Novartis Aktie: Sicherheits-Schock?
Die Vereinbarung mit Abogen umfasst 575 Millionen US-Dollar vorab und mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 7,2 Milliarden US-Dollar.

Kurz zusammengefasst
- Exklusive ABO2203-Rechte für Novartis
- Optionen auf weitere RNA-Projekte
- Acht rapcabtagene-Studien wurden gestoppt
- Aktie seit Jahresbeginn 6,1 Prozent höher
Novartis baut seine Wirkstoffpipeline gezielt über externe Kooperationen aus. Am Freitag schloss der Schweizer Pharmakonzern eine weltweite Lizenz- und Optionsvereinbarung mit Abogen Biosciences ab. Der Vertrag sichert Novartis die exklusiven Rechte an dem Entwicklungskandidaten ABO2203 und beinhaltet Optionen auf weitere RNA-basierte Programme.
Die finanzielle Dimension der Transaktion ist beträchtlich. Laut Reuters erhält Abogen eine Vorabzahlung von 575 Millionen US-Dollar. Bei Erreichen vereinbarter Entwicklungs- und Zulassungsziele können Meilensteinzahlungen von bis zu 7,2 Milliarden US-Dollar hinzukommen. Zudem wurden mögliche Umsatzbeteiligungen vereinbart.
Mit diesem Schritt verstärkt das Unternehmen seine Aufstellung im Bereich neuartiger Therapieansätze. Der Zukauf erweitert das Portfolio um frühphasige Forschungsprojekte, für deren Fortführung sich der Konzern weitreichende Zugriffsrechte gesichert hat.
Ausbau der datengestützten Forschung
Parallel zur Wirkstoffakquise investiert der Konzern in die Infrastruktur für die Wirkstofffindung. Am 29. September vereinbarte die Forschungseinheit Novartis Biomedical Research eine Zusammenarbeit mit CAS, einer Abteilung der American Chemical Society. Die Kooperation ermöglicht den Zugriff auf mehr als 160 Millionen kuratierte experimentelle Reaktionsdaten, um KI-gestützte Forschungsansätze zu unterstützen.
Solche Datenkooperationen sollen Entwicklungszeiten verkürzen und fundierte Grundlagen für neue Forschungsprojekte liefern. Gleichzeitig verdeutlicht der Schritt den Wandel hin zu einer stärker digitalisierten Laborarbeit im Konzern.
Klinische Rückschläge und Markteinschätzung
Dass die klinische Entwicklung mit Risiken behaftet bleibt, zeigte sich bei einem anderen Programm. Novartis stoppte acht Studien mit dem Zelltherapiekandidaten rapcabtagene autoleucel. Bei drei Patienten war zuvor ein schweres immunvermitteltes Syndrom aufgetreten. Ein Medienbericht vom 30. September beschrieb die daraufhin eingeleitete Sicherheitsüberprüfung der betroffenen Studien.
Die verhaltene Stimmung spiegelt sich auch in Analystenkommentaren wider. Medienberichten zufolge beließ Analyst Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank die Einstufung für Novartis am 29. September auf „Hold“. Das Kursziel gab er mit 120 Franken an, womit er seine bisherige Einstufung bestätigte. Goldman Sachs stuft den Titel mit „Sell“ ein.
Für Anleger bleiben die Fortschritte in der Forschung und die Klärung offener Sicherheitsfragen entscheidende Faktoren. Die Kombination aus Zukäufen und klinischen Hürden prägt das aktuelle Profil des Konzerns.
Am Aktienmarkt zeigte sich das Papier zu Wochenbeginn stabil. Am gestrigen Montag schloss die Aktie bei 125,34 Euro. Seit Jahresanfang beläuft sich das Kursplus auf 6,1 Prozent.
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