Netflix Aktie: Wells Fargo senkt auf Underweight
Wells Fargo warnt vor schwächerem Nutzerinteresse und weniger Eigenproduktionen, während Evercore ISI Netflix weiter positiv bewertet.

Kurz zusammengefasst
- Wells Fargo stuft Netflix deutlich herab
- Kursziel sinkt von 80 auf 57 Dollar
- Evercore ISI hebt Ziel auf 110 Dollar
- Netflix sichert sich fünf NFL-Spiele
Die Aktie des Streaming-Giganten Netflix gerät am heutigen Freitag spürbar in die Defensive. Auslöser für den Kursrückgang ist eine deutliche Herabstufung durch das Analysehaus Wells Fargo, das die Titel von „Equal Weight“ auf „Underweight“ gesenkt hat.
Analyst Steven Cahall begründet diesen Schritt mit besorgniserregenden Trends beim Nutzer-Engagement und einem schwächeren Angebot an Eigenproduktionen für die zweite Jahreshälfte. Anleger reagieren verunsichert: Das Papier notiert aktuell bei 62,52 € und verliert damit heute 4,7 %.
Analysten sehen Risiken beim Nutzer-Engagement
Die Experten von Wells Fargo blicken skeptisch auf die Entwicklung der Sehdauer. Im ersten Halbjahr 2026 verbrachten Abonnenten im Schnitt etwa 1,6 Stunden pro Tag auf der Plattform. Bereinigt entspricht dies laut dem Analysehaus einem Rückgang von rund 8 % im Vergleich zum Jahr 2023. Zudem liege der Anteil am gesamten US-TV-Markt mittlerweile unter der Marke von 8 %.
Besonders kritisch wird die Pipeline für das laufende zweite Halbjahr bewertet. Wells Fargo erwartet, dass die Anzahl der Stunden an verfügbarem Top-100-Original-Content um 21 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum sinken könnte. In der Folge wurde das Kursziel drastisch von 80 auf 57 US-Dollar gesenkt.
Auch die Gewinnprognosen je Aktie (EPS) für die kommenden Jahre wurden angepasst; für 2027 rechnen die Analysten nun mit 3,77 US-Dollar, gefolgt von 4,52 US-Dollar im Jahr 2028. Das Bewertungsmultiple wurde auf das 15-fache des erwarteten Gewinns korrigiert.
Gegensätzliche Einschätzungen und Erfolg bei den Charts
Trotz der deutlichen Warnsignale von Wells Fargo bleibt das Stimmungsbild an der Wall Street geteilt. Während das Unternehmen heute eine Marktkapitalisierung von 282,38 Milliarden € aufweist, halten andere Häuser an ihren optimistischen Prognosen fest.
So bestätigte Evercore ISI das „Outperform“-Rating und hob das Kursziel sogar von 100 auf 110 US-Dollar an. Analyst Kutgun Maral verweist dabei auf die Haushaltspenetration, die in den USA ein Mehrjahreshoch erreicht habe, während in Japan sogar Rekordwerte erzielt wurden.
Auch in den aktuellen Streaming-Charts verbucht der Konzern Erfolge. Laut Daten von Nielsen belegte der Thriller „The Whisper Man“ mit Robert De Niro in der ersten Septemberwoche mit 863 Millionen gestreamten Minuten den ersten Platz der Film-Charts und setzte sich damit gegen namhafte Konkurrenz von Disney+ durch.
Ebenso zeigten Serien wie „Outer Banks“ und „Beauty in Black“ zuletzt starke Abrufzahlen im Bereich von jeweils über einer Milliarde Minuten pro Woche.
Live-Sport als neue Wachstumsstrategie
Um dem drohenden Rückgang beim Engagement entgegenzuwirken, forciert das Management zunehmend den Bereich der Live-Events. Bela Bajaria, Chief Content Officer von Netflix, definierte die Strategie des Unternehmens dahingehend, vermehrt auf große Sport-Ereignisse zu setzen. Für die laufende NFL-Saison 2026-27 hat sich das Unternehmen die Rechte an fünf Spielen gesichert.
Darüber hinaus plant Netflix langfristig im Bereich des Frauenfußballs und hat die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften 2027 und 2031 bereits unter Dach und Fach gebracht.
Berichten zufolge besteht zudem Interesse an Kooperationen rund um die FIFA-Weltmeisterschaften der Männer in den Jahren 2030 und 2034. Diese strategische Ausrichtung auf Live-Sport soll dazu beitragen, die Plattform für eine breitere Nutzerbasis unverzichtbar zu machen und die Werbeeinnahmen zu stabilisieren.
Ob diese Impulse ausreichen, um die von Wells Fargo befürchtete Abschwächung der Zuschauerzahlen zu kompensieren, bleibt der zentrale Fokus für Marktbeobachter.
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