Novo Nordisk Aktie: Richter lässt Betrugsvorwurf zu
Novo Nordisk muss sich teilweise einer Aktionärsklage wegen angeblicher Täuschung über CagriSema-Studien stellen. Der Aktienkurs zeigt sich unbeeindruckt.

Kurz zusammengefasst
- Richter lässt zentrale Betrugsvorwürfe zu
- CagriSema-Studie verfehlte selbstgestecktes Ziel
- Novo Nordisk reicht Gegenklage gegen Eli Lilly ein
- Quartalszahlen am 5. August im Fokus
Ein Bundesrichter in New Jersey hat entschieden, dass sich Novo Nordisk teilweise einer Aktionärsklage stellen muss. Im Zentrum steht der Vorwurf, das Unternehmen habe die Öffentlichkeit über nachträgliche Änderungen am Studienprotokoll des Adipositas-Kombipräparats CagriSema getäuscht. Die Entscheidung vom Dienstag lässt zentrale Betrugsvorwürfe zu, weist zugleich aber Klagepunkte zu angeblich irreführenden Aussagen über „unerreichte“ Wirksamkeit und „feste Dosierungen“ ab.
Der Auslöser: enttäuschende CagriSema-Daten
Die Klage geht auf den 20. Dezember 2024 zurück, als die Novo-Nordisk-Aktie um 17,8 Prozent einbrach. Grund war eine Studie, in der CagriSema lediglich einen Gewichtsverlust von 20,4 Prozent zeigte – deutlich unter dem selbst gesteckten Ziel von 25 Prozent. Nach dem aktuellen Urteil muss sich der Konzern nun mit dem konkreten Vorwurf auseinandersetzen, das Studiendesign nachträglich verändert zu haben, um schwache Resultate zu kaschieren. Andere Klagepunkte hat der Richter dagegen fallen gelassen.
Gegenangriff gegen Eli Lilly
Parallel zur eigenen Verteidigung geht Novo Nordisk juristisch in die Offensive. Am 21. Juli reichte der Konzern Klage gegen Eli Lilly ein und wirft dem US-Rivalen irreführende Werbung für die Abnehmpräparate Zepbound und Mounjaro vor. Der Kern des Vorwurfs: Lilly stelle in seiner Werbung hohe Dosen der eigenen Mittel höheren Dosen von Wegovy und Ozempic gegenüber, ohne dies transparent zu machen. Eine Anhörung zur einstweiligen Verfügung ist für den 27. August angesetzt. Der Schritt zeigt, wie hart der Wettbewerb im Duopol der GLP-1-Präparate inzwischen ausgetragen wird.
Markt reagiert gelassen, Blick richtet sich auf Zahlen
Von den juristischen Nachrichten zeigte sich der Kurs unbeeindruckt. Am Dienstag schloss die Aktie bei 44,66 Euro, ein Plus von 2,07 Prozent. Damit hat sich das Papier deutlich von seinem Jahrestief im März erholt und notiert inzwischen 47,65 Prozent über jener Marke – wenngleich der Abstand zum bisherigen Jahreshoch weiterhin beträchtlich bleibt. Anleger richten den Blick nun auf den 5. August, wenn Novo Nordisk seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt.
Die Erwartungen sind gedämpft: Im Konsens rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 0,82 US-Dollar, einem Rückgang von rund 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von 11,27 Milliarden US-Dollar, ebenfalls unter Vorjahresniveau. Zacks Investment Research stuft den Titel weiterhin mit der Bewertungsstufe „Strong Sell“ ein. Das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis liegt mit 4,53 deutlich über dem Branchenschnitt von 2,69 – ein Hinweis darauf, dass die Bewertung das erwartete Wachstum bereits stark vorwegnimmt.
Bewertung bleibt ambivalent
Auf der anderen Seite verweisen Fundamentaldaten auf substanzielle Stärke: Die Dividendenrendite liegt bei 3,55 Prozent, bei einer Ausschüttungsquote von 50 Prozent, und die Dividende wuchs in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um rund 28 Prozent jährlich. Die operative Ertragskraft des Konzerns bleibt hoch, auch wenn die Pipeline zuletzt Rückschläge verzeichnete – im November war bereits ein Alzheimer-Studienprogramm mit dem älteren Wirkstoff Rybelsus gescheitert. Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld aus Rechtsstreitigkeiten, verschärftem Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly und robusten operativen Kennzahlen die entscheidende Größe bis zum Zahlentermin am 5. August.
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