Netflix Aktie: Optionshändler wetten auf Wende

Vor den Q2-Zahlen steigt das Call-Volumen bei Netflix deutlich. Analysten sehen Chancen, aber auch Risiken durch fehlende Hits und den FIFA-Rechtekampf.

Felix Baarz ·
Netflix Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Call-Volumen übertrifft Put-Volumen deutlich
  • Charttechnische Unterstützung bei 70 Dollar
  • Analysten uneins über fairen Wert
  • FIFA-Rechtevergabe als neuer Faktor

Ein Jahr im Bärenmarkt, vier enttäuschende Quartalsberichte in Folge, ein Kursrückgang von rund 41 Prozent binnen zwölf Monaten – und trotzdem wird an der Optionsbörse plötzlich bullisch gehandelt. Netflix legt am Donnerstag nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, und Optionshändler positionieren sich so optimistisch wie lange nicht mehr.

Am Freitag und Montag lag das Call-Volumen jeweils doppelt so hoch wie das Put-Volumen, zeitweise wurden am Montagmittag fast dreimal so viele Calls wie Puts gekauft. Ein beliebter Trade: der Verkauf von Puts nahe am aktuellen Kurs von rund 75 Dollar. Die Optionspreise implizieren nach den Zahlen einen Ausschlag von 7,6 Prozent – nahe am historischen Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate.

Ein charttechnischer Wendepunkt

Der aktuelle Kurs erinnert an eine frühere Wegmarke: Bei rund 75 Dollar notierte die Aktie zuletzt im Februar, als Netflix seine Bemühungen um eine Übernahme von Warner Bros. Discovery beendete. Die Marke von 70 Dollar gilt als altes Widerstandsniveau aus dem Jahr 2021, das nach einem Ausbruch später zur Unterstützung wurde – und zugleich als Startpunkt eines 80-prozentigen Kurseinbruchs, der erst nach Jahren in eine Erholung bis auf 134 Dollar mündete. Hält dieses Niveau erneut, sehen Marktbeobachter Raum für eine technische Gegenbewegung.

Die fundamentale Seite bleibt dabei durchwachsen. Netflix hatte in diesem Jahr noch keinen echten Publikumshit, der die Sehzeit spürbar nach oben treibt. Der Anteil an der gesamten US-Fernsehnutzung fiel laut Nielsen zuletzt auf seinen niedrigsten Stand seit über einem Jahr, während YouTube im April bereits auf einen deutlich höheren Anteil kam. Zweitstaffeln wie „Running Point“, „The Four Seasons“ oder „Beef“ verzeichneten teils Rückgänge der Sehzeit um mehr als 50 beziehungsweise 70 Prozent.

Analysten uneins, FIFA im Hintergrund

Das Bild unter den Analysten bleibt gespalten. Morningstar siedelt den fairen Wert bei 80 Dollar an und sieht die Aktie damit als angemessen bepreist, verweist aber auf hohe Unsicherheit. Bernstein SocGen hält an „Outperform“ fest, senkte das Kursziel jedoch auf 100 Dollar und rechnet mit einem Rückgang der Abonnentenzahlen von rund drei Millionen im Jahr 2026. Citizens bestätigte ein „Market Perform“-Rating und lenkt den Blick auf ein anderes Thema: den Kampf um die Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2030 und 2034. Neben Netflix bewerben sich auch Disney und YouTube um die Rechte, die derzeit bei Fox liegen – ein Paket, das laut Citizens-Analyst Matthew Condon bis zu 2 Milliarden Dollar pro Turnier kosten könnte. Gespräche mit der FIFA sollen in den kommenden drei Monaten stattfinden.

Der Analystenkonsens für das zweite Quartal liegt bei einem Gewinn von 0,79 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 12,58 Milliarden Dollar – beides über dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen die Schätzungen mit einem Gewinn von 3,56 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 51,40 Milliarden Dollar. Ob Netflix am Ziel von 3 Milliarden Dollar Werbeerlösen festhält, dürfte für die Kursreaktion mindestens so wichtig werden wie die reinen Ergebniszahlen.

Nach dem ersten Quartal hatte eine schwache Prognose die Aktie um rund zehn Prozent einbrechen lassen. Ob sich dieses Muster am Donnerstag wiederholt, entscheidet sich an der Guidance für das dritte Quartal – und daran, ob der nächste Engagement-Report echtes Sehzeit-Wachstum zeigt oder nur eine neu definierte Kennzahl.

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