Nevada-Deal beflügelt Barrick und Newmont, Silberminen zeigen sich uneins

Barrick und Newmont legen Nevada-Streit bei, Silberminen zeigen gemischte Quartalszahlen. Hecla glänzt mit starkem Cashflow, Pan American enttäuscht.

Andreas Sommer ·
Barrick Mining Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliardenschwerer Nevada-Vergleich zwischen Goldriesen
  • Barrick plant Börsengang der US-Sparte
  • Pan American verfehlt Erwartungen, Hecla überzeugt
  • Newmont startet 6-Milliarden-Rückkaufprogramm

Gold klettert auf ein mehrjähriges Hoch, Silber hält sich robust auf hohem Niveau – und trotzdem rutschen die Minenaktien der Branche heute allesamt ins Minus. Der Grund liegt weniger im Edelmetallpreis selbst als in den Unternehmen: Ein milliardenschwerer Vergleich zwischen zwei Goldriesen sorgt für Neubewertungen, während sich die Silberminen nach durchwachsenen Quartalszahlen in völlig unterschiedliche Richtungen bewegen.

Barrick und Newmont haben mit einer überarbeiteten Nevada-Vereinbarung einen jahrelangen Streit beigelegt. Bei den kleineren Silbertiteln zeigt sich dagegen ein fragmentiertes Bild: Pan American kämpft mit Kostendruck, First Majestic überzeugt operativ trotz wackligem Chart, und Hecla surft auf einer der stärksten Cashflow-Wellen der eigenen Firmengeschichte.

Barrick Mining: Nevada-Vergleich ebnet Weg zum Börsengang

Barrick hat mit Newmont eine erweiterte Version des gemeinsamen Nevada-Gold-Mines-Jointventures ausgehandelt. Die Vereinbarung bringt zuvor ausgeschlossene Projekte wie Barricks Fourmile-Lagerstätte sowie Newmonts Fiberline- und Mike-Vorkommen in das Gemeinschaftsunternehmen ein und beendet sämtliche offenen Streitpunkte zwischen den Partnern. Newmont zahlt dafür eine Ausgleichssumme von 1,95 Milliarden Dollar an Barrick.

Der Deal ebnet zugleich den Weg für Barricks geplanten Börsengang seiner nordamerikanischen Goldsparte, dem Newmont zugestimmt hat. Barrick peilt den Abschluss bis Jahresende an. Operativ lief das zweite Quartal solide: Der Gewinn stieg dank höherer Goldpreise, während das Unternehmen seine Investitionsausgaben-Prognose etwas zurücknahm. Die Produktionsprognose von 2,90 bis 3,25 Millionen Unzen Gold blieb unverändert.

Nicht alle Analysten zeigten sich von den Konditionen begeistert. Ein RBC-Analyst merkte an, Newmont habe für die überarbeitete Vereinbarung einen deutlich niedrigeren Preis gezahlt als zuvor erwartet, insbesondere mit Blick auf den Wert der Fourmile-Lagerstätte. Mehrere Banken senkten daraufhin ihre Kursziele leicht, blieben aber bei einer positiven Einschätzung – JPMorgan hob seines dagegen auf 52 Dollar an.

An der Börse zeigt sich die Aktie heute mit einem Rückgang von 1,2 Prozent auf 58,26 CAD spürbar leichter, nachdem sie in den vergangenen sieben Tagen noch 4,4 Prozent zugelegt hatte. Der kurzfristige Rücksetzer relativiert sich im größeren Bild kaum: Auf Monatssicht steht für Barrick weiterhin ein deutliches Plus, und selbst nach der jüngsten Konsolidierung notiert der Titel rund 21 Prozent unter seinem im Januar erreichten Rekordhoch.

Pan American Silver: Kosten und Steuern überschatten Rekord-Kassenbestand

Pan American Silver hat mit seinem Quartalsbericht die Erwartungen verfehlt. Das Unternehmen meldete einen bereinigten Gewinn von 0,73 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 1,12 Milliarden Dollar – beides unter den Markterwartungen von 0,92 Dollar je Aktie und 1,16 Milliarden Dollar. Die Aktie brach nachbörslich zweistellig ein.

Operativ zeigte sich ein gemischtes Bild. Die Silberproduktion lag mit 6,47 Millionen Unzen am oberen Ende der Unternehmensprognose, die Goldproduktion von 165.900 Unzen verfehlte dagegen die Zielspanne. Belastend wirkte zudem eine höhere Steuerlast: Steigende Metallpreise trieben zwar die Profitabilität, sorgten aber auch für höhere Steuerzahlungen, weshalb Pan American seine Steuerprognose für 2026 auf 585 bis 635 Millionen Dollar anhob.

Zusätzlicher Dämpfer kam aus Brasilien: Am Standort Jacobina senkte das Unternehmen die Produktionsprognose, nachdem die Minenplanung wegen seismischer Risiken angepasst werden musste. Auf der positiven Seite steht ein Kassenbestand von 1,8 Milliarden Dollar, mit dem Pan American unter anderem eine erste Investitionsphase von 146 Millionen Dollar für das Timmins-Camp-Projekt in Ontario finanziert.

BofA und Jefferies reagierten mit gesenkten Kurszielen, hielten aber an ihrer positiven Einschätzung fest – BofA etwa reduzierte sein Ziel von 77 auf 69 Dollar. Die Kursreaktion blieb entsprechend gedämpft: Die Aktie fiel heute um 3,3 Prozent auf 40,26 Euro und büßte auf Wochensicht 10 Prozent ein, die schwächste Performance unter den fünf Minenwerten.

Seit Jahresbeginn steht damit ein zweistelliges Minus von 12 Prozent zu Buche, obwohl der Silberpreis im gleichen Zeitraum kräftig gestiegen ist – ein deutliches Zeichen dafür, dass hausgemachte Probleme derzeit schwerer wiegen als der Rückenwind vom Metallpreis.

First Majestic Silver: Rekordumsatz trifft auf nervösen Chart

First Majestic hat trotz eines schwierigen Marktumfelds für Silberproduzenten ein Rekordquartal hingelegt. Der Umsatz erreichte im zweiten Quartal 416 Millionen Dollar, den höchsten Wert der Firmengeschichte. Operativ stützt sich das Unternehmen auf ein breites mexikanisches und US-amerikanisches Portfolio, darunter die Minen San Dimas, Santa Elena und La Encantada sowie eine Mehrheitsbeteiligung an Cerro Los Gatos.

Der Aktienkurs hat diese fundamentale Stärke zuletzt nicht widergespiegelt. Nach kräftigen Zugewinnen im Frühjahr – der Titel hatte sich binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt – kam es zuletzt zu deutlichen Rücksetzern. Heute verlor die Aktie 5,8 Prozent auf 15,96 Euro, der stärkste Tagesverlust unter den fünf Minenwerten.

Auf Sicht von 30 Tagen bleibt dennoch ein Plus von 15 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von 9,0 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rückgang eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende darstellt. Von seinem im März erreichten Hoch ist der Titel mittlerweile 45 Prozent entfernt.

Der RSI von 55 signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation. Für Anleger bedeutet das: Der Markt hat die widersprüchlichen Signale aus starken operativen Zahlen und volatiler Kursentwicklung noch nicht eindeutig eingepreist.

Newmont Mining: Rückkaufprogramm und Nevada-Deal treiben Kursziele nach oben

Newmont hat parallel zur Einigung mit Barrick ein starkes Quartal vorgelegt. Das Unternehmen bestätigte seine Produktionsprognose von 5,3 Millionen Unzen Gold für 2026 und legte ein neues, milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 6 Milliarden Dollar auf. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 123,5 Milliarden Dollar.

Die Analystenreaktionen nach den Zahlen fielen überwiegend positiv aus. Scotiabank erhöhte ihr Kursziel auf 149 Dollar, CIBC zog auf 170 Dollar nach – beide bestätigten ihre Kaufempfehlungen. Nicht jeder folgte dem Optimismus uneingeschränkt: Ein Barclays-Analyst senkte sein Ziel leicht auf 124 Dollar, beließ aber ebenfalls die Kaufempfehlung.

Ein am Bezirksgericht Colorado eingereichter Sammelklageantrag wegen angeblich irreführender Aussagen aus dem Jahr 2024 bleibt für die Aktie bislang weitgehend Nebensache. Operativ überzeugte das Unternehmen mit einem bereinigten EBITDA von 3,8 Milliarden Dollar und einem freien Cashflow von 2,2 Milliarden Dollar, wovon ein Großteil an die Aktionäre zurückfloss.

An der Börse zeigt sich der Titel heute mit einem Minus von 3,6 Prozent auf 100,16 Euro schwächer, nachdem er in den vergangenen 30 Tagen noch 28 Prozent zugelegt hatte – der stärkste Monatsgewinn unter allen fünf Werten. Der RSI von 64,1 deutet auf eine inzwischen recht ambitionierte Kursdynamik hin, auch wenn das fundamentale Bild aus Rückkaufprogramm und Nevada-Einigung den Kurs bislang stützt.

Hecla Mining: Cashflow-Sprung treibt kräftige Rally

Hecla zählt zu den auffälligsten Gewinnern der vergangenen Wochen. Der operative Cashflow stieg im Jahresvergleich um 61 Prozent auf 175 Millionen Dollar, der freie Cashflow mehr als verdoppelte sich auf 136 Millionen Dollar. Das Unternehmen spricht von der bislang stärksten Bilanz seiner Geschichte, gestützt durch einen Produktionsrekord an der Lucky-Friday-Mine.

Auch operativ überzeugte das Quartal. Die Silberproduktion legte gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent auf 4,2 Millionen Unzen zu, während die Förderkosten dank hoher Nebenprodukterlöse sogar negativ ausfielen. Hecla ist inzwischen praktisch schuldenfrei und verfügt über eine komfortable Liquiditätsreserve aus Kassenbestand und einer weitgehend ungenutzten Kreditlinie.

Die Jahresprognose für 2026 sieht nun 15,1 bis 16,1 Millionen Unzen Silber vor, bei einem bewusst langsameren, infrastrukturfokussierten Hochlauf der Keno-Hill-Mine. Die Kursreaktion fiel entsprechend deutlich aus: Binnen eines Monats kletterte die Aktie um 24 Prozent, über zwölf Monate steht ein Plus von 134 Prozent – der höchste Wert unter allen fünf Minentiteln.

Heute gab der Kurs um 4,6 Prozent auf 15,51 Euro nach. Institutionelle Anleger positionierten sich zuletzt uneinheitlich: Zahlreiche Fonds bauten ihre Bestände aus, andere reduzierten sie deutlich, darunter ein großer Vermögensverwalter. Manche Bewertungsmodelle stufen die Aktie nach der Rally inzwischen als überteuert ein.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Titel bewegen sich derzeit nicht im Gleichschritt mit den Edelmetallpreisen, sondern folgen ihrer eigenen operativen Logik:

  • Barrick und Newmont: profitieren vom beigelegten Nevada-Streit und rückenwindgebenden Analystenkommentaren, trotz einzelner Kurszielsenkungen wegen kurzfristigem Kostendruck
  • Pan American Silver: belastet durch verfehlte Gewinnerwartungen, steigende Steuerlast und Produktionsprobleme in Brasilien
  • First Majestic Silver: operative Rekordzahlen stehen im Kontrast zu einem nervösen, stark schwankenden Aktienkurs
  • Hecla Mining: liefert die stärkste Cashflow-Dynamik der Gruppe, die Bewertung gilt manchen Beobachtern bereits als ambitioniert

Silbers Doppelrolle als Industrie- und Anlagemetall verstärkt diese Unterschiede zusätzlich. Die Nachfrage aus Photovoltaik, Elektrofahrzeugen und KI-Rechenzentren stützt den Preis strukturell, während operative Ausführung – Minenplanung, Kostenkontrolle, Umgang mit seismischen Risiken – derzeit stärker über die Kursentwicklung der einzelnen Titel entscheidet als die Metallpreise selbst.

Minensektor zwischen Konsolidierung und neuen Weichenstellungen

Der geplante Börsengang von Barricks nordamerikanischer Goldsparte dürfte der wichtigste Katalysator für den Sektor in den kommenden Monaten bleiben. Newmonts Zustimmung räumt ein zentrales Hindernis aus dem Weg, angepeilt wird eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Einheit, die unter anderem die Nevada-Beteiligung und das Fourmile-Projekt umfassen soll. Tempo und Ausgestaltung dieser Transaktion dürften die Stimmung rund um Barrick bis weit ins vierte Quartal prägen.

Bei den Silberwerten bleibt die Streuung vorerst bestehen. Pan Americans Kosten- und Steuerprobleme, First Majestics wackliger Chart und Heclas Cashflow-Dynamik zeigen, dass Anleger die einzelnen Betriebsupdates weiterhin genauer verfolgen dürften als den Silberpreis selbst. Das makroökonomische Umfeld bleibt günstig – welche Aktien davon tatsächlich profitieren, entscheidet sich jedoch weiterhin auf Unternehmensebene.

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Barrick Mining Aktie

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– 0,71 CAD -1,20 %
KGV 10,94
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite 1,12 %
Marktkapitalisierung 97,06 Mrd. CAD
Ø Kursziel 46,73 USD
ISIN: CA0679011084 WKN: 870450

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