Nordex und RWE im Aufwind, Vulcan Energy weiter unter Druck

Nordex und RWE glänzen mit Aufträgen, während Vulcan Energy trotz Baufortschritt leidet. Siemens Energy zeigt gemischtes Bild.

Dieter Jaworski ·
Siemens Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nordex mit starkem US-Auftragseingang
  • RWE profitiert von Amprion-Mehrheitsübernahme
  • Vulcan Energy nahe 52-Wochen-Tief
  • Verbio bleibt abhängig vom Ölpreis

Fünf Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien, fünf völlig unterschiedliche Wochen: Nordex meldet einen kräftigen Auftragsschub aus den USA, RWE profitiert von einem milliardenschweren Netzdeal, und Siemens Energy zieht trotz gespaltener Analystenlager einen Offshore-Großauftrag an Land. Auf der anderen Seite kämpfen Vulcan Energy und Verbio mit einer Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten und einem Kurs, der davon bislang wenig zeigt. Der Sektor bleibt damit ein Fall für genaue Betrachtung – Erfolg und Ernüchterung liegen aktuell dicht beieinander.

Siemens Energy: Großauftrag trifft auf Analystenstreit

Siemens Energy hat sich einen bedeutenden Offshore-Auftrag gesichert. Für den Netzbetreiber 50Hertz baut das Unternehmen eine Konverterplattform im Rahmen des Projekts „North Sea Connector 2″, die 2034 ans Netz gehen soll. Nahezu die gesamte Wertschöpfung entsteht in deutschen Werken – ein Signal für langfristige Auslastung der Kernsparte.

Die Analysten sind sich uneinig. Barclays stufte das Papier von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab und rechnet mit einem Höhepunkt beim freien Cashflow 2026 bei 7,62 Milliarden Euro, gefolgt von einem Rückgang. JPMorgan hält mit „Overweight“ und einem Kursziel von 235 Euro dagegen und verweist auf die Reform des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab 2027, die für Windkraft, Hochleistungskabel und Netzausbau entscheidend sein dürfte. RBC zog nach und erhöhte sein Kursziel von 200 auf 210 Euro, mit Verweis auf eine frühe Erholung der europäischen Industrie sowie steigende Nachfrage aus Netzausbau und Rechenzentren.

Der Kurs selbst zeigt sich davon bislang unbeeindruckt. Zum Wochenschluss ging es um 2,73 Prozent auf 152,00 Euro nach unten, auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 9,46 Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt mit 23,78 Prozent dennoch ein deutliches Plus stehen. Die Aktie notiert derzeit rund acht Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 165,46 Euro – ein Zeichen, dass die kurzfristige Dynamik nachgelassen hat. Vor den Quartalszahlen am 5. August befindet sich das Unternehmen in der Ruhephase vor der Berichterstattung.

Vulcan Energy: Baufortschritt trifft auf Kursskepsis

Vulcan Energy treibt sein Lithiumprojekt „Lionheart“ konkret voran. Mit der Grundsteinlegung für die Zentrale Lithiumanlage im Industriepark Frankfurt-Höchst erreichte das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein – Inbetriebnahme und kommerzielle Produktion sind für Mitte 2028 geplant. Zur Zeremonie erschien Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, ein Hinweis darauf, dass Deutschland dem Projekt industriepolitische Bedeutung beimisst.

Auch die Finanzierung steht auf soliden Beinen. Im Dezember 2025 hatte Vulcan Energy ein Gesamtpaket über 2,2 Milliarden Euro geschnürt, darunter eine Beteiligung des KfW-Rohstofffonds über 150 Millionen Euro.

Der Aktienkurs bildet diese Fortschritte nicht ab. Am Freitag schloss das Papier bei 1,78 Euro, ein Minus von 1,49 Prozent zum Vortag und von 31,69 Prozent seit Jahresbeginn. Erst am Tag zuvor war mit 1,73 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert worden. Selbst der globale Anstieg der Lithiumpreise hat bislang keine Trendwende gebracht – der RSI von 35,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie, ohne dass sich daraus bisher eine Erholung ergeben hätte. Institutionelle Investoren bleiben trotzdem engagiert: State Street meldete zum 24. Juni einen Bestand von rund 14,6 Millionen Aktien, entsprechend 3,04 Prozent der Stimmrechte. Am 30. Juli folgt der nächste Quartalsbericht, der Aufschluss über Baufortschritt und Investitionsausgaben geben dürfte.

RWE: Amprion-Deal beflügelt Kursziele reihenweise

RWE sammelt derzeit reihenweise positive Analystenreaktionen ein. Auslöser ist die geplante Mehrheitsübernahme am Übertragungsnetzbetreiber Amprion, finanziert über eine Kapitalerhöhung, den Verkauf eigener Aktien und eine grüne Anleihe über 1,5 Milliarden Euro – das Gesamtvolumen der Anteilsaufstockung liegt bei rund 3,6 Milliarden Euro.

Gleich mehrere Häuser zogen mit ihren Kurszielen nach. Jefferies erhöhte von 63 auf 68 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung, JPMorgan blieb bei „Overweight“ und erwartet für 2026 zweistelliges Wachstum bei EBITDA und Nettoergebnis. RBC hob das Kursziel auf 65 Euro an, UBS auf 66 Euro – mit der Begründung, dass die Mehrheit an Amprion den Anteil regulierter, gut planbarer Gewinne im Konzern erhöht.

Operativ bleibt der Ausblick unverändert: RWE kalkuliert mit einem bereinigten EBITDA zwischen 5,2 und 5,8 Milliarden Euro und strebt für 2026 eine Dividende von 1,32 Euro je Aktie an. Am Freitag schloss die Aktie bei 56,34 Euro, kaum verändert zum Vortag und nur knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 56,43 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 20,26 Prozent zu Buche. Am 13. August legt das Unternehmen seine Halbjahreszahlen vor.

Nordex: US-Nachfrage treibt Auftragseingang

Nordex hat im zweiten Quartal deutlich mehr Windturbinen verkauft als im Vorjahr. Im Projektgeschäft ohne Service wurden 3.054 Megawatt an Aufträgen verbucht, ein Plus von 32,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im ersten Halbjahr summiert sich das auf 4.923 Megawatt, während der durchschnittliche Verkaufspreis mit 0,97 Millionen Euro je Megawatt stabil blieb.

Besonders bemerkenswert war die Entwicklung in den USA: Mit rund 800 Megawatt Auftragseingang erreichte Nordex dort einen wichtigen Meilenstein. Ohne diesen Schub wäre die Bilanz in Europa spürbar schwächer ausgefallen – dort deutet sich eine gewisse Normalisierung des Wachstums an.

Die Analystenreaktionen fielen gemischt bis positiv aus. Oddo BHF bestätigte „Neutral“ mit einem Kursziel von 41,50 Euro, eine andere Einschätzung sah das Kursziel bei 44,00 Euro, verwies aber auf ein mit 21,5 bereits ambitioniertes KGV für 2026, das weiteres Aufwärtspotenzial begrenze. Am Freitag gab die Aktie um 4,47 Prozent auf 41,04 Euro nach, nach einem Wochenverlust von 10,74 Prozent – ein deutlicher Rücksetzer nach dem starken Lauf der vergangenen Monate. Seit Jahresbeginn bleibt mit 36,53 Prozent dennoch ein kräftiges Plus. Die vollständigen Halbjahreszahlen mit Umsatz und Ergebnis folgen am 29. Juli, dann zeigt sich, ob sich die starke Orderdynamik auch in den Margen niederschlägt.

Verbio: Ölpreis-Achterbahn belastet Biokraftstoff-Titel

Verbio bleibt der launischste Titel im Quintett – und das liegt maßgeblich am Ölpreis. Nach dem kräftigen Anstieg infolge des Iran-Kriegs hatte die Aktie einen Großteil der seit März aufgelaufenen Gewinne wieder abgegeben. Nun flammen die Spannungen am Golf erneut auf, was den Titel grundsätzlich stützen könnte, auch wenn ein klarer Aufwärtstrend beim Ölpreis noch fehlt.

Der Zusammenhang ist bei Verbio besonders ausgeprägt: Steigende Ölpreise lassen Verbraucher an der Tankstelle eher zum günstigeren E10 statt zu Super greifen, was dem Ethanolgeschäft direkt zugutekommt.

Operativ zeigt sich das Unternehmen robuster, als der Kurs vermuten lässt. Ende Mai hatte das Management die EBITDA-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf eine Spanne von 160 bis 180 Millionen Euro angehoben, zuvor lag sie bei 100 bis 140 Millionen Euro. Am Freitag legte die Aktie um 2,63 Prozent auf 30,40 Euro zu, blieb aber mit einem Minus von 7,60 Prozent auf Monatssicht unter Druck. Der RSI von 45,1 deutet auf keine extreme Über- oder Unterbewertung hin. Die nächsten Quartalszahlen werden erst im September erwartet – bis dahin dürfte vor allem die Ölpreisentwicklung über den Kursverlauf entscheiden.

Sektordynamik: Drei Geschwindigkeiten

Der Sektor zeigt derzeit ein fragmentiertes Bild, das sich in drei Gruppen einteilen lässt:

  • Operativ stark mit Rückenwind: Nordex profitiert von der US-Nachfrage, RWE vom Amprion-Umbau, Siemens Energy von Großaufträgen im Netzausbau – trotz der Kluft zwischen Barclays und JPMorgan bei der Einschätzung.
  • Fortschritt ohne Kursreaktion: Vulcan Energy kann handfeste Baufortschritte in Frankfurt vorweisen, bleibt aber von Rohstoffzyklen abgekoppelt und notiert nahe dem Jahrestief.
  • Extern getrieben: Verbio zeigt, wie stark ein Biokraftstoff-Titel trotz solider operativer Basis von geopolitischen Ölpreis-Schwankungen bewegt wird.

Die Bewertungsspannen fallen entsprechend groß aus. RWE gilt mit stabilem regulierten Geschäft als defensiver Wert im Sektor, während Nordex und Siemens Energy stärker zyklisch geprägt bleiben und je nach Auftragslage und Zinsumfeld ausschlagen. Vulcan Energy und Verbio liefern die höchste Volatilität im Vergleich – beide reagieren empfindlich auf externe Preissignale, ob bei Lithium oder Öl.

Diese Termine entscheiden im Sommer

Der Kalender für die kommenden Wochen ist dicht gefüllt. Nordex legt am 29. Juli seine Halbjahreszahlen vor, Vulcan Energy folgt am 30. Juli mit dem Quartalsbericht. RWE steht am 13. August mit seinen Zahlen im Fokus, Siemens Energy hat den 5. August angekündigt. Verbio dürfte erst im September folgen, bleibt bis dahin dem Rhythmus der Ölpreise unterworfen.

Entscheidend wird sein, ob sich die operativen Fortschritte bei Vulcan Energy und Nordex auch in belastbaren Margen niederschlagen, ob RWE den Amprion-Deal wie geplant abschließen kann und wie sich die Lage im Nahen Osten weiter auf den Ölpreis – und damit auf Verbio – auswirkt.

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Siemens Energy Aktie

152,12 EUR

– 4,12 EUR -2,64 %
KGV 61,51
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,46 %
Marktkapitalisierung 132,94 Mrd. EUR
ISIN: DE000ENER6Y0 WKN: ENER6Y

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