Nikkei 225: Kurz über 70.000 Punkte

Der japanische Leitindex erreicht ein neues Allzeithoch, fällt aber wieder zurück. Die Bank of Japan erhöht den Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995.

Dr. Robert Sasse ·
Nikkei 225 Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nikkei 225 erreicht kurzzeitig 70.000 Punkte
  • Bank of Japan erhöht Leitzins auf 1 Prozent
  • Notenbank setzt Staatsanleihe-Rückkäufe aus
  • Chinesische Konjunkturdaten enttäuschen im Mai

Der Nikkei 225 hat heute kurzzeitig eine historische Marke geknackt: Erstmals übersprang der japanische Leitindex die Schwelle von 70.000 Punkten — fiel danach aber wieder etwas zurück und notiert derzeit rund 0,26 Prozent höher.

Bank of Japan erhöht auf 31-Jahreshoch

Der Auslöser war die erwartete Zinsentscheidung der Bank of Japan. Die Notenbank hob ihren Leitzins von 0,75 auf 1 Prozent an — das höchste Niveau seit 1995. Eine echte Überraschung war das nicht: Märkte und Ökonomen hatten den Schritt weitgehend vorweggenommen und eingepreist. Begründet wurde die Erhöhung mit wachsenden Inflationsrisiken durch gestiegene Energiekosten, die teils auf den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten zurückgehen.

Ob weitere Zinsschritte folgen, gilt als offen. Ökonomen sehen zusätzliche Erhöhungen als schwierig an. Außerdem beschloss die Notenbank, die geplante Reduzierung ihrer Staatsanleihe-Käufe ab April 2027 zunächst auszusetzen — ein Signal, dass sie den Markt vorerst nicht zu stark strapazieren will.

Gegenwind aus Peking, Rückenwind aus Seoul

Das Umfeld rund um Japan ist zweigeteilt. In China enttäuschten Konjunkturdaten für Mai: Einzelhandelsumsätze und Investitionen in Sachanlagen schrumpften stärker als erwartet, Letztere auf den schwächsten Stand seit der Corona-Pandemie. Die Immobilienpreise setzten ihre Abwärtsbewegung fort. Einzig die Industrieproduktion zeigte sich solide, getrieben von starker Auslandsnachfrage.

In Südkorea lief es dagegen deutlich besser: Der KOSPI legte rund 2 Prozent zu, befeuert von einer Rally bei Halbleiter- und Technologiewerten.

Positiv wirkte im Hintergrund auch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts. Ein Abschluss eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran gilt als unmittelbar bevorstehend — die Wiedereröffnung der Straße von Hormus wäre ein weiterer Impulsgeber für die Region. Ob diese Erwartung den Nikkei nachhaltig über die 70.000er-Marke tragen kann, hängt auch davon ab, wie klar die Bank of Japan ihre nächsten Schritte kommuniziert — das dürfte die Märkte in den kommenden Wochen beschäftigen.

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