Nikkei 225: 1.315 Punkte Minus am 13. Juli
Geopolitische Spannungen und fallende Halbleiteraktien beenden die jüngste Erholungsphase des japanischen Leitindex.

Kurz zusammengefasst
- Nikkei fällt um fast zwei Prozent
- Golf-Konflikt treibt Ölpreise in die Höhe
- Chipwerte wie Advantest und Kioxia unter Druck
- Banken und Einzelhandel trotzen dem Abwärtstrend
Juli gestoppt. Nach drei Handelstagen mit Kursgewinnen fiel der japanische Leitindex um 1.315,00 Punkte auf 67.242,73 Zähler – ein Minus von 1,92 Prozent. Zwischenzeitlich rutschte der Index bis auf 66.653,11 Punkte ab, bevor Schnäppchenjäger einen Teil der Verluste wieder auffingen. Auslöser war die Eskalation am Golf: Nach einem Angriff auf den Frachter MV GFS Galaxy führte das US-Kommando CENTCOM Vergeltungsschläge gegen Ziele im Iran, während Teheran mit einer Blockade der Straße von Hormus drohte und Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain ausführte. Washington bestritt, dass die Meerenge tatsächlich gesperrt sei.
Die geopolitische Zuspitzung trieb die Ölpreise deutlich nach oben und belastete damit auch die Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten. Der breitere Marktkontext bleibt für den Nikkei günstig: Verglichen mit dem Schlusskurs vor zwölf Monaten steht der Index noch immer mit 70,41 Prozent im Plus, und auf Sicht von 30 Tagen bleibt sogar noch ein Gewinn von 1,85 Prozent. Auf Wochensicht schlägt der jüngste Rücksetzer jedoch mit minus 3,58 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch bei 72.831,73 Punkten, erreicht am 22. Juni 2026, trennen den Index mittlerweile 7,67 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 66.201,69 Punkten bewegt sich der Kurs mit 1,57 Prozent Abstand noch knapp darüber, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei 56.066,43 Punkten mit 19,93 Prozent deutlich komfortabler ausfällt. Der RSI von 47,4 signalisiert eine neutrale Marktlage, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35,94 Prozent zeigt jedoch die gestiegene Nervosität.
Halbleiterwerte reißen Index nach unten
Der eigentliche Verlusttreiber kam aus Südkorea. Der dortige Leitindex KOSPI brach zeitweise um mehr als acht Prozent ein und löste eine Handelsunterbrechung aus, nachdem SK Hynix nach seinem fulminanten Nasdaq-Debüt am 10. Juli in Seoul um bis zu 15 Prozent abstürzte und Samsung Electronics rund 10,7 Prozent verlor. Der Ausverkauf bei Speicherchip-Werten schwappte direkt auf Tokio über: Kioxia Holdings und Advantest allein drückten den Nikkei um rund 272 Punkte nach unten, wobei Advantest mit 243,77 Punkten den größten negativen Einzelbeitrag lieferte. Tokyo Electron zählte ebenfalls zu den schwächeren Werten. Kioxia selbst verlor 9,3 Prozent auf 69.850 Yen; die Analysten von Bernstein bestätigten ihre Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 40.000 Yen und verwiesen auf die anstehenden Quartalszahlen von ASML und TSMC als Richtungsgeber für die Speicherbranche.
Größter prozentualer Verlierer im Nikkei war Yaskawa Electric mit einem Minus von 14,34 Prozent, gefolgt von Taiyo Yuden mit 12,86 Prozent. Der breitere TOPIX gab um 0,2 Prozent auf 4.027,82 Punkte nach – ein moderaterer Rückgang, der die selektivere Natur des Ausverkaufs unterstreicht.
Banken trotzen dem Ausverkauf, Yen bleibt schwach
Nicht alle Sektoren gerieten unter Druck. Bankwerte zählten zu den festesten Branchen des Tages, angeführt von Mitsubishi UFJ Financial Group. Das Institut überholte im Tagesverlauf sowohl Toyota als auch Kioxia bei der Marktkapitalisierung und wurde mit umgerechnet 258,6 Milliarden US-Dollar zum wertvollsten Unternehmen Japans – erstmals seit 1986, als zuletzt die Sumitomo Bank diese Position innehatte. Getragen wird die Neubewertung von der Aussicht auf eine geldpolitische Normalisierung der Bank of Japan und einer Umschichtung von Kapital aus überhitzten KI-Werten in Finanztitel. Auch Einzelhandelswerte wie Ryohin Keikaku (Muji) gehörten zu den stärksten positiven Indexbeiträgen.
Der Yen blieb derweil unter Abwertungsdruck und notierte gegenüber dem Dollar im Bereich von 162, was die Sicherheitsflucht in die US-Währung inmitten der Golf-Krise widerspiegelt. Am Ölmarkt kletterte die Sorte Brent im Tagesverlauf zeitweise auf über 79 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Ende Juni. Für die Nikkei-Unternehmen bedeutet das steigende Rohstoffkosten, während zugleich die Terminbörse in Chicago mit einem Nikkei-Future von 69.250 Punkten – rund 440 Zähler über dem Osaka-Schlusskurs – auf eine mögliche Stabilisierung hindeutete. Im Fokus der kommenden Handelstage stehen nun die US-Inflationsdaten sowie die Quartalsberichte großer amerikanischer Banken und der Chipbranche, allen voran TSMC und ASML.
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