Nokia Aktie: 24-Prozent-Sturz vor Q2-Zahlen
Nokia veröffentlicht Quartalsergebnisse unter hohem Erwartungsdruck. Analysten fokussieren auf das KI-Netzwerkgeschäft und die Nvidia-Partnerschaft.

Kurz zusammengefasst
- Quartalszahlen am Donnerstag erwartet
- KI-Cloud-Umsätze im Fokus
- Nvidia-Partnerschaft treibt Strategie
- Aktie technisch angeschlagen
Nokia steht vor einer richtungsweisenden Handelssitzung. An diesem Donnerstag legt der finnische Telekomkonzern seine Zahlen zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr vor. Die Aktie kommt dabei alles andere als ruhig ins Rennen: Der Kurs hat in den vergangenen 30 Tagen 24,36 Prozent verloren.
Trotz dieses Einbruchs bleibt Nokia im laufenden Jahr klar im Plus. Seit Jahresanfang steht ein Gewinn von 62,79 Prozent zu Buche. Die jüngste Korrektur wirkt damit weniger wie ein Kollaps, sondern eher wie das Abarbeiten überzogener Erwartungen nach einem steilen Anstieg.
Der Markt fordert Beweise für die KI-Story
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Netzwerkinfrastruktur-Segment. Im ersten Quartal waren die Umsätze aus KI- und Cloud-Geschäft um 49 Prozent gesprungen. Jetzt will der Markt wissen, ob dieses Tempo im zweiten Quartal gehalten hat.
Analysten rechnen mit einem Quartalsumsatz von rund 4,83 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie nach GAAP-Standard liegt die Erwartung bei 0,04 Euro. Besonders im Fokus: die Sparten Optical Networks und IP Networks, die vom weltweiten Ausbau der Rechenzentren für KI-Training profitieren.
Nvidia-Partnerschaft treibt den Strategiewechsel
Der Quartalsbericht kommt nicht isoliert. Er folgt auf eine Serie strategischer Ankündigungen, die Nokias Marktposition in diesem Jahr neu geordnet haben. Am 15. Juli brachte der Konzern die erste kommerzielle KI-native RAN-Plattform der Branche auf den Markt, aufgebaut auf der eigenen „anyRAN“-Software.
Möglich macht das eine Partnerschaft mit Nvidia, die bereits im Oktober 2025 vereinbart wurde. Nvidia investierte im Zuge dieser Vereinbarung eine Milliarde US-Dollar in Nokia-Aktien, zu einem Bezugspreis von 6,01 US-Dollar je Anteil. Damit hält der Chip-Konzern nun 2,9 Prozent an Nokia.
Das Ziel der Kooperation ist ambitioniert: Bis 2028 soll die spektrale Effizienz der Netzwerke um mehr als 100 Prozent steigen. Für Nokia ist das mehr als ein Nebenprojekt. Die klassische 5G-Infrastruktur kühlt spürbar ab, der Schwenk zu KI-integrierter Hardware soll diese Lücke schließen.
Charttechnik signalisiert Nervosität
Die Kursbewegung der letzten Wochen hat deutliche Spuren in der Technik hinterlassen. Die Aktie notiert derzeit unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 11,80 Euro und auch unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 10,09 Euro. Oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 7,80 Euro hält sich der Kurs aber noch.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 35,8 – ein Wert, der auf eine überverkaufte Situation hindeutet, ohne die extreme Zone zu erreichen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 66,85 Prozent zeigt: Der Markt preist eine kräftige Reaktion auf die Zahlen ein. Ein für 15 Uhr MESZ angesetzter Analysten-Webcast soll im Anschluss weitere Details zu den Margen im zweiten Halbjahr sowie zum Fortschritt der laufenden Sparprogramme liefern.
Die Kombination aus Kursrücksetzer, technischer Schwäche und hohen Erwartungen an das KI-Geschäft macht die heutige Sitzung zur Nagelprobe. Bestätigt Nokia das Wachstumstempo aus dem ersten Quartal, könnte die Aktie den Bruch mit dem 100-Tage-Durchschnitt schnell wieder wettmachen. Bleiben die Zahlen hinter der Umsatzschätzung von 4,83 Milliarden Euro zurück, dürfte die Volatilität der vergangenen Wochen anhalten.
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