Novo Nordisk Aktie: Ziltivekimab verfehlt ZEUS-Endpunkt
Das Herzmedikament Ziltivekimab verfehlt den primären Endpunkt in der Phase-3-Studie ZEUS. Novo Nordisk senkt die Prognose für 2026 nicht, die Aktie verliert deutlich.

Kurz zusammengefasst
- Phase-3-Studie ZEUS verfehlt Endpunkt
- Aktie fällt um 8,5 Prozent
- Prognose für 2026 bleibt unverändert
- Analysten sehen Überreaktion
Novo Nordisk musste am Freitag den größten Kurseinbruch seit fast fünf Monaten hinnehmen. Auslöser war das Scheitern der Phase-3-Studie ZEUS zum Herzmedikament Ziltivekimab, das den wichtigsten Studienendpunkt verfehlte. Im deutschen Handel schloss die Aktie bei 40,90 Euro, ein Tagesverlust von 8,48 Prozent.
Der ZEUS-Fehlschlag im Detail
Novo Nordisk teilte am Freitag mit, dass Ziltivekimab in der placebokontrollierten ZEUS-Studie keinen signifikanten Nutzen zeigte. Mehr als 6.300 Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten Entzündungswerten (hsCRP ab 2 mg/l) erhielten monatlich 15 Milligramm des Wirkstoffs. Der primäre Endpunkt – die Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall – wurde verfehlt, mit einer Hazard Ratio von 0,99. Das bedeutet praktisch kein Unterschied zu Placebo.
Bemerkenswert: Der Antikörper senkte die Entzündungsmarker Interleukin-6 und hsCRP wie erwartet, ohne dass sich daraus ein klinischer Vorteil ableiten ließ. Zudem traten unter Ziltivekimab häufiger schwere Infektionen auf, während sich die Gesamtsterblichkeit zwischen den Gruppen nicht unterschied. Novo Nordisk kündigte für das dritte Quartal eine nicht zahlungswirksame Wertminderung an, betonte aber, dass die Prognose für das Gesamtjahr 2026 davon unberührt bleibt. Ziltivekimab stammt aus der 2020 für 725 Millionen Dollar plus möglichen weiteren 2,1 Milliarden Dollar an Meilensteinzahlungen übernommenen Corvidia Therapeutics.
Kursreaktion und Marktumfeld
Chief Scientific Officer Martin Holst Lange erklärte laut CNBC, das Ergebnis ändere nichts an der strategischen Verpflichtung des Unternehmens gegenüber der Kardiologie. An der Kopenhagener Börse gaben die Aktien um 7,4 Prozent nach, die in den USA gehandelten ADRs verloren vorbörslich 8,6 Prozent.
Technisch betrachtet zeigt sich die Aktie trotz des Schocks nicht völlig aus der Bahn geworfen: Der Schlusskurs von 40,90 Euro liegt noch 1,35 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,35 Euro. Das deutet darauf hin, dass der mittelfristige Aufwärtstrend der vergangenen Monate durch den Rückschlag angekratzt, aber nicht gebrochen wurde. Der Wertverlust vom Freitag reiht sich dennoch in eine bereits angespannte Jahresbilanz ein – seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut sieben Prozent zu Buche.
Analysten uneins: Überreaktion oder Strategiewende?
Die Analysten von Jefferies und Citi bewerteten den Ausverkauf als überzogen, sahen die Nachricht aber gleichzeitig als strategisch negativ. Ziltivekimab hätte Novo Nordisk eine glaubwürdige Wachstumsquelle jenseits des Abnehm- und Diabetesgeschäfts verschaffen sollen – diese Option ist mit dem Studienausgang vorerst vom Tisch. Der Konsens der Analystenschätzungen bewertet die Aktie derzeit mit „Hold“ und einem Kursziel von rund 47 US-Dollar.
Die zentrale Frage für Investoren bleibt, ob das Kerngeschäft rund um die GLP-1-Präparate Ozempic und Wegovy die Bewertung weiterhin allein tragen kann. Kritiker verweisen auf die einseitige Abhängigkeit von diesem Segment, während Befürworter argumentieren, der Marktwertverlust von über 30 Milliarden Dollar am Freitag stehe in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Umsatzbeitrag des gescheiterten Präparats.
Blick nach vorn: Pipeline, Rechtsstreit und Quartalszahlen
Novo Nordisk hält an zwei weiteren Ziltivekimab-Studien fest: HERMES untersucht den Wirkstoff bei Herzinsuffizienz, ARTEMIS bei akutem Herzinfarkt. Ergebnisse werden für die erste Hälfte 2027 erwartet und dürften mitentscheiden, ob das Kardiologie-Programm noch zu retten ist.
Parallel dazu bleibt das operative Geschäft in Bewegung. Mitte Juli erhielt die orale Wegovy-Pille die EU-Zulassung, ebenso eine höher dosierte Wegovy-Variante mit 7,2 Milligramm. Ende Juli reichte Novo Nordisk zudem Klage gegen Eli Lilly wegen mutmaßlich irreführender Werbung für dessen GLP-1-Präparate ein. Das Unternehmen läuft zudem ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2,3 Milliarden Dollar, von dem bis zum 24. Juli bereits rund 1,10 Milliarden Dollar ausgegeben waren.
Im Fokus der Anleger steht nun der 5. August: An diesem Tag legt Novo Nordisk seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Schätzungen gehen von einem Gewinn je Aktie von 0,81 US-Dollar aus, ein Rückgang von 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Andere Prognosen kalkulieren mit einem Umsatz von 71,5 Milliarden dänischen Kronen und einem Ergebnis je Aktie von 5,04 dänischen Kronen, jeweils unter dem Vorjahresniveau. Der Bericht dürfte zeigen, wie stark der ZEUS-Rückschlag das operative Geschäft tatsächlich belastet – oder ob das GLP-1-Franchise die Erwartungen weiterhin trägt.
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