Netflix Aktie: Neuer Kreativchef, alte Sorgen
Der Führungswechsel folgt auf schwaches Zuschauerwachstum; Netflix veröffentlicht am 20. Oktober seine Ergebnisse für das dritte Quartal.
Kurz zusammengefasst
- Peter Rice übernimmt globale Content-Verantwortung
- Zuschauerzeit stieg im Halbjahr um zwei Prozent
- Rosenblatt beziffert Einsparungen auf 500 Millionen Dollar
- Kursziele der Analysten fallen unterschiedlich aus
Vier Tage vor den Quartalszahlen sortiert Netflix seine Führung neu. Peter Rice, zuvor bei Fox und Disney, löst Content-Chefin Bela Bajaria ab. Zuletzt hatte der Streamer bereits rund 1.000 Stellen gestrichen. Die Branche liest beides als Signal.
Wechsel an der Content-Spitze
Rice verantwortet künftig das gesamte globale Content-Geschäft: Serien, Filme, Unscripted-Formate und Live-Events. Bajaria steuerte seit 2016 das Programm, zuletzt bei einem Budget von rund 20 Milliarden Dollar. Unter ihr entstanden Hits wie „Stranger Things“, „Wednesday“ und „KPop Demon Hunters“. Sie trieb außerdem den Einstieg in Live-Sport voran, etwa mit WWE und NFL.
Rice bringt Erfahrung aus Fernsehen, Streaming und Kino mit. Bei Disney verantwortete er Sender wie ABC, FX und Hulu. Zuletzt arbeitete er als unabhängiger Produzent. Ein Wedbush-Analyst verweist darauf, dass Rice beide Seiten einer Studio-Fusion kenne. Das könnte relevant werden, falls Netflix nach dem verlorenen Bieterduell um Warner Bros. Discovery erneut zukaufen will. Spekuliert wird über Teile von NBCUniversal.
Schwacher Zuschauerzuwachs
Der Zeitpunkt wirft Fragen auf. Netflix‘ Zuschauerzeit wuchs im ersten Halbjahr nur um zwei Prozent. Co-CEO Ted Sarandos räumte ein, das Unternehmen wachse nicht so schnell wie gewünscht. YouTube kam laut Nielsen zuletzt auf 14,2 Prozent der TV-Nutzung, Netflix auf 7,8 Prozent.
BMO-Analyst Brian Pitz deutet Bajarias plötzlichen Abgang als Hinweis auf weiterhin schwaches Engagement im dritten Quartal. Den Stellenabbau sieht er dagegen eher als strukturelle Kostenmaßnahme. Rosenblatt schätzt die Einsparungen auf etwa 500 Millionen Dollar, rund drei Prozent des erwarteten operativen Gewinns 2026. Die Co-CEOs erklärten intern, man liege im Plan für die Jahresprognose.
Die Aktie schloss zuletzt bei 72,61 Dollar und hat in sechs Monaten rund ein Drittel verloren. Vorbörslich gab sie zuletzt nach.
Analysten uneins bei Kurszielen
Das Bild der Analysten ist gemischt:
- Rosenblatt: Neutral, Kursziel 75 Dollar
- Jefferies: Buy, Kursziel 85 Dollar (Neueinstieg)
- KeyBanc: Kursziel gesenkt von 92 auf 85 Dollar
- BMO: Kursziel gesenkt von 135 auf 125 Dollar, Outperform
Wells Fargo hält Serienhits für entscheidend, damit die Aktie wieder anspringt. Genau das ist Rices erste Aufgabe.
Am Dienstag, 20. Oktober, legt Netflix nach US-Börsenschluss die Zahlen zum dritten Quartal vor. Optionsmärkte preisen eine Kursbewegung von etwa 7,3 Prozent ein.
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