gestern um 2,0 Prozent zu und ging bei 66,78 Euro aus dem Handel. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich damit aktuell auf umgerechnet 272,65 Milliarden Euro.
Trotz der jüngsten Kursgewinne notiert der Wert auf Sicht von sieben Tagen mit 0,9 Prozent im Minus. Anleger beobachten nun genau, ob die Klagen in den USA Auswirkungen auf das skalierende Werbegeschäft haben könnten.
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