Novo Nordisk Aktie: Berenberg senkt auf Hold, Kursziel 47 Dollar
Novo Nordisk treibt Aktienrückkäufe und Studien voran, während der Wettbewerb im Adipositas-Markt zunimmt. Die Aktie bleibt unter Druck.

Kurz zusammengefasst
- Rückkauf von 28,9 Mio. Aktien
- Neue Phase-III-Studie OASIS-5 gestartet
- Berenberg senkt Rating auf Hold
- Awiqli in den USA eingeführt
Novo Nordisk kauft weiter fleißig eigene Aktien zurück, treibt gleichzeitig neue Studien voran und baut eine KI-Partnerschaft auf. Für mich ist das ein Unternehmen, das an mehreren Fronten kämpft – und genau diese Gleichzeitigkeit macht die Bewertung der Aktie so knifflig.
Der Rückkauf beruhigt, löst aber das eigentliche Problem nicht
Nach eigenen Angaben hat Novo Nordisk bis zum 14. August insgesamt 28.884.179 B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 279,80 dänischen Kronen zurückgekauft, macht einen Gesamtwert von 8,08 Milliarden Kronen im Rahmen des im Februar gestarteten 15-Milliarden-Kronen-Programms. Das ist ein Signal an den Markt, dass das Management die eigene Aktie für unterbewertet hält.
Unterm Strich bleibt für mich aber: Ein Rückkaufprogramm kauft Zeit, keine Marktanteile. Und genau um Marktanteile geht es derzeit im hart umkämpften Adipositas-Markt.
Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 39,98 Euro, ein Plus von 1,0 Prozent auf Tagessicht und 1,6 Prozent über die vergangene Woche. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 9,2 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 16 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro, erreicht im Januar, trennen das Papier noch 27 Prozent. Diese Distanz spricht für mich Bände: Der Markt preist nach wie vor strukturelle Zweifel ein, keine reine Stimmungsschwankung.
Die Pipeline liefert Substanz – aber auch Warnsignale
Positiv fällt auf, dass Novo Nordisk mit der OASIS-5-Studie eine neue Phase-III-Untersuchung zur oralen Semaglutid-Pille gestartet hat. Getestet werden zwei niedrigere Erhaltungsdosen an 450 übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen, die Studie soll bis April 2028 laufen. Das ist strategisch klug: Niedrigere Dosen könnten Verträglichkeit und Preisstruktur verbessern und damit die Konkurrenz durch Eli Lilly abfedern.
Genau diese Konkurrenz war es auch, die Berenberg Bank am 12. August dazu bewogen hat, das Rating von „Buy“ auf „Hold“ zu senken und das Kursziel von 50 auf 47 Dollar zu kappen. Die zunehmende Wettbewerbsintensität im oralen Adipositas-Markt sei der Grund gewesen, hieß es damals.
Auf der anderen Seite steht die Markteinführung von Awiqli, dem ersten wöchentlich zu verabreichenden Basalinsulin für Typ-2-Diabetiker, die Novo Nordisk am 11. August landesweit in den USA gestartet hat – zu einem Listenpreis von 99 Dollar pro Packung. Das ist für mich ein unterschätzter Baustein: Diabetes bleibt das historische Kerngeschäft, und ein Produkt, das die Therapietreue durch seltenere Injektionen erhöht, dürfte sich langfristig auszahlen.
Parallel dazu präsentierte das Unternehmen auf dem ISTH-Kongress positive Langzeitdaten zu Mim8 bei Hämophilie A – ein Beleg dafür, dass die Pipeline breiter aufgestellt ist, als es die Fokussierung auf Adipositas vermuten lässt.
Weniger erfreulich ist die Randnotiz zur Fertigungsanlage in Indiana, der ehemaligen Catalent-Stätte: Scholar Rock hat diese Anlage aus dem Zulassungsantrag für Apitegromab herausgenommen, nachdem die FDA sie nach einer Inspektion im April als „Official Action Indicated“ eingestuft hatte. Das betrifft zwar primär Scholar Rock, wirft aber ein Schlaglicht auf mögliche Qualitätsprobleme in Novo Nordisks Produktionsnetzwerk – ein Thema, das Anleger im Blick behalten sollten, auch wenn die Zulassungsentscheidung für Scholar Rock erst für den 30. September erwartet wird.
Mein Fazit
Technisch notiert die Aktie mit einem RSI von 45,3 neutral, nahe am 200-Tage-Durchschnitt von 40,23 Euro, aber unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 41,58 Euro – ein Bild ohne klare Richtung. Für mich überwiegt derzeit die Ambivalenz: Die Pipeline liefert reale Fortschritte bei Diabetes und seltenen Erkrankungen, während im Kerngeschäft Adipositas der Wettbewerbsdruck strukturell zunimmt.
Das Rückkaufprogramm stützt den Kurs kurzfristig, ersetzt aber keine Antwort auf die Frage, ob Novo Nordisk seine Marktführerschaft bei Wegovy gegen Eli Lilly verteidigen kann. Bis die OASIS-5-Daten oder klarere Wettbewerbssignale vorliegen, bleibt die Aktie für mich ein Fall für Geduld, nicht für Euphorie.
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