Nordex im Höhenflug, ABO Energy im Überlebenskampf

Nordex profitiert vom Analystenlob, RWE erhöht Investitionen, während ABO Energy saniert und JinkoSolar mit höheren Verlusten kämpft.

Felix Baarz ·
Moderne Windkraftanlagen an einem sonnigen Tag unter blauem Himmel. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Nordex legt nach Hochstufung deutlich zu
  • RWE plant 42 Milliarden Euro
  • ABO Energy expandiert trotz Sanierungsdruck
  • JinkoSolar meldet wachsende Verluste

Fünf Aktien, fünf Schicksale: Während Nordex nach einem Analysten-Upgrade zweistellig durchstartet, kämpft ABO Energy zu Hause um die Existenz und expandiert gleichzeitig nach Finnland. RWE fährt derweil ein Milliarden-Investitionsprogramm hoch, PNE verbessert operativ, bleibt aber von einer Eigentümerfrage belastet. JinkoSolar wechselt an der Spitze, während die Verluste wachsen. Der Sektor zeigt gerade eindrücklich, wie unterschiedlich Kapitalmärkte Bilanzstärke belohnen und Schwäche abstrafen.

Nordex: Ein Upgrade zündet die Rally

Der Wochenstart hatte es in sich. Nordex sprang nach einer Hochstufung durch Bank of America deutlich nach oben. Analyst Alexander Jones hob die Einstufung von „Neutral“ auf „Buy“ und verwies auf das starke Deutschland-Geschäft, jüngste US-Aufträge und eine stabile Lieferkette. Als konkreten Beleg nannte er einen Auftrag über 55 Turbinen mit 325 Megawatt Leistung aus den USA.

Die Aktie kletterte um fast zehn Prozent und schob sich damit über die 200-Tage-Linie zurück in Richtung der 50-Tage-Marke. Aktuell notiert Nordex bei 41,02 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent zum Vortag und von elf Prozent auf Wochensicht.

Jones setzte sein Kursziel bei 54 Euro an— oberhalb des bisherigen Jahreshochs von 51,70 Euro aus dem April. Das würde neue Mehrjahreshochs seit 2002 bedeuten. Die Rally trifft zeitlich mit dem Auftritt des Unternehmens auf der Barclays Energy and Power Conference in New York zusammen, wo Nordex diese Woche im Fokus internationaler Investoren steht. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 41 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es sogar 93 Prozent.

Operativ hält das Management Kurs. Die Jahresprognose für 2026 wurde Ende Juli bestätigt: Umsatzwachstum von 9 bis 11 Prozent, EBITDA-Marge zwischen 8 und 11 Prozent. Von 15 Analysehäusern liegen 9 Kaufempfehlungen, 5 Halteeinschätzungen und ein Verkaufsvotum vor. Ein Warnsignal kommt allerdings aus quantitativen Bewertungsmodellen: Der von InvestingPro aus zwölf Finanzmodellen abgeleitete faire Wert liegt bei 42,14 Euro— nur knapp über dem aktuellen Kurs und damit deutlich unter dem Analystenkonsens. Zusätzliches Auftragspotenzial könnten die für die zweite Jahreshälfte 2026 geplanten europäischen Windauktionen mit einem Volumen von rund 26 Gigawatt liefern.

RWE: Ein 42-Milliarden-Programm als Fundament

RWE übersetzt seine Strategie in handfeste Zahlen. Bis 2031 soll die Offshore-Windkapazität netto um 5 Gigawatt wachsen, 3,1 Gigawatt befinden sich bereits im Bau. Eingebettet ist das in ein noch größeres Investitionsprogramm: Zwischen 2026 und 2031 sollen 35 Milliarden Euro netto in erneuerbare Energien, Batteriespeicher und flexible Erzeugung fließen— die Kapazität soll um 25 Gigawatt auf rund 65 Gigawatt steigen.

Inzwischen hat der Konzern nachgelegt. Insgesamt plant RWE nun 42 Milliarden Euro bis 2031 für den Ausbau von Offshore- und Onshore-Wind, Solar, Speichern, flexibler Erzeugung und Netzinfrastruktur. Vorstandschef Markus Krebber begründet dies mit der wachsenden Stromnachfrage in Europa und den USA, wo der Konzern sein Portfolio um Gaskraftwerke erweitert. Bis 2031 soll das bereinigte Ergebnis je Aktie von aktuell 2,48 Euro auf 4,40 Euro steigen.

Der operative Schwung hält an. Seit Jahresbeginn hat RWE 752 Megawatt neue Erzeugungskapazität ans Netz gebracht, das Portfolio aus Erneuerbaren, flexibler Erzeugung und Speichern wuchs auf fast 41 Gigawatt— weitere 10,3 Gigawatt befinden sich im Bau. Nach starken Halbjahreszahlen hob RWE die Prognose für 2026 und 2027 an: Statt 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro werden nun 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro beim bereinigten EBITDA erwartet.

Die Reaktion der Analysten fiel positiv aus. Berenberg erhöhte das Kursziel auf 72 Euro von zuvor 68,50 Euro, Goldman Sachs und Jefferies zogen ihre Ziele auf jeweils 75 Euro nach oben. Gelobt wurde vor allem der Ausblick bis in die 2030er-Jahre. Nicht alles läuft rund: In den USA einigte sich RWE mit der Regierung auf einen Ausstieg aus drei Offshore-Wind-Pachtverträgen gegen eine Zahlung von rund 1,06 Milliarden Euro— eine Folge der verhärteten regulatorischen Haltung Washingtons gegenüber Offshore-Wind. Das freigewordene Kapital fließt nun in LNG- und Gaskraftwerke. An der Börse zeigt sich das Vertrauen im aktuellen Kurs von 59,36 Euro, der 4,3 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch liegt, aber 31 Prozent über dem Stand zu Jahresbeginn.

ABO Energy: Wasserstoff-Ambitionen treffen auf Sanierungsdruck

Kaum ein Unternehmen im Sektor zeigt einen größeren Kontrast zwischen internationaler Expansion und heimischer Not. In Nordfinnland haben ABO Energy und die Stadt Oulu eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um die Planung einer großen grünen Wasserstoffanlage voranzutreiben— aufbauend auf einer bereits 2025 gesicherten Flächenreservierung.

Das Projekt soll auf 41 Hektar entstehen und in zwei bis drei Ausbaustufen auf bis zu 600 Megawatt Elektrolysekapazität wachsen. Geprüft werden zudem synthetisches Methanol und nachhaltiger Flugkraftstoff als Folgeprodukte, die Abwärme soll ins Fernwärmenetz von Oulu einfließen.

Parallel trennt sich ABO Energy von Vermögenswerten. Im August verkaufte das Unternehmen sein Wasserstoffprojekt in Hünfeld an die Tyczka Hydrogen GmbH— Teil einer umfassenderen Portfolio-Bereinigung, zu der auch der Verkauf der polnischen und ungarischen Tochtergesellschaften gehörte.

Die Aktie schwankt in diesem Umfeld erheblich. Zuletzt sprang der Kurs um 5,0 Prozent auf 3,38 Euro nach oben, nachdem er tags zuvor noch bei 3,23 Euro geschlossen hatte. Die mittelfristige Bilanz bleibt dennoch trübe: Die Marktkapitalisierung ist auf unter 30 Millionen Euro geschrumpft, über zwölf Monate steht ein Kursverlust von fast 74 Prozent zu Buche. Hintergrund ist ein förmliches Sanierungsverfahren— ein seit Mai vorliegendes externes Sanierungsgutachten bestätigt zwar die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit des Konzerns, Details dazu blieben aber unter Verschluss. Gläubiger haben sich auf eine Stillhaltevereinbarung bis Ende November 2026 verständigt. ECOreporter rät Bestandsanlegern, bestehende Positionen bis zum finalen Sanierungskonzept zu halten, warnt aber vor Neueinstiegen.

PNE: Operative Fortschritte, ungeklärte Eigentümerfrage

Die jüngste Halbjahresbilanz von PNE fiel ermutigender aus als der Kursverlauf vermuten lässt. Der Umsatz kletterte von 73,9 auf 96,8 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA sprang noch deutlicher von 4,7 auf 27,4 Millionen Euro. Getragen wurde das Wachstum vor allem durch Projektverkäufe— acht Wind- und Solarparks mit einer Gesamtleistung von 163,2 Megawatt wechselten den Besitzer. Zusätzlich ging ein weiterer Windpark für das eigene Erzeugungsportfolio ans Netz. Trotz des schwierigen Marktumfelds bestätigte PNE die Jahresprognose von 110 bis 140 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.

An der Börse hat sich die verbesserte operative Story bislang nicht niedergeschlagen. Die Stimmung kippte deutlich, als Übernahmespekulationen abkühlten— Berichten zufolge wurde ein Käufer für den Anteil von Großaktionär Morgan Stanley gesucht, mögliche Interessenten sollen dabei aber Preise unterhalb des damaligen Marktniveaus ins Spiel gebracht haben. Diese Unsicherheit lastet weiter auf der Aktie, die aktuell bei 7,37 Euro notiert und binnen eines Jahres fast die Hälfte ihres Wertes verloren hat. Der von Beobachtern viel zitierte „Pipeline-Hebel“ aus dem Entwicklungsportfolio bleibt für Teile der Anlegerschaft dennoch ein Argument.

JinkoSolar: Neuer Chef erbt wachsende Verluste

Wie brutal der Preisdruck in der globalen Solar-Lieferkette weiterhin ist, zeigen die jüngsten Quartalszahlen von JinkoSolar. Der Umsatz sank um 31,3 Prozent auf 12,36 Milliarden Renminbi, die Bruttomarge brach von 8,3 auf 4,2 Prozent ein. Der operative Verlust weitete sich auf 1,44 Milliarden Renminbi aus, der Nettoverlust erreichte 697,3 Millionen Renminbi.

Die Modul-Auslieferungen fielen im Jahresvergleich um 34,4 Prozent auf knapp 16 Gigawatt. Als Hauptursache für den Margendruck gelten niedrigere Durchschnittspreise sowie höhere Kosten beim Hochfahren effizienterer Produktlinien.

Die Zahlen fielen mit einem Wechsel an der Spitze zusammen. Wei „Dimi“ Du löst Gründer Xiande Li als CEO ab, Li bleibt Verwaltungsratsvorsitzender. Das Unternehmen bezeichnete den Schritt als geplanten Generationswechsel, nicht als Folge interner Konflikte. Die Jahresprognose wurde entsprechend gesenkt: Statt 75 bis 85 Gigawatt sollen 2026 nur noch 60 bis 70 Gigawatt an Modulen ausgeliefert werden— deutlich weniger als die 86 Gigawatt des Vorjahres. Neu-CEO Du signalisierte damit einen Strategiewechsel weg vom reinen Volumenwachstum hin zu mehr Profitabilität.

Die Reaktionen der Analysten fielen gemischt aus. Roth Capital senkte das Kursziel auf 16 US-Dollar von zuvor 25 US-Dollar, Freedom Broker stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ zurück. UBS zeigte sich dagegen konstruktiver und erhöhte das Kursziel auf 24 US-Dollar von 23 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Bemerkenswert ist die wachsende Venture-Sparte des Konzerns: Über fünf Jahre aufgebaut, investiert die Plattform inzwischen in mehr als 40 Unternehmen aus den Bereichen KI, Robotik und Quantencomputing, mit einem Portfoliowert von 1,99 Milliarden Renminbi bei ursprünglichen Anschaffungskosten von rund 1,5 Milliarden Renminbi. An der Börse bleibt der Druck hoch: Der Kurs fiel zuletzt um 3,2 Prozent auf 10,36 Euro und damit näher an das 52-Wochen-Tief als an das Hoch vom November.

Sektordynamik im Überblick

Die Bandbreite der Bewegungen zeigt, wie stark Bilanzstärke und Marktposition mittlerweile über Gewinner und Verlierer entscheiden:

  • RWE: Finanzstärke ermöglicht Milliardeninvestitionen bei gleichzeitiger Prognoseanhebung— stärkste Analystenunterstützung der Gruppe
  • Nordex: Als reiner Turbinenhersteller extrem sensibel für einzelne Analystenurteile— eine Hochstufung reicht für zweistellige Kurssprünge
  • PNE: Operative Verbesserung sichtbar, aber Eigentümerfrage und Kursschwäche bremsen die Neubewertung
  • ABO Energy: Internationale Expansion und heimisches Sanierungsverfahren parallel— die fragilste Position im Vergleich
  • JinkoSolar: Strukturelle Überkapazitäten in der chinesischen Solarbranche lassen selbst Ansätze von Stabilisierung verpuffen

Wendepunkt für den Sektor: Worauf Anleger jetzt schauen sollten

Ob die Nordex-Rally über den ersten Reaktionseffekt hinaus trägt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen— die Barclays-Konferenz und die anstehenden europäischen Windauktionen könnten die nächsten Impulse liefern. Bei RWE bleibt die Umsetzung des Offshore- und US-Gas-Ausbaus die entscheidende Stellschraube für weitere Prognoseanhebungen. PNE-Anleger warten auf Klarheit bei der Morgan-Stanley-Beteiligung und darauf, ob Projektverkäufe die Kasse weiter füllen. Bei ABO Energy entscheidet das Sanierungskonzept vor Ablauf der Stillhaltevereinbarung Ende November über die Zukunft. Und JinkoSolar muss mit der Auslieferungsprognose für das dritte Quartal beweisen, ob der neue Kurs unter CEO Dimi Du tatsächlich zu höheren Margen führt.

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ABO Energy Aktie

3,42 EUR

+ 0,14 EUR +4,27 %
KGV 1,28
KUV 0,06
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 31,54 Mio. EUR
ISIN: DE0005760029 WKN: 576002

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