Novo Nordisk, Bayer und Moderna: Was die Pharma-Zahlen Anlegern zeigen

Novo Nordisk und Bayer verbessern ihre Jahresausblicke; Moderna meldet wieder einen Quartalsgewinn und erhöht das Umsatzziel für 2026.

Eduard Altmann ·
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KI-generiertes Symbolbild
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Kurz zusammengefasst

  • Wegovy-Pille erzielt 5,39 Milliarden Kronen
  • Bayer hebt Jahresprognose dank Pharma an
  • Heidelberg Materials steigert Quartalsergebnis um neun Prozent
  • Moderna meldet ersten Quartalsgewinn seit 2024

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die verlässlichen Zahlen dieser Woche kamen nicht von den Chip-Werten. Der DAX fiel am Freitag nach dem Rekordhoch vom Donnerstag deutlich und schloss unter 26.000 Punkten.

Geliefert haben andere. Novo Nordisk hebt zum dritten Mal in diesem Jahr die Prognose an. Bayer stockt die Jahresziele auf, Moderna schreibt wieder schwarze Zahlen. Wer am Wochenende sein Depot sortiert, sollte genau hinschauen, wo echte Zahlen stehen und wo nur Hoffnung.

Die Abnehmpille hält Novo Nordisk im Spiel

Die Wegovy-Pille zieht Novo Nordisk aus dem Abwärtssog. Der dänische Konzern setzte mit der Abnehmtablette im dritten Quartal 5,39 Milliarden Kronen um. Das sind 53 Prozent mehr als im zweiten Quartal und deutlich mehr, als der Markt erwartet hatte.

Wie stark ist die Pille wirklich? In den USA hält sie bei neuen Verschreibungen einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand ohne Sondereffekte nun mit Umsatz und Betriebsgewinn zwischen leichtem Minus und leichtem Plus. Zu Jahresbeginn stand noch ein Rückgang von bis zu 13 Prozent im Raum.

Die Schwachstellen bleiben. Die US-Preise für Wegovy fielen im Quartal um 30 bis 35 Prozent. Citi bleibt bei „Neutral“, weil ab 2028 Eli Lillys Retatrutide drückt. Mein Urteil: Die Pille beweist, dass Novo Nordisk den Preiskampf mit Volumen kontern kann. Ob das reicht, entscheidet die US-Arzneimittelbehörde FDA mit ihrem Urteil zu CagriSema im vierten Quartal.

Bei Bayer trägt die Medizin den ganzen Konzern

Bayer hat am Mittwoch die Jahresprognose angehoben, und der Grund liegt allein in der Pharmasparte. Das Krebsmittel Nubeqa wuchs im dritten Quartal um 58 Prozent auf fast eine Milliarde Euro.

Und der Rest? Die Agrarsparte Crop Science verlor beim operativen Ergebnis 41 Prozent, unter dem Strich blieb ein Nettoverlust. Das operative Ergebnis des Konzerns ohne Sondereffekte lag dagegen rund 13 Prozent über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen.

Die Analysten sind uneins. Goldman Sachs und UBS heben ihre Kursziele auf jeweils 66 Euro mit Kaufempfehlung. Jefferies bleibt mit „Hold“, also Halten, skeptisch, weil die gerichtliche Genehmigung des Glyphosat-Vergleichs noch aussteht. Nach einer Verdopplung binnen eines Jahres preist der Kurs den Pharma-Aufschwung weitgehend ein; der nächste Kurstreiber heißt nicht Nubeqa, sondern der Richter.

Heidelberg Materials verdient, obwohl der Bau klemmt

Heidelberg Materials verdient mehr, obwohl der deutsche Bau in einer tiefen Flaute steckt. Der Einkaufsmanagerindex für das Baugewerbe ist eine monatliche Umfrage unter Einkäufern der Branche. Er fiel im Oktober auf den tiefsten Stand seit März 2025.

Wie geht das? Der Zementkonzern steigerte das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs im dritten Quartal um 9 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Getragen wurde das von Preisen, von Nordamerika und von Akcansa, das erstmals in der Bilanz enthalten ist.

Die Aktie liegt auf Monatssicht 21 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn aber noch 23 Prozent im Minus. Goldman Sachs bestätigte seine Kaufempfehlung, Berenberg ebenso, trotz leicht gesenkten Kursziels. Wer auf eine Erholung des Baus in Deutschland wartet, wartet zu lange. Das Argument für die Aktie ist die Preismacht in Europa und Nordamerika.

Siemens Energy geht mit tiefer Latte in die Jahreszahlen

Siemens Energy legt am Mittwoch, 11. November, die Jahreszahlen vor, und die Erwartungen sind diese Woche kräftig abgeräumt worden. Die Aktie fiel am Donnerstag auf ein Jahrestief und erholte sich am Freitag auf 117,20 Euro. Vom Hoch im April ist sie weit entfernt.

Was drückt den Kurs? Nicht das Geschäft, sondern die Sorge, dass die Demokraten im US-Kongress den Ausbau von Rechenzentren bremsen könnten. Bei der Windsparte Gamesa erwarten Analysten die Wende zum Gewinn: 57 Millionen Euro nach einem Milliardenverlust im Vorjahr.

JPMorgan bestätigte am Freitag „Overweight“ mit Ziel 245 Euro. Das heißt: Die Aktie soll im Depot stärker gewichtet werden als im Markt. Mein Urteil: Die Latte für eine positive Überraschung liegt so tief wie seit Monaten nicht.

Moderna verdient wieder Geld

Moderna meldete am Freitag den ersten Quartalsgewinn seit 2024 und hob das Umsatzziel für 2026 an. Das Wachstumsziel liegt nun bei 15 bis 25 Prozent, deutlich über der alten Spanne. Getragen wird das vom neuen mRNA-Impfstoff gegen Covid und von neuen Regionen.

Die Aktie legte am Freitag zu und hat sich im Jahresverlauf fast verachtfacht. Ein Quartal mit Gewinn ist ein Anfang, noch kein Trend.

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Unterm Strich

Verlässliche Zahlen kamen diese Woche aus Pharma und Zement, nicht aus den Chip-Werten. Novo Nordisk und Bayer liefern. Beide hängen aber an Entscheidungen, die sie nicht selbst steuern: die FDA bei CagriSema, der Richter beim Glyphosat-Vergleich.

Die kommende Woche entscheidet, ob die Flucht aus den KI-Werten an den tatsächlichen Geschäftszahlen vorbeigeht. Siemens Energy berichtet am Mittwoch. Am selben Tag kommen die endgültigen Verbraucherpreise für Oktober, erwartet werden 2,8 Prozent. Die Notenbanken warten bis Dezember.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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