Nikkei 225: 1.000-Yen-Absturz nach Iran-Luftschlägen

US-Angriffe auf Iran und fallende Tech-Aktien drücken den japanischen Leitindex unter die 68.000-Punkte-Marke.

Andreas Sommer ·
Nikkei 225 Aktie

Kurz zusammengefasst

  • US-Luftschläge gegen Iran
  • Ölpreise steigen sprunghaft an
  • Chip-Werte wie Tokyo Electron fallen
  • Energieaktien legen deutlich zu

US-Luftschläge gegen den Iran, explodierende Ölpreise und ein Halbleiter-Crash in New York: Der Nikkei 225 geriet am Mittwoch unter massiven Druck. Zeitweise brach der Index um mehr als 1.000 Yen ein. Zum Ende der Vormittagssitzung um 11:30 Uhr Ortszeit stand er bei 67.758,64 Punkten, ein Minus von 0,73 Prozent.

Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der den Nikkei mittlerweile den dritten Tag in Folge belastet. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 3,84 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Erst am 22. Juni markierte der Index bei 72.831,73 Punkten sein 52-Wochen-Hoch. Aktuell liegt er knapp sieben Prozent darunter.

Nahost-Eskalation trifft nervösen Markt

Der Auslöser der Verkaufswelle liegt außerhalb Japans. Das US-Zentralkommando griff iranische Militärziele an, als Vergeltung für Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus am Vortag. Das US-Finanzministerium zog zudem eine allgemeine Lizenz für iranische Ölexporte zurück. Die Ölpreise schossen daraufhin nach oben.

Der Nikkei eröffnete bereits mit einem Abschlag von 0,81 Prozent bei 67.704,16 Punkten. Im Handelsverlauf rutschte der Index bis auf 67.341,86 Punkte ab, ein Niveau, das zuletzt am 15. Juni zu sehen war. Verschärft wurde die Lage durch einen schwachen Impuls aus den USA: Der Philadelphia Semiconductor Index war am Vortag um 4,65 Prozent eingebrochen, der Nasdaq gab 1,16 Prozent ab.

Die Straße von Hormus wickelt rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels ab. Weitere Zwischenfälle dort, oder von Teheran angekündigte „vernichtende Reaktionen“, könnten die Risikoaversion an den Märkten aufrechterhalten.

Chip-Werte belasten, Energie fängt auf

Die schwersten Verluste trafen japanische Halbleiterwerte. Tokyo Electron riss dem Nikkei allein rund 146 Punkte aus dem Index und verlor selbst über 2,4 Prozent. Advantest und SoftBank Group, letztere mit einem Minus von 1,18 Prozent, gerieten ebenfalls unter Druck, nachdem Investoren nach dem Nasdaq-Rückgang Risiko abbauten.

Auf der Verliererseite standen außerdem Ibiden, Furukawa Electric, Toyota Motor und Sony Group. Bei Toyota wogen globale Handelssorgen schwerer als der schwache Yen, der Exporteuren eigentlich zugutekommt.

Auf der Gewinnerseite sorgte der Ölpreissprung für eine klare Rotation. Inpex, Idemitsu und ENEOS legten zu, gestützt vom Anstieg der Brent-Notierung Richtung 76 Dollar je Barrel. Kioxia profitierte von Schnäppchenkäufern nach dem breiten Speicherchip-Ausverkauf und gewann zwischen 1,16 und 2,0 Prozent. KDDI stieg um 1,69 Prozent, da Investoren defensive Positionen suchten. Ageha legte den dritten Tag in Folge zu, gestützt von Rebranding-Nachrichten rund um JX Advanced Metals.

Technisches Bild: Wichtige Marke im Test

Der Rückgang unter die 68.000-Punkte-Marke zwang den Index, die Unterstützung vom 15. Juni bei 67.341,86 Punkten zu testen. Analysten beobachten dieses Niveau genau. Ein nachhaltiger Bruch nach unten könnte den Weg zur Handelsspanne aus dem Mai öffnen.

Einordnen lässt sich das nur im größeren Bild. Der Index notiert weiterhin gut drei Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt bei 65.753 Punkten und rund 21,6 Prozent über der 200-Tage-Linie. Der RSI von 48,7 signalisiert dabei keine überverkaufte Lage, sondern eine neutrale Marktphase. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35,39 Prozent zeigt aber, wie nervös der Handel aktuell verläuft.

Einige Analysten erkennen im Tageschart ein „Falling Wedge“-Muster, ein Signal, das bei nachlassenden geopolitischen Spannungen eine Erholung andeuten könnte. Der RSI zeigt jedoch weiterhin nach unten, der Index notiert unter seinen kurzfristigen gleitenden Durchschnitten. Zusätzlichen Gegenwind liefert die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen, die auf 2,865 Prozent kletterte, den höchsten Stand seit vier Wochen.

Ausblick: Fed-Protokoll im Fokus

Institutionelle Investoren flüchteten am Mittwoch spürbar in sichere Anlagen. Ausländische Adressen verkauften vor allem große Elektronik- und Automobilwerte. Der Yen-Kurs von 161,89 zum Dollar und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 4,565 Prozent bleiben dabei zentrale Bezugsgrößen für die Tokioter Börse.

Für die nächste Handelssitzung richtet sich der Blick auf die Sitzungsprotokolle der US-Notenbank, die am Abend des 8. Juli veröffentlicht werden. Sie dürften die Richtung vorgeben, mit der der Nikkei in den nächsten Handelstag startet.

Anzeige

Nikkei 225: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nikkei 225-Analyse vom 8. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Nikkei 225-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nikkei 225-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nikkei 225: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Nikkei 225 Index

66.819,05 PKT

– 1.437,91 PKT -2,11 %
KGV
Sektor
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung
ISIN: XC0009692440

Community Forum zu Nikkei 225

Ähnliche Artikel

Hensoldt Aktie: Thales-Deal stützt Bewertung

Hensoldt Aktie: Thales-Deal stützt Bewertung

Rüstung & Luftfahrt ·
Intrum Justitia Aktie: 6 Milliarden SEK überzeichnet

Intrum Justitia Aktie: 6 Milliarden SEK überzeichnet

Turnaround ·
Blackrock Aktie: Neuer Standard für Privatmärkte

Blackrock Aktie: Neuer Standard für Privatmärkte

ETFs ·
Standard Lithium Aktie: 46,91% Minus seit Jahresbeginn

Standard Lithium Aktie: 46,91% Minus seit Jahresbeginn

Rohstoffe ·
Bayer Aktie: 40-Prozent-Rally stoppt bei 49,78 Euro

Bayer Aktie: 40-Prozent-Rally stoppt bei 49,78 Euro

Pharma & Biotech ·

Weitere Artikel zu Nikkei 225

Alle Artikel anzeigen
Nikkei 225: Bruch der 68.782-Punkte-Marke

Nikkei 225: Bruch der 68.782-Punkte-Marke

Industrie ·
Nikkei 225: Topix auf Rekord bei 4.101 Punkten

Nikkei 225: Topix auf Rekord bei 4.101 Punkten

Halbleiter ·
Nikkei 225: Chipwerte treiben Tokio an

Nikkei 225: Chipwerte treiben Tokio an

Halbleiter ·
Nikkei 225: Kurz über 70.000 Punkte

Nikkei 225: Kurz über 70.000 Punkte

Banken & Versicherungen ·
BASF, OHB, Nordmetall: Wo der Ölpreisverfall wirklich ankommt

BASF, OHB, Nordmetall: Wo der Ölpreisverfall wirklich ankommt

Industrie ·