Nokia Aktie: KI-Boom trifft Aufräumkosten
Nokias Netzwerksparte profitiert stark vom KI-Boom, während der Konzernumbau die Bilanz belastet.

Kurz zusammengefasst
- Netzwerkumsatz steigt um 9 Prozent
- KI-Erlöse verdoppeln sich nahezu
- Restrukturierungskosten auf 800 Millionen erhöht
- Dividende von 0,04 Euro beschlossen
Nokia legt an diesem Donnerstag Zahlen vor, die zwei Geschichten gleichzeitig erzählen. Auf der einen Seite ein Netzwerkgeschäft, das vom KI-Boom regelrecht durchgeschüttelt wird. Auf der anderen Seite ein Konzern, der mitten im Umbau steckt und dafür einen roten Strich in der Bilanz in Kauf nimmt.
Optik und IP-Netzwerke ziehen kräftig an
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 9 Prozent auf währungsbereinigter Basis auf 4,815 Milliarden Euro. Treiber war die Sparte Network Infrastructure mit einem Plus von 12 Prozent — angeführt von Optical Networks mit 20 Prozent Wachstum und IP Networks mit 16 Prozent. Besonders auffällig: Die Erlöse mit KI- und Cloud-Kunden verdoppelten sich nahezu, ein Plus von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Auftragseingang in diesem Segment erreichte 2,8 Milliarden Euro. Nokia rechnet damit, dass rund die Hälfte davon in den kommenden zwölf Monaten in Umsatz umgewandelt wird — ein Hinweis darauf, dass Kunden zunehmend langfristige Bestellungen platzieren, weil das Angebot in der Branche knapp bleibt. Die vergleichbare Bruttomarge kletterte auf 46,0 Prozent, die vergleichbare operative Marge auf 9,0 Prozent.
Umbau drückt die ausgewiesene Marge ins Minus
Während die bereinigten Kennzahlen nach oben zeigen, kippte die ausgewiesene operative Marge auf minus 1,0 Prozent — ein Rückgang um 430 Basispunkte. Der Grund liegt im beschleunigten Konzernumbau. Nokia hat seine Restrukturierungspläne für dieses Jahr auf insgesamt 800 Millionen Euro an Kosten hochgeschraubt.
Ein Teil davon entfällt auf das laufende Sparprogramm aus den Jahren 2023 bis 2026, ein größerer Batzen auf die Integration der China-Geschäfte und ein weiterer auf zusätzliche Restrukturierungsschritte, vor allem in Europa. Parallel dazu hat Nokia zwei Randgeschäfte — Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge — als nicht fortgeführte Aktivitäten eingestuft. Das CPE-Geschäft geht an Inseego, für Enterprise Campus Edge gilt ein Verkauf als sehr wahrscheinlich. Operativ ändert das nichts am Jahresausblick, technisch aber verschiebt sich die Zielspanne für den vergleichbaren Betriebsgewinn auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro.
Dividende und US-Investition bestätigt
Der Vorstand hat eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie beschlossen, zahlbar am 6. August mit Stichtag 28. Juli. Damit bleiben von der im April von der Hauptversammlung erteilten Ausschüttungsermächtigung noch maximal 0,06 Euro je Aktie übrig.
Strategisch untermauert Nokia sein Bekenntnis zur US-Fertigung: Der Konzern hat eine verbindliche Vereinbarung zum Erwerb von NXPs Halbleiterwerk in Chandler, Arizona, geschlossen. Die vollständige Übernahme des Standorts soll im ersten Quartal 2029 abgeschlossen sein, eine erste Anmietung von Kapazitäten beginnt bereits Anfang 2027. Der Umbau soll die Indium-Phosphid-Fertigung für optische Komponenten stärken — ein Baustein für den erwarteten Bedarf 2027 und 2028. Die nächsten Quartalszahlen legt Nokia am 22. Oktober vor.
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