Novo Nordisk Aktie: Ziltivekimab mit Hazard Ratio 0,99
Novo Nordisk hebt Jahresprognose an, verbucht aber Milliardenabschreibungen und einen verfehlten Studienendpunkt. Das Kerngeschäft wächst, die Pipeline bleibt riskant.

Kurz zusammengefasst
- Prognose angehoben, Milliarden abgeschrieben
- Ziltivekimab-Studie verfehlt primären Endpunkt
- Wegovy-Pille über 5 Millionen Verschreibungen
- Aktienrückkauf und Zwischendividende beschlossen
Zwei Nachrichten, ein Unternehmen, ein Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt: Novo Nordisk hat am Montag die Jahresprognose angehoben und gleichzeitig Milliarden abgeschrieben. Für mich ist das der Kern der Geschichte – nicht die Frage, ob das Geschäft läuft, sondern ob die Pipeline hält, was der Aktienkurs einst versprach.
Solides Kerngeschäft, teure Pipeline-Enttäuschungen
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 sprechen zunächst für sich: Der bereinigte Umsatz legte währungsbereinigt um 7 Prozent zu, das bereinigte Betriebsergebnis um 11 Prozent. Novo Nordisk hob daraufhin die Prognose für das Gesamtjahr auf 0 bis -6 Prozent bei konstanten Wechselkursen an und begründete dies mit höheren Erwartungen an die GLP-1-Produkte. Gleichzeitig verbuchte der Konzern im zweiten Quartal nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 6,3 Milliarden dänischen Kronen auf immaterielle Pipeline-Vermögenswerte – allein 4,0 Milliarden Kronen entfielen auf den Wirkstoff monlunabant. Wer nur auf die Guidance schaut, sieht Fortschritt. Wer auf die Abschreibungen schaut, sieht eine Pipeline, die ihre Versprechen nicht in gleichem Tempo einlöst wie das Kerngeschäft wächst.
Noch schwerer wiegt für mich der Rückschlag bei ziltivekimab. Ende Juli meldete Novo Nordisk die Ergebnisse der ZEUS-Studie: Bei Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungsmarkern reduzierte der Wirkstoff schwere kardiovaskuläre Ereignisse gegenüber Placebo nicht – die Hazard Ratio lag bei 0,99, das Konfidenzintervall reichte von 0,88 bis 1,11. Das ist kein Grenzfall, das ist ein klar verfehlter primärer Endpunkt. Das Unternehmen betont, die Jahresprognose für das bereinigte Betriebsergebnis bleibe davon unberührt, kündigte aber für das dritte Quartal 2026 eine weitere nicht zahlungswirksame Wertminderung an. Zwei weitere Studien zu ziltivekimab, HERMES bei Herzinsuffizienz und ARTEMIS nach akutem Herzinfarkt, laufen weiter und sollen erst in der ersten Jahreshälfte 2027 Ergebnisse liefern. Bis dahin bleibt ein Fragezeichen über einem Wirkstoff, in den erkennbar viel investiert wurde.
Wegovy trägt, Kapitalrückführung signalisiert Zuversicht
Auf der anderen Seite steht ein Produkt, das seine Rolle als Wachstumstreiber weiter ausfüllt. Die Wegovy-Pille überschritt seit Marktstart die Marke von 5 Millionen Verschreibungen, der Rollout der hochdosierten Variante mit 7,2 Milligramm läuft. Für die Woche zum 17. Juli meldete Novo Nordisk mehr als 265.000 wöchentliche Verschreibungen der Pille allein in den USA und beansprucht bei neuen Patientenstarts weiter die Marktführerschaft unter den zugelassenen Adipositas-Präparaten. Das ist die Substanz, die die Bewertung des Konzerns eigentlich trägt – unabhängig davon, wie die Pipeline-Wetten ausgehen.
Auch beim Kapital zeigt sich Novo Nordisk selbstbewusst. Der Vorstand beschloss eine Zwischendividende von 3,75 dänischen Kronen je Aktie, mit Ex-Tag am 14. August und Zahlung am 18. August. Parallel läuft seit dem 6. Mai ein Rückkaufprogramm für B-Aktien mit einem Volumen von bis zu 11,2 Milliarden Kronen, das bis Anfang Februar 2027 laufen soll. Bis Anfang August wurden bereits rund 27 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 278,35 Kronen zurückgekauft, ein Gegenwert von umgerechnet gut 7,5 Milliarden Kronen. Wer so viel eigenes Kapital in die eigenen Aktien steckt, während die Pipeline strauchelt, sendet ein Signal: Das Management sieht den aktuellen Kurs offenbar als unterbewertet an.
Rechtssieg als kleiner, aber wichtiger Baustein
Ergänzend sicherte sich Novo Nordisk am Mittwoch einen juristischen Erfolg: Das Bezirksgericht Den Haag untersagte dem Unternehmen Ceban Ziekenhuisfarmacie per einstweiliger Verfügung, ein kompoundiertes Semaglutid-Nasenspray zu verkaufen, das nach Ansicht des Gerichts das ergänzende Schutzzertifikat von Novo Nordisk für Semaglutid verletzt. Ceban muss Produktlistungen entfernen, seine Lieferkette offenlegen und die Rechtskosten von Novo Nordisk übernehmen. Solche Urteile ändern die große Bilanz nicht, aber sie zeigen, dass der Konzern sein geistiges Eigentum konsequent verteidigt – ein Nebenschauplatz, der aber verdeutlicht, wie umkämpft das GLP-1-Feld inzwischen ist.
Mein Fazit
Der aktuelle Kurs von 40,62 Euro liegt mit einem Plus von 1,74 Prozent am heutigen Freitag über dem Vortagesniveau, bleibt aber knapp 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch entfernt. Für mich überwiegt unterm Strich die operative Substanz: Wegovy wächst, die Kapitalrückführung ist real, die Prognose wurde angehoben. Die Pipeline-Rückschläge bei ziltivekimab und monlunabant relativieren dieses Bild aber deutlich und dürften die Bewertung so lange belasten, bis HERMES und ARTEMIS 2027 Klarheit schaffen. Wer auf Novo Nordisk setzt, kauft derzeit vor allem das Kerngeschäft – die Pipeline ist eine Wette mit offenem Ausgang.
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