Novo Nordisk Aktie: 15 Prozent weniger Festangestellte

Novo Nordisk verliert im GLP-1-Markt deutlich an Boden gegenüber Eli Lilly. Trotz Prognoseanhebung bleibt die Aktie unter Druck, während der Konzern seinen Sparkurs verschärft.

Felix Baarz ·
Novo Nordisk Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie erholt sich leicht nach Kursrutsch
  • Eli Lilly dominiert GLP-1-Markt klar
  • Prognose angehoben, Aktie fällt trotzdem
  • Konzern plant Abbau von 15 Prozent Stellen

Es gab eine Zeit, da war Novo Nordisk der unangefochtene König der Abnehmspritzen. Diese Zeit ist vorbei. Was folgt, sieht eher nach Grabenkrieg aus als nach Siegeslauf.

Die Aktie hat gerade eine turbulente Woche hinter sich. Nach einem Minus von 10,76 Prozent binnen sieben Tagen steht heute immerhin ein Plus von 3,01 Prozent auf 39,88 Euro zu Buche. Das klingt nach Erholung, ist aber eher ein Zucken. Seit Jahresbeginn liegt das Papier 9,42 Prozent im Minus, vom Rekordhoch aus dem Januar bei 54,86 Euro trennen die Aktie mittlerweile 27,31 Prozent.

Der Schatten des Rivalen

Der eigentliche Gegner sitzt nicht in den eigenen Bilanzen, sondern bei der Konkurrenz. Eli Lilly hat im laufenden Jahr einen Umsatzsprung von 48 Prozent hingelegt, getragen von seinen GLP-1-Blockbustern. Novo Nordisk kommt im zweiten Quartal 2026 auf ein bereinigtes Umsatzwachstum von lediglich 7 Prozent.

Die Zahlen zur Marktmacht sprechen eine noch deutlichere Sprache. In den USA hält Eli Lilly inzwischen 60,9 Prozent des GLP-1-Marktes, Novo Nordisk kommt nur noch auf 38,8 Prozent. Vor zwei Jahren wäre diese Verteilung undenkbar gewesen.

Das ist die neue Realität eines Duopols, in dem die Investoren nicht mehr nur auf das Wachstum des gesamten Übergewichts-Marktes wetten. Sie wählen Seiten – je nachdem, wer besser liefert und die stärkere Pipeline hat. Novo Nordisk hob diese Woche seine Prognose für 2026 an und erwartet nun einen Rückgang bei bereinigtem Umsatz und Gewinn von höchstens 6 Prozent, deutlich weniger als die zuvor gefürchteten 12 Prozent. Die Aktie fiel trotzdem. In einem Markt, der Lillys „außergewöhnlich“ mit Novos „besser als gefürchtet“ vergleicht, reicht Solidität offenbar nicht mehr.

Reibung in der Pipeline

Die orale Version von Wegovy sollte der nächste große Wachstumstreiber werden. Im zweiten Quartal erzielte das Präparat 3,2 Milliarden dänische Kronen – solide, aber unterhalb der hochgesteckten Analystenerwartungen. Die klinische Studie zu CagriSema in der Diabetesbehandlung erreichte zwar ihren primären Endpunkt in Phase 3, verstärkte in Marktkreisen aber den Eindruck, dass die nächste Behandlungsgeneration steiniger wird als erhofft.

CEO Mike Doustdar, seit einem Jahr im Amt, zieht daraus Konsequenzen. Er baut das Unternehmen schlanker und kommerziell aggressiver um. Konkret heißt das: 15 Prozent weniger Festangestellte und ein klarer Fokus auf kleinere, ergänzende Zukäufe statt großer Übernahmen. Manche Beobachter nennen diesen Kurs „kommerziellen Zynismus“ – ein Versuch, die Margen gegen US-Preisdruck und wachsende Konkurrenz zu verteidigen.

Zwischen Rechtssieg und Kursrealität

Immerhin einen Erfolg kann Novo Nordisk vorweisen. Ein niederländisches Gericht verhängte eine Unterlassungsverfügung gegen ein nicht zugelassenes, nachgeahmtes Semaglutid-Nasenspray. Das schützt geistiges Eigentum – ändert aber nichts am Kernproblem. Rechtssiege sind Verteidigung, kein Wachstumstreiber.

Der 14-Tage-RSI von 41,4 zeigt eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert, ohne dort bereits angekommen zu sein. Das bedeutet: Der Markt hat noch nicht kapituliert, ist aber auch nicht überzeugt.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob der Markt für Abnehmspritzen weiter wächst. Er wird wachsen, das gilt als sicher. Die Frage ist, ob der Erfinder dieser Medikamentenklasse in einem Markt, den er selbst geschaffen hat, künftig nur noch die Rolle des Herausforderers spielt.

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Novo Nordisk Aktie

39,16 EUR

+ 0,03 EUR +0,08 %
KGV 10,75
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 1,30 Bio. EUR
ISIN: DK0062498333 WKN: A3EU6F

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