Novo Nordisk Aktie: Pillen-Erfolg gegen Pipeline-Risse

Novo Nordisk hebt Prognose dank Wegovy-Pille an, verbucht aber 6,3 Mrd. Kronen Abschreibung. Der Aktienkurs erholt sich nach Rückschlägen.

Felix Baarz ·
Novo Nordisk Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Prognoseanhebung dank Pillen-Erfolg
  • Milliardenabschreibung auf Pipeline-Kandidaten
  • Gescheiterte Herz-Kreislauf-Studie belastet
  • Eli-Lilly-Konkurrenz erhöht Preisdruck

Drei Prozent Kursplus an einem einzigen Tag – nach einer Woche mit zweistelligem Verlust. Novo Nordisk zeigt gerade, wie zerrissen die Anleger-Stimmung derzeit ist. Auf der einen Seite steht eine angehobene Jahresprognose, getragen von einem historischen Verkaufserfolg der Abnehm-Pille Wegovy. Auf der anderen Seite eine Milliarden-Abschreibung und ein gescheitertes Herz-Kreislauf-Programm, das Zweifel an der Zukunft jenseits der Diabetes- und Adipositas-Sparte weckt.

Die Aktie kletterte am Mittwoch auf 39,69 Euro, nach einem Schlusskurs von 38,39 Euro am Dienstag. Das klingt nach Erholung, bleibt aber weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro. Der Abstand: fast 28 Prozent.

Höhere Prognose trifft auf Milliarden-Abschreibung

Novo Nordisk hat seine Prognose für das Umsatz- und Gewinnwachstum 2026 nach oben korrigiert. Statt eines Rückgangs von 4 bis 12 Prozent bei konstanten Wechselkursen erwartet der Konzern nun eine Spanne von 0 bis minus 6 Prozent. Der Treiber dahinter: die Wegovy-Pille hat seit ihrem Marktstart im Januar mehr als 5 Millionen Verschreibungen in den USA erreicht.

Gleichzeitig musste das Unternehmen eine außerordentliche Abschreibung von 6,3 Milliarden dänischen Kronen verbuchen. Der Großteil davon, 4 Milliarden Kronen, betrifft den Pipeline-Kandidaten Monlunabant. Diese Belastung fällt zusammen mit dem gescheiterten Phase-3-Studienprogramm ZEUS im Herz-Kreislauf-Bereich – ein Rückschlag, der maßgeblich zum Kursrutsch der vergangenen Woche beigetragen hat.

Die entscheidende Frage: Trägt die Pille den ganzen Konzern?

Novo Nordisk steht damit vor einer klaren Weichenstellung. Kann der kommerzielle Erfolg der oralen Wegovy-Variante die Rückschläge in der Forschung und den wachsenden Konkurrenzdruck durch Eli Lilly ausgleichen? Anleger müssen einschätzen, ob die gedrückte Bewertung bereits eine neue Realität widerspiegelt – eine, in der das Wachstum vor allem von der Pille kommt, während ambitionierte Zukunftsprojekte wie der Entzündungshemmer Ziltivekimab ins Stocken geraten.

Bull-Szenario: Die Pille zieht, die Fabriken laufen an

Die Wegovy-Pille hat seit Januar rund ein Drittel aller neuen Verschreibungen in den USA für sich gewonnen. Dieser Schwung hat im zweiten Quartal geholfen, den bereinigten Umsatz bei konstanten Wechselkursen um 7 Prozent zu steigern. Der heutige Kurssprung deutet darauf hin, dass der Markt genau darauf wieder seinen Blick richtet.

Nach der Zulassung durch die Europäische Kommission im Juli soll die orale Formulierung im zweiten Halbjahr in der gesamten EU starten. Das könnte den US-Erfolg wiederholen. Parallel dazu integriert Novo Nordisk drei ehemalige Catalent-Produktionsstandorte, was die seit Jahren bestehenden Lieferengpässe beim Spritzen-Portfolio lindern soll.

Auch charttechnisch gibt es Anhaltspunkte für eine Stabilisierung. Mit einem RSI von 40,2 nähert sich die Aktie einer überverkauften Zone. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt nur noch 1,55 Prozent – ein Bereich, der historisch häufig Käufer anzieht.

Bär-Szenario: Forschungsrückschläge und Preisdruck

Die Gegenseite der Geschichte liest sich deutlich unbequemer. Das Scheitern der ZEUS-Studie am 31. Juli und die anschließende Abschreibung auf Monlunabant haben das Narrativ beschädigt, wonach Novo Nordisk mühelos vom Stoffwechsel- ins breite Herz-Kreislauf-Geschäft expandieren kann.

Eli Lillys Konkurrenzprodukt Orforglipron erreichte im April den US-Markt und sorgt seither für direkten Preisdruck. Dieser Wettbewerb hat bereits im ersten Quartal zu einem Rückgang der bereinigten Umsätze um 4 Prozent beigetragen. Hinzu kommt Unsicherheit um CagriSema: Die REDEFINE-1-Studie zeigte zwar einen Gewichtsverlust von 22,7 Prozent, doch gemischte Daten aus weiteren Studien und eine noch immer ausstehende FDA-Entscheidung – eingereicht Ende 2025 – trüben die Aussichten auf den nächsten großen Blockbuster.

Finanziell hinterlässt das Spuren. Der operative Gewinn fiel im zweiten Quartal um 16 Prozent bei konstanten Wechselkursen, trotz der angehobenen Prognose.

Ausblick: Zwei Kurslinien als Wegweiser

Solange die Wegovy-Pille ihren Verschreibungstrend in den USA hält und der Europa-Start gelingt, dürfte die Aktie Unterstützung beim 100-Tage-Durchschnitt von 38,01 Euro finden. Ein nachhaltiger Ausbruch über den 50-Tage-Durchschnitt bei 40,98 Euro wäre ein Signal, dass der Markt die Abschreibung und den ZEUS-Rückschlag verarbeitet hat.

Gewinnt Eli Lilly hingegen deutlich Marktanteile, oder verlangt die FDA zusätzliche Daten zu CagriSema, rückt ein erneuter Test des 52-Wochen-Tiefs bei 30,25 Euro in den Bereich des Möglichen. Der nächste konkrete Prüfstein: regulatorische Neuigkeiten zur CagriSema-Zulassung sowie vorläufige Daten aus den verbliebenen Ziltivekimab-Studien HERMES und ARTEMIS, die für Anfang 2027 erwartet werden.

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Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 3,87 %
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