Nordic Mining Aktie: Aktionäre stimmen über Sanierung ab
Nordic Mining droht Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit; Gläubiger und Aktionäre sollen über Schuldentausch und mögliche Verkäufe entscheiden.
Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert zwölf Prozent
- Barmittel reichen bis Mitte Oktober
- Schulden sollen in Eigenkapital wechseln
- Engebø-Hochlauf bleibt technisch problematisch
Dem norwegischen Bergbauunternehmen Nordic Mining droht ohne eine rasche Einigung mit Gläubigern und Investoren die Zahlungsunfähigkeit. Der Vorstand hat für den 13. Oktober 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, auf der die Anteilseigner über eine tiefgreifende finanzielle Neuordnung abstimmen sollen.
Grund für den drastischen Schritt sind erhebliche Verzögerungen beim Hochlauf des Engebø-Projekts. Am Aktienmarkt löste die Ankündigung einen deutlichen Kursrutsch aus: Im heutigen Handel verliert das Papier 12 % auf 1,85 NOK.
Sanierungskonzept sieht drastische Kapitalmaßnahmen vor
Die finanzielle Ausgangslage ist prekär: Die verbliebenen Barmittel des Unternehmens reichen nach eigener Einschätzung nur noch bis etwa Mitte Oktober. Weil Nordic Mining kurzfristig über keine Kapazitäten für den Schuldendienst verfügt, schlägt das Management eine radikale Bereinigung der Bilanz vor.
Bei der Tochtergesellschaft Engebø Rutile and Garnet AS soll ein beträchtlicher Teil der ausstehenden Verbindlichkeiten in Eigenkapital gewandelt werden.
Sollte das Rettungspaket bei den Aktionären oder Gläubigern keine Mehrheit finden, beantragt der Vorstand vorsorglich eine weitreichende Vollmacht: In diesem Szenario soll die Führung ermächtigt werden, das gesamte Unternehmen oder wesentliche Teile davon zu veräußern.
Für die Altaktionäre bedeutet der Sanierungsplan das Risiko einer massiven Verwässerung. Wie angespannt die Situation ist, verdeutlicht die ausstehende Unternehmensanleihe mit einem Nominalvolumen von 193,5 Millionen US-Dollar.
Operative Mängel und stockender Hochlauf in Engebø
Die Schieflage wurzelt in anhaltenden Problemen am Standort Engebøfjellet in der westnorwegischen Region Vestland. Dort baut das Unternehmen eine Lagerstätte für Rutil und Granat auf. Der Hochlauf der Anlagen kommt jedoch deutlich langsamer voran als geplant.
Verantwortlich dafür sind technische Hürden bei der Aufbereitung. Insbesondere bei der Produktseparation von Rutil, das vor allem zur Gewinnung von Titandioxid dient, sowie bei der Granatqualität traten Komplikationen auf. In der Folge blieben die kalkulierten operativen Einnahmen aus, was die Liquiditätsreserven vorzeitig aufzehrte. Das neue Kapital soll nun eine tragfähige Basis schaffen, um die Optimierung der Anlage abzuschließen.
Behördliche Unsicherheit und Störaktionen vor Ort
Zu den betrieblichen Verzögerungen gesellen sich regulatorische Verfahren. Nach einem Urteil des obersten norwegischen Gerichts Høyesterett wartet Nordic Mining auf eine temporäre, auf drei Jahre befristete Genehmigung für die Einleitung von Abgängen in den Førdefjord.
Zudem bleibt das Bergbauvorhaben Ziel von Umweltprotesten. Am gestrigen Montag gelangten vier Demonstranten auf das Werksgelände in Engebø. Einer von ihnen besetzte ein Transportband, woraufhin die Materialförderung zur Aufbereitung kurzzeitig unterbrochen werden musste.
Nach Angaben von Kommunikationsleiterin Tone Løtuft hatte der Zwischenfall zwar keine Auswirkungen auf das Tagesergebnis, doch die Nervosität rund um das Projekt bleibt groß. Ob Nordic Mining die Zeit bis zur Versammlung am 13. Oktober 2026 überbrücken kann, hängt nun maßgeblich vom Rückhalt der Gläubiger ab.
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