Novo Nordisk Aktie: CagriSema verliert gegen Tirzepatid
Novo Nordisk verfehlt Erwartungen bei Wegovy-Tablette, während Eli Lilly aufholt. Die Aktie notiert nahe dem 200-Tage-Durchschnitt.

Kurz zusammengefasst
- Wegovy-Tablette verfehlt Analystenerwartungen
- US-Aktienkurs fällt nach Prognoseanhebung
- Lillys Pille erhält Zulassung in Europa
- Aktie nahe 200-Tage-Durchschnitt
Novo Nordisk schloss die Woche bei 39,98 Euro. Ein kleines Plus, das die Verluste der vergangenen Monate kaum ausgleicht. Es fühlt sich weniger nach Trendwende an als nach einer Verschnaufpause in einem Jahr voller Enttäuschungen.
Der eigentliche Grund für die Flaute liegt nicht im Kurs selbst. Er liegt im direkten Vergleich mit Eli Lilly. Novo Nordisk hat seine Jahresprognose zwar angehoben. Der Markt reagierte trotzdem mit Verkaufsdruck.
Zahlen, die den Abstand zu Lilly vergrößern
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz auf 78,49 Milliarden dänische Kronen. Das entspricht einem Plus von 3 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Der bereinigte Umsatz kletterte sogar um 7 Prozent.
Trotzdem fixierte sich der Markt auf eine einzelne Zahl. Die Wegovy-Tablette brachte im Quartal 3,22 Milliarden Kronen ein. Analysten hatten mit 3,27 Milliarden Kronen gerechnet – eine kleine, aber symbolisch schwere Lücke.
Amerikanische Anleger reagierten deutlich schärfer als europäische. US-notierte Novo-Aktien fielen nach der Prognose um rund 6 Prozent. Eli Lillys Aktien legten in derselben Woche zu – zwei Platzhirsche im Diabetes- und Adipositas-Markt, zwei entgegengesetzte Reaktionen.
Auch in der Forschungspipeline hakt es. Der Kandidat CagriSema kontrollierte den Blutzucker in einer direkten Vergleichsstudie schlechter als Lillys Tirzepatid. Für ein Unternehmen, das seine Zukunft auf neue Wirkstoffe stützt, ist das ein weiterer Dämpfer.
Die Pille sollte der Trumpf sein
Genau das macht das Quartal so bitter. Die orale Wegovy-Tablette sollte Novos Antwort auf Lillys kommendes Pillen-Konkurrenzprodukt Foundayo sein. Novo hatte einen Kopfstart und den schnelleren Marktstart.
Ausgerechnet in diesem Bereich enttäuschte das Unternehmen die Erwartungen. Dabei ist die Nachfrage real. CEO Mike Doustdar meldete mehr als 5 Millionen ausgestellte Rezepte seit dem Start im Januar.
Reicht ein Kopfstart von wenigen Monaten wirklich aus, um Lillys Aufholjagd zu stoppen? Die jüngsten Entwicklungen sprechen eher dagegen. Lillys eigene Abnehm-Pille erhielt vor kurzem die erste Zulassung in Europa – auf Novos Heimatkontinent. Beide Konzerne stecken massiv in orale Wirkstoffe, weil die einfachere Einnahme über Marktanteile entscheiden könnte.
Der Chart zeigt Unentschlossenheit, kein Kapitulieren
Technisch betrachtet steht Novo Nordisk fast exakt auf seinem 200-Tage-Durchschnitt von 40,23 Euro, nur 0,6 Prozent darunter. Dieses Niveau hat sich das ganze Jahr über als Magnet erwiesen, an dem die Aktie immer wieder andockt.
Zum Januar-Hoch von 54,86 Euro fehlen der Aktie inzwischen 27 Prozent. Von einer Rückeroberung dieser Höhen ist derzeit nichts zu sehen.
Der Konzern bleibt trotzdem einer der größten Pharmawerte Europas, mit enormem Cashflow aus dem GLP-1-Geschäft. Die Zwischendividende von 3,75 dänischen Kronen je Aktie, die Mitte August ex-Dividende ging, unterstreicht das – ein Management, das trotz der Rückschläge keine Krisenstimmung signalisieren will.
Das Muster der vergangenen Quartale bleibt bestehen. Zahlen, die für sich genommen solide wirken, verlieren im direkten Vergleich mit Lilly ihren Glanz. Erst wenn CagriSema oder das Amycretin-Programm einen echten Datenerfolg statt eines weiteren gemischten Ergebnisses liefern, dürfte sich daran etwas ändern.
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