Netzsperre, Pillenkampf, Betonrekord: Die stillen Gewinner der Woche

US-Netzregeln, Novo Nordisk, BMW und Strabag setzten wichtige Signale: Regulierung, Studienrisiken und Infrastruktur prägten die Aktienwoche.

Eduard Altmann ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Washington beschränkt ausländische Netztechnik
  • Novo Nordisk erhält chinesische Tablettenprüfung
  • BMW profitiert von Analystenimpulsen
  • Strabag erreicht neues 52-Wochen-Hoch

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Indizes beendeten die Woche auf Rekordniveau, doch die eigentlichen Weichenstellungen für Ihr Depot lagen abseits der Schlagzeilen: in einem Notstandserlass aus Washington, einer Rating-Attacke auf einen Pharma-Riesen und einem Auftragsschub bei einem europäischen Baukonzern. Wer diese Woche nur auf Höchstkurse geschaut hat, hat die interessanteren Geschichten verpasst.

Stromnetz als neues Schlachtfeld: Washington schließt die Tür für chinesische Technik

US-Präsident Trump erklärte am Mittwoch, 26. August, den nationalen Notstand für das amerikanische Stromnetz und untersagte künftig den Kauf und Einbau ausländischer Bulk-Power-Ausrüstung – Transformatoren, Wechselrichter, Batterien und zugehörige Software –, wenn davon Sicherheitsrisiken ausgehen. Lokale Verteilnetze sind ausgenommen, das Energieministerium hat 120 Tage Zeit für die Umsetzungsregeln und 180 Tage für Beschaffungsvorgaben zugunsten US-Hersteller. Der Hintergrund: China kontrolliert schätzungsweise 80 Prozent der weltweiten Fertigungskapazität für Batterien und Wechselrichter. Enphase legte am Ankündigungstag um 4,4 Prozent zu. Die eigentlichen Gewinner werden sich aber erst mit den Umsetzungsregeln des Energieministeriums gegen Jahresende zeigen, nicht mit der ersten Schlagzeile. Wer hier investiert, kauft eine Wette auf Regulierungsdetails, keine sichere Sache. Parallel zeigt sich der physische Energiehunger auch anderswo: Amazon hat sich Stromkapazität in Schweden gesichert, und Cloud-Miner IREN kündigte für 2027 ein Investitionsprogramm von 25 bis 30 Milliarden Dollar an – ein Beleg dafür, dass der Ausbau von Rechenzentren längst zu einem Infrastrukturthema jenseits der reinen Chip-Debatte geworden ist.

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Diese Systemrivalität zwischen Washington und Peking beschränkt sich längst nicht auf Transformatoren und Batterien – noch schärfer tobt sie derzeit bei Mikrochips. Innerhalb weniger Wochen haben zwei chinesische KI-Modelle das Silicon Valley aufgeschreckt und einen historischen Kurssturz bei US-Chip-Aktien ausgelöst, während Washington mit einem milliardenschweren Deal zur eigenen Chip-Produktion kontert. Genau dieser Eskalation widmet sich das Live-Webinar „Die neue NVIDIA“, zu dem Jörg Mahnert morgen um 18:00 Uhr einlädt. Darin geht es konkret darum, welches Unternehmen das Potenzial hat, in diesem Wettrüsten zu einem der nächsten großen Profiteure zu werden, und warum der jüngste Kurssturz bei etablierten Chip-Werten für aufmerksame Anleger gerade jetzt eine Gelegenheit schaffen könnte. Wer wie bei der Stromnetz-Story dieser Woche verstehen will, wo Regulierung und Geopolitik neue Gewinner formen, findet hier den Blick auf den nächsten Baustein dieses Konflikts. Jetzt zum Webinar „Die neue NVIDIA“ anmelden

Novo Nordisk zwischen Zulassungshoffnung und Abstufung – Pharma ist kein Monolith

Novo Nordisk lieferte in derselben Woche zwei gegensätzliche Signale. Am Donnerstag, 27. August, nahm die chinesische Arzneimittelbehörde den Zulassungsantrag für die orale Wegovy-Tablette an – ein potenziell riesiger Markt, da Schätzungen zufolge bis 2030 mehr als 65 Prozent der chinesischen Bevölkerung als übergewichtig oder adipös gelten dürften. Am selben Tag stufte die Deutsche Bank die Aktie jedoch auf „Sell“ ab und senkte das Kursziel von 290 auf 265 dänische Kronen (rund 35,50 Euro) – ein Abschlag von etwa 9 Prozent. Auslöser waren eine gescheiterte kardiovaskuläre Studie zum Wirkstoff Ziltivekimab sowie wachsende Sorgen um eine Umsatzlücke ab 2027. Die Aktie schloss den Freitag bei 39,39 Euro – damit weiterhin rund ein Viertel unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus dem Januar. Wer auf die strukturelle GLP-1-Story setzt, sollte diese Woche als Erinnerung nehmen, dass Pipeline-Risiken und Wettbewerbsdruck – Lilly ist in China bereits weiter – die langfristige These jederzeit stören können. Auch bei BioNTech zeigte sich am Freitag, wie schnell klinische Rückschläge einschlagen: Die Aktie brach im US-Handel um 8,3 Prozent ein, nachdem ein unabhängiges Kontrollgremium wegen eines Überlebens-Ungleichgewichts den Abbruch einer Phase-2-Studie zur individualisierten mRNA-Krebstherapie bei Darmkrebs empfohlen hatte. Healthcare gilt oft als defensiver Hafen – diese Woche war er es nicht überall.

Autobauer: Citigroup und Bernstein wetten auf die Wende bei BMW

BMW beendete die Woche mit einem kräftigen Freitagsprung von 5,0 Prozent auf 62,60 Euro, nachdem Citigroup-Analyst Hendrikse dem Titel den Status „Positive Catalyst Watch“ mit 90-Tage-Frist verlieh – das Votum bleibt „Neutral“, doch der Analyst erwartet positive Impulse vom Kapitalmarkttag Ende September sowie von der anziehenden iX3-Nachfrage in China. Auch Forvia erhielt einen „Positive Catalyst Watch“-Status, allerdings nur mit 30-Tage-Frist. Bernstein Research legte mit einem Rating-Upgrade auf „Outperform“ nach, Kursziel 82 Euro. Zur Einordnung: BMW notiert damit zwar deutlich über seinem Juli-Tief von 56,40 Euro, aber noch immer rund 36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro aus dem Dezember. Wer BMW als Dividendenwert im Depot hält, sollte zudem eine Zahl im Kopf behalten: Nach 4,40 Euro je Stammaktie für 2025 rechnen Analysten für 2026 nur noch mit 2,40 Euro – ein deutlicher Rückgang, der die Ausschüttungsrendite spürbar schmälert, selbst wenn der Kurs sich erholt. Auch Mercedes-Benz zog am Freitag um 2,6 Prozent auf 46,68 Euro an – die Branchenerholung ist damit breiter als nur ein BMW-Phänomen.

Der eigentliche Auftragsschub steckt im Betonwerk, nicht im Rechenzentrum

Die vielleicht unterschätzte Geschichte der Woche: Strabag schoss am Freitag um 13 Prozent auf 97,30 Euro und markierte im Tagesverlauf mit 99,70 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch – ausgelöst durch überraschend starke Halbjahreszahlen. Das passt zu einem größeren Bild: Von Deutschlands 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur, angelegt auf zwölf Jahre, sind bislang erst rund 10 Prozent abgeflossen – der Großteil der Bau- und Ausrüstungsaufträge liegt also noch vor der Branche, nicht hinter ihr. Flankiert wird das von besseren Exportaussichten: Der Ifo-Exporterwartungsindex sprang im August auf +9,6 Punkte, nachdem er im Juli noch bei -2,8 gestanden hatte, während die tatsächlichen Exporte im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent beziehungsweise 31 Milliarden Euro zulegten – wenn auch mit einer deutlichen Verschiebung weg von den USA (-6,1 Prozent) und China (-12,2 Prozent) hin zu Frankreich (+7,6 Prozent) und den Niederlanden (+9 Prozent). Zusammen mit den nach oben revidierten Wachstumsprognosen für 2026 (mehrere Institute nun zwischen 1,0 und 1,1 Prozent, zuvor rund 0,5 Prozent) ergibt sich ein Bild, in dem Auftragsbücher für Bau- und Ausrüstungsfirmen sich real füllen – eine Entwicklung, die sich in Kursen wie dem von Strabag bereits zeigt, aber noch nicht überall eingepreist sein dürfte.

Unterm Strich

Diese Woche lehrt: Rekordstände sind ein Symptom, keine Story. Wer wissen will, wohin das Geld tatsächlich fließt, muss hinter die Kulissen schauen – zum US-Energieministerium, das in den kommenden Monaten Regeln für ausländische Netztechnik schreibt, zu den Zulassungsbehörden in Peking, die über Milliardenmärkte für Adipositas-Medikamente entscheiden, und zu den Auftragsbüchern deutscher Baukonzerne, die von einem noch längst nicht ausgeschöpften Infrastrukturprogramm profitieren. Der BMW-Kapitalmarkttag Ende September dürfte der nächste konkrete Termin sein, an dem sich die Analystenwetten dieser Woche als richtig oder falsch erweisen. Bis dahin bleibt das Wochenende Zeit, die eigene Depot-Story an diesen vier Fixpunkten zu überprüfen.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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