Novo Nordisk Aktie: CagriSema enttäuscht in Studien

Novo Nordisk verbessert Jahresziele, doch die Aktie fällt. Wegovy-Pille und CagriSema enttäuschen, während der Konzern seine Pipeline neu aufbauen will.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung eines modernen pharmazeutischen Labors mit Fokus auf biotechnologische Forschung und Marktstimmung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Jahresprognose nach oben korrigiert
  • Wegovy-Pille verfehlt Erwartungen
  • CagriSema-Studien enttäuschen Anleger
  • Aktienrückkauf trotz Kursverlusten fortgesetzt

Ein Konzern hebt seine Jahresprognose an – und die Börse straft ihn trotzdem ab. Genau das ist Novo Nordisk in dieser Woche passiert, und es sagt mehr über den Zustand der gesamten Abnehmspritzen-Branche aus als über eine einzelne Kennziffer. Der dänische Pharmakonzern hat am Mittwoch seine Jahresziele für 2026 nach oben korrigiert. Das adjustierte Umsatzwachstum soll nun zwischen 0 und minus 6 Prozent bei konstanten Wechselkursen liegen, zuvor war ein Rückgang von bis zu 12 Prozent einkalkuliert. Auch beim adjustierten operativen Gewinn rechnet das Management mit einer Spanne von 0 bis minus 6 Prozent statt zuvor bis zu minus 12 Prozent. Auf dem Papier eine handfeste Verbesserung. An der Börse zählte das kaum.

Ein Quartal mit zwei Gesichtern

Die Zahlen zum zweiten Quartal, die Novo Nordisk am Dienstag vorlegte, erzählen eine zwiespältige Geschichte. Der adjustierte Umsatz kletterte auf 78,488 Milliarden dänische Kronen, ein Plus von 7 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Der adjustierte operative Gewinn wuchs sogar um 11 Prozent auf 33,389 Milliarden Kronen. Unter dem Strich, im ausgewiesenen operativen Ergebnis, sackte der Gewinn dagegen um 16 Prozent ab. Der Grund: eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 6,3 Milliarden Kronen, davon 4,0 Milliarden allein für den Wirkstoffkandidaten Monlunabant. Reuters und die eigene Unternehmensmitteilung führten die Kursreaktion der Anleger auf einen weiteren Punkt zurück: Die Wegovy-Pille verfehlte die Erwartungen, und im Pipeline-Bereich gab es Rückschläge. Der Mizuho-Analyst Jared Holz brachte es am Dienstag auf den Punkt – die Prognoseanhebung sei „klar nicht heroisch“, und dass die Wegovy-Pille keine Überraschung nach oben lieferte, habe die Stimmung belastet.

Genau hier liegt der eigentliche Bruch. Novo Nordisk hat mit Wegovy und Ozempic eine ganze Branche neu erfunden, den Wechsel von der Spritze zur Tablette galt lange als logischer nächster Schritt. Dass ausgerechnet dieser Schritt jetzt stockt, trifft die Erzählung ins Mark, mit der die Aktie über Jahre bewertet wurde. Hinzu kommt der nächste Pipeline-Rückschlag: CagriSema, der als Nachfolgemedikament für die nächste Generation der Adipositas-Therapien positioniert war, enttäuschte in Studien. Vorstandschef Mike Doustdar versprach laut Reuters, die Forschung zu beschleunigen und gezielte Zukäufe zu prüfen, um die Pipeline neu aufzubauen. Das ist ein Eingeständnis, dass der organische Weg allein derzeit nicht reicht.

Ziltivekimab fällt aus der Rechnung

Auch außerhalb der Adipositas-Sparte häuften sich zuletzt die Rückschläge. Die gescheiterte kardiovaskuläre Zeus-Studie kostete den Wirkstoffkandidaten Ziltivekimab seinen Platz in den Umsatzprognosen. Morningstar-Analystin Karen Andersen strich das Präparat am Montag aus ihrem Modell, ließ ihre Fair-Value-Schätzung für den Konzern aber unverändert. Es ist ein kleines Signal, dass nicht jeder Rückschlag gleich die gesamte Bewertungslogik kippt – aber es zeigt auch, wie viele Wetten im Pipeline-Portfolio inzwischen offen sind.

Nicht alles läuft gegen den Konzern. In den Niederlanden erstritt Novo Nordisk am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen die Ceban Ziekenhuisfarmacie B.V., die einen kompoundierten Semaglutid-Nasenspray vertrieb – ein Punktsieg im Kampf gegen Patentverletzungen, wie ihn viele Originalhersteller derzeit gegen Nachahmerprodukte führen. Parallel dazu setzt der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm fort: Zwischen dem 27. Juli und dem 3. August erwarb Novo Nordisk 1.145.000 B-Aktien für insgesamt 370,9 Millionen Kronen. Der Bestand an eigenen Aktien liegt damit bei 44.249.480 Stück, gut 1,0 Prozent des Grundkapitals.

Der Markt bleibt skeptisch

An der Börse hat sich das ambivalente Bild in den Kurs eingebrannt. Am Mittwoch legte die Aktie um 1,80 Prozent zu und steht bei 39,08 Euro – nach den heftigen Verlusten der vergangenen Handelstage ein zaghaftes Aufatmen. Zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, notiert Ende Januar, bleibt aber eine Lücke von rund 28,76 Prozent. Ein RSI von 37,2 deutet auf ein überverkauftes Papier hin, mehr aber auch nicht – automatisierte Indikatoren ersetzen keine fundamentale Einschätzung. Citigroup bewertete die Aktie am 29. Juli, vor der Zahlenvorlage, mit „Neutral“.

Die eigentliche Standortbestimmung dürfte erst später kommen. Am 20. und 21. September lädt Novo Nordisk zum Capital Markets Day, am 4. November folgen die Zahlen zu den ersten neun Monaten des Jahres. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, wer die nächste Generation der Adipositas-Medikamente tatsächlich anführt – der Konzern, der die Kategorie erfunden hat, oder jemand, der aus den aktuellen Pipeline-Lücken Kapital schlägt.

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Novo Nordisk Aktie

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