Nike: 1,5 Milliarden Dollar Zollkosten

Nike kämpft mit zweiter Entlassungswelle, neuem Innovationschef und Milliarden-Zollbelastung. Analysten sehen Aufholpotenzial, aber keinen Kurstreiber.

Redaktion Stock-World ·
Nike Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Zweite Kündigungswelle trifft Technologieabteilung
  • Dritter Innovationschef verlässt Konzern
  • Zölle belasten mit 1,5 Milliarden Dollar
  • China-Umsatz bricht um 20 Prozent ein

Drei Baustellen gleichzeitig. Nike baut erneut Stellen ab, verliert seinen dritten Innovationschef in weniger als drei Jahren — und kämpft mit Zollkosten in Milliardenhöhe. CEO Elliott Hills Turnaround-Strategie steht unter wachsendem Druck.

Zweite Entlassungswelle in 2026

Rund 1.400 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Der Abbau trifft vor allem die Technologieabteilung und betrifft Standorte in Nordamerika, Asien und Europa. COO Venkatesh Alagirisamy begründete den Schritt mit der „Win Now“-Strategie: Nike will seine Lieferketten für Materialien, Schuhe und Bekleidung stärker bündeln und die Technologiearbeit auf zwei Hauptstandorte konzentrieren — das Hauptquartier in Beaverton, Oregon, und das Nike India Technology Center.

Es ist nicht der erste Einschnitt in diesem Jahr. Im Januar hatte Nike bereits 775 Stellen gestrichen, damals vor allem in US-Verteilzentren wegen zunehmender Automatisierung.

Morningstar-Analyst David Swartz kommentierte die neuen Cuts nüchtern: Nike sei möglicherweise schlicht überbesetzt — weil frühere Führungsteams Probleme durch Personalaufbau lösen wollten, besonders in der Technologie.

Dritter Innovationschef in drei Jahren

Parallel zum Stellenabbau verlässt Tony Bignell das Unternehmen. Er war weniger als ein Jahr als Chief Innovation Officer tätig. Sein Abgang ist kein Einzelfall: Bereits zwei Vorgänger hatten die Rolle in den vergangenen drei Jahren verlassen.

Nachfolger wird Andy Caine, ein Nike-Veteran mit 20 Jahren Erfahrung. Er war zuletzt Vice President und Creative Director von Nike Sportswear. Caine berichtet an Phil McCartney, den Chief Innovation, Design and Product Officer.

Seine erste große Bewährungsprobe: ein Investorentag im Herbst, bei dem Nike Wall Street überzeugen will, dass der Umbau greift.

Zölle kosten 1,5 Milliarden Dollar jährlich

Neben dem internen Umbau lastet ein externes Problem schwer auf den Margen. Die neuen Gegenseitigkeitszölle kosten Nike schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Das entspricht einem Gegenwind von 120 Basispunkten auf die Bruttomarge im Geschäftsjahr 2026.

CFO Matt Friend machte wenig Hoffnung auf schnelle Besserung. Eine Margenverbesserung sei frühestens im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 realistisch — und nur dann, wenn Maßnahmen wie Lieferkettenverlagerung und gezielte Preiserhöhungen wirken.

Nike senkt den Anteil chinesischer Schuhimporte bis Ende des Geschäftsjahres 2026 von rund 16 Prozent auf den hohen einstelligen Bereich. Ferner laufen Section-301-Untersuchungen gegen Vietnam, Bangladesch, Kambodscha und Indien — ein weiteres potenzielles Zollrisiko.

China bleibt strukturelles Problem

Im Großraum China erwartet das Management einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent im laufenden Quartal. Hintergrund ist der sogenannte Guochao-Trend: Chinesische Gen-Z-Konsumenten bevorzugen zunehmend heimische Marken wie Anta und Li-Ning. Im zweiten Geschäftsquartal brach der Schuhverkauf in China bereits um 20 Prozent ein — das war der sechste Rückgang in Folge.

Analysten sehen Aufholpotenzial, aber keinen Katalysator

Die Aktie schloss zuletzt bei 44,36 Dollar — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 80,17 Dollar. Das durchschnittliche Kursziel von 25 Analysten liegt bei 60,90 Dollar, was erhebliches Aufholpotenzial impliziert. Allerdings empfehlen 44 Prozent der Analysten lediglich „Halten“.

Ein Analyst fasste die Stimmung prägnant zusammen: Die Aktie sei nach dem jüngsten Quartalsbericht zwar günstiger, mit dem 22-fachen der für 2028 geschätzten Gewinne aber noch nicht billig. Ohne klaren Katalysator vor dem Investorentag im zweiten Halbjahr 2026 dürfte die Aktie vorerst auf der Stelle treten.

Ein Lichtblick bleibt: Im Laufsegment wuchs Nike drei Quartale in Folge um mehr als 20 Prozent weltweit. Ob das reicht, um das Gesamtbild zu drehen, wird der Herbst zeigen — spätestens dann, wenn Caine und Hill vor den Investoren Farbe bekennen müssen.

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Nike Aktie

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Sektor Zyklischer Konsum
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