Novo Nordisk: CVS und UnitedHealth blockieren BALANCE
Krankenversicherer verweigern Teilnahme an Novo Nordisks BALANCE-Modell. Die US-Regierung finanziert nun ein Überbrückungsprogramm.

Kurz zusammengefasst
- Große Versicherer lehnen BALANCE-Modell ab
- US-Regierung springt mit Überbrückung ein
- Lobbyarbeit in Washington wird umstrukturiert
- Aktie seit Jahresbeginn stark gefallen
Der Masterplan für den US-Markt gerät ins Stocken. Große Krankenversicherer blockieren das neue Medicare-Programm für Abnehmspritzen. Novo Nordisk muss nun seine politische Strategie in Washington völlig neu ausrichten.
Das sogenannte BALANCE-Modell sollte Millionen US-Senioren den Zugang zu GLP-1-Medikamenten erleichtern. Die Gesundheitsbehörde CMS hat den Pilotversuch nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund: Die großen Versicherer spielen nicht mit. CVS Health und UnitedHealth erteilten dem Programm eine Absage. Der Entwurf sah vor, dass Patienten monatlich 50 US-Dollar zuzahlen. Die Hersteller hatten einen Preis von 245 Dollar pro Monat akzeptiert.
Um einen kompletten Kollaps zu verhindern, springt die US-Regierung ein. Steuergelder finanzieren nun ein Überbrückungsprogramm bis Ende 2027. Der ausgehandelte Preis von 245 Dollar bleibt bestehen. Im Gegenzug investiert Novo Nordisk zehn Milliarden Dollar in amerikanische Produktionsstätten.
Analysten sehen die langfristigen Perspektiven intakt. Chris Schott von J.P. Morgan geht davon aus, dass sich die Erstattung ab 2028 politisch kaum noch zurückdrehen lässt.
An der Börse dominiert dennoch Skepsis. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 32,97 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf gut 26 Prozent. Ein RSI-Wert von 17,8 signalisiert einen stark überverkauften Zustand.
Umbau der Lobby-Arbeit
Parallel zu den Erstattungsfragen baut der Konzern seine Präsenz in Washington um. Novo Nordisk beendete im Februar die Zusammenarbeit mit der Agentur Public Strategies Washington. Ein Rückzug ist das nicht. Allein im vergangenen Jahr flossen acht Millionen Dollar in die Lobbyarbeit. Nun übernimmt die S-3 Group LLC die Vertretung für Gesundheitsthemen und Medicare.
Der politische Druck beschränkt sich nicht auf das BALANCE-Programm. Der Wirkstoff Semaglutid fällt unter die neuen Preisverhandlungen des Inflation Reduction Act. Die reduzierten Preise greifen ab 2027. Das Management hat die Erwartungen bereits nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang von bis zu 13 Prozent.
Flickenteppich bei Medicaid
Auch auf Ebene der Bundesstaaten bröckelt die Unterstützung. Nur noch 13 Staaten übernehmen die Kosten für Abnehmspritzen über das Medicaid-Programm. Im Vorjahr waren es noch 16. Große Staaten wie Kalifornien und Pennsylvania haben die Erstattung aus Kostengründen gestrichen.
Im Mai öffnet sich das BALANCE-Modell offiziell für die Teilnahme der einzelnen Medicaid-Programme. Dann entscheidet sich, wie viele Bundesstaaten dem Bund folgen und die Finanzierung der GLP-1-Therapien wieder aufnehmen.
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