Novo Nordisk Aktie: Doustdar liebäugelt mit Wall Street
Novo-Nordisk-Chef Doustdar bringt ein direktes US-Listing ins Gespräch, während Analysten nach dem Kapitalmarkttag ihre Kursziele senken.
Kurz zusammengefasst
- Direktes NYSE-Listing derzeit nicht verfolgt
- Rund 25 Prozent Kapital in Nordamerika
- Eli Lilly erhöht Wettbewerbsdruck auf Wegovy
- Analysten senken mehrere Kursziele
Ein direktes NYSE-Listing statt der bisherigen ADRs — CEO Mike Doustdar hat diese Idee im Gespräch mit der „Financial Times“ offen ins Spiel gebracht. Konkret verfolgt wird sie nach seinen eigenen Worten derzeit nicht.
Allein die Tatsache, dass der Chef eines europäischen Pharmariesen öffentlich über einen Wechsel des Primärlistings nachdenkt, wirft ein Schlaglicht darauf, wie sehr sich die Machtverhältnisse bei Novo Nordisk in Richtung USA verschoben haben.
Verschobene Aktionärsbasis als Auslöser
Doustdar begründet sein Interesse mit der veränderten Investorenstruktur. Die Kapitalbasis hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend aus Skandinavien heraus verlagert — Ende 2025 lagen laut Jahresbericht bereits rund 25 Prozent des Aktienkapitals in Nordamerika.
Aktuell handeln US-Investoren über American Depositary Receipts, die JPMorgan verwaltet und die seit 1981 bestehen; ein direktes Listing würde diese Struktur ersetzen und die Handelsabwicklung sowie Preisfindung stärker in die US-Zeitzone verlagern.
Für die Kopenhagener B-Aktie, die auch in Frankfurt und über XETRA gehandelt wird, würde sich an der Grundstruktur nichts ändern. Der Zeitpunkt der Aussage ist trotzdem kein Zufall: Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes stammt inzwischen aus den USA, größtenteils getragen von Ozempic und Wegovy.
Eli Lilly setzt den Konkurrenten unter Druck
Der Vorstoß fällt in eine Phase wachsenden Wettbewerbsdrucks. Eli Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound soll die Wegovy-Umsätze im laufenden Jahr laut Prognosen um mehr als sieben Milliarden Dollar übertreffen. Ein näher an die USA gerücktes Listing würde die Bewertung von Novo Nordisk enger an US-Wettbewerber koppeln — an der grundsätzlichen Wettbewerbssituation im Adipositas-Markt ändert das nichts.
Verschärft wird der Druck durch die Reaktion der Analysten auf den jüngsten Kapitalmarkttag in London, der bei Investoren nicht überzeugte. Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel auf 245 dänische Kronen und bleibt bei „Verkaufen“.
Jefferies reduzierte den fairen Wert auf 275 Kronen bei unveränderter „Hold“-Einstufung und verweist auf die Abhängigkeit von riskanten Forschungsprojekten. Einzig DNB Carnegie hält trotz einer Zielkürzung auf 400 Kronen an „Buy“ fest — mit einem impliziten Aufwärtspotenzial von rund 54 Prozent.
Die Aktie selbst bewegte sich am Mittwoch nur leicht: Im Heimathandel in Kopenhagen ging es zeitweise moderat abwärts, während die ADRs an der NYSE vorbörslich ebenfalls leicht nachgaben.
Ein tatsächlicher Wechsel des Primärlistings gilt als längerer Prozess — sollte Novo Nordisk sich dazu entschließen, wäre wegen der bereits bestehenden NYSE-Präsenz über ADRs kein klassischer Börsengang nötig, die technische und regulatorische Umstellung dürfte sich aber über mehrere Monate erstrecken.
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