Nokia Aktie: 800 Millionen Euro für Umbau
Nokia erhöht Restrukturierungsbudget auf 800 Mio. Euro und beschleunigt die Integration von Shanghai Bell. Der Aktienkurs steigt trotz jüngster Verluste leicht.

Kurz zusammengefasst
- Restrukturierungskosten auf 800 Mio. Euro erhöht
- China-Integration wird auf zwei Jahre verkürzt
- Verkauf von Randgeschäften an Inseego geplant
- Aktie legt trotz 30-Tage-Verlust zu
Nokia strafft sein Portfolio schneller als ursprünglich geplant. Der finnische Netzwerkausrüster erhöhte im Zuge seiner Quartalszahlen die geplanten Restrukturierungskosten für das laufende Jahr auf rund 800 Millionen Euro und zieht die Integration seiner China-Geschäfte deutlich vor. Gleichzeitig trennt sich der Konzern von zwei Randgeschäften. Für Anleger bedeutet das: Der Umbau kostet kurzfristig mehr, soll das Unternehmen aber schlanker und stärker auf profitables Wachstum ausgerichtet zurücklassen. An der Börse notiert die Nokia-Aktie am Montag bei 8,29 Euro und legt im Tagesverlauf um 1,74 Prozent zu – nach einem Kursrückgang von 23,89 Prozent binnen 30 Tagen.
Höhere Sonderkosten, schnellere China-Integration
Nokia hatte volle Eigentümerschaft an Nokia Shanghai Bell übernommen und wollte die Integration ursprünglich über bis zu drei Jahre strecken. Nun soll der Prozess innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Bis Ende 2026 verbucht der Konzern dafür Integrationskosten von 398 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 350 Millionen Euro. Zusammen mit den auf etwa 800 Millionen Euro angehobenen Restrukturierungsaufwendungen für das Gesamtjahr zeigt sich, dass Nokia den Konzernumbau forciert, statt ihn zu verschleppen – auch wenn das die Ergebnisrechnung 2026 zusätzlich belastet.
Parallel dazu ordnet Nokia sein Portfolio neu. Im zweiten Quartal stufte der Konzern das Geschäft mit Fixed Wireless Access CPE sowie das Enterprise-Campus-Edge-Geschäft als nicht fortgeführte Aktivitäten ein. Für die CPE-Sparte steht bereits eine Vereinbarung mit dem Anbieter Inseego, aus der Nokia rund sieben Prozent an dessen Aktien und Warrants im Wert von 20 Millionen US-Dollar erhält – ein Anteil, der nach einer weiteren Investition von 10 Millionen US-Dollar zum Abschluss auf etwa elf Prozent steigen soll. Für das Enterprise-Campus-Edge-Geschäft hält Nokia eine Einigung für sehr wahrscheinlich. Beide Schritte deuten auf eine Fokussierung auf Kernbereiche mit höherem Wachstumspotenzial hin.
Wachstumsbereiche gegen Altlasten
Diese Fokussierung hat einen Grund: Die Geschäftsbereiche entwickeln sich zunehmend gegensätzlich. Fixed Networks verzeichnete zuletzt einen Umsatzrückgang von 13 Prozent, weil Telekombetreiber ihre Infrastrukturausgaben kürzten und Investitionen verschoben. Network Infrastructure wuchs dagegen um 12 Prozent, getragen von Optical Networks und IP Networks sowie der Nachfrage von Hyperscalern im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren. Nokia lebt damit gerade von genau jenem Geschäft, das der Konzernumbau stärken soll, während die klassischen Telekomsegmente an Bedeutung verlieren.
Für das dritte Quartal rechnet Nokia nur mit einem Nettoumsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei flachem Gewinn – die stärkere Ergebnisverbesserung verschiebt sich damit auf das vierte Quartal. Vorstandschef Justin Hotard sagte dazu, der Konzern gehe „mit Schwung“ ins zweite Halbjahr und bleibe auf Kurs, beim vergleichbaren operativen Gewinn etwas über der Mitte der Jahresprognose zu landen. Zugleich senkte Nokia die Investitionsausgaben-Prognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 800 bis 900 Millionen Euro, nachdem zuvor 900 Millionen bis eine Milliarde Euro veranschlagt waren – ein Signal für diszipliniertes Kapitalmanagement inmitten des Umbaus.
Deutsche Bank sieht nach der Rally weniger Potenzial
Die verhaltene Kurzfristprognose kam bei Analysten nicht überall gut an. Deutsche Bank senkte vor rund zwei Wochen ihr Kursziel für Nokia von 13,50 auf 11,50 Euro, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Die Anpassung fiel in eine Phase, in der die Aktie trotz eines Gewinns über den Markterwartungen unter Druck geraten war – ausgelöst nicht durch eigene Nachrichten, sondern maßgeblich durch enttäuschende Zahlen des Konkurrenten Ericsson, der vor steigenden Speicherchip-Preisen infolge der KI-Nachfrage warnte und damit Sorgen über Lieferkettenkosten in der gesamten Branche schürte.
Der aktuelle Kursstand von 8,29 Euro liegt rund 21,71 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,59 Euro, während der 200-Tage-Durchschnitt von 8,04 Euro nur knapp unterschritten wird – ein Hinweis darauf, dass sich der starke Kursanstieg der vergangenen Monate zuletzt deutlich abgekühlt hat. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob das margenstarke KI- und Cloud-Geschäft die Schwäche in den klassischen Telekomsparten und die zusätzlichen Umbaukosten kompensieren kann. Die kommenden Quartale, insbesondere das für das vierte Quartal angepeilte stärkere Ergebnis, dürften darüber Aufschluss geben.
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