Nvidia Aktie: 108 Milliarden Guidance stützt nicht

Nvidia verliert kurzfristig an der Börse, während Umsatz und Data-Center-Geschäft im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 deutlich zulegen.

Andreas Sommer ·
Abstraktes Bild eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für die Halbleiterindustrie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Nvidia-Aktie binnen sieben Tagen rückläufig
  • KI-Branche diskutiert langsameres Entwicklungstempo
  • Data-Center-Umsatz wächst um 117 Prozent
  • Anthropic-Beteiligung bis zehn Milliarden Dollar erwogen

Es gibt Momente, in denen eine ganze Branche innehält und sich fragt, ob sie zu schnell fährt. Genau das passiert gerade mit der künstlichen Intelligenz, und Nvidia sitzt mittendrin am Steuer.

Anthropic-Chef Dario Amodei forderte am Wochenende in seinem Essay „We Must Pace the Frontier“ eine Verlangsamung der Modellentwicklung – und plötzlich reden Sam Altman, Elon Musk und Demis Hassabis in dieselbe Richtung. Für eine Branche, die jahrelang nur ein Tempo kannte – schneller, größer, mehr Rechenleistung –, ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende.

An der Börse in Frankfurt notiert Nvidia aktuell bei 183,40 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent im Tagesverlauf. Das klingt nach Beruhigung, verdeckt aber die Wucht der vergangenen Woche: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 5,6 Prozent zu Buche, auf 30 Tage sind es 5,7 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht erst im Mai, fehlen inzwischen 9,4 Prozent. Der RSI von 44,4 signalisiert eine Aktie, die sich aus der Überhitzung gelöst hat, ohne bereits überverkauft zu sein.

Ein Ausverkauf mit vielen Vätern

Was Nvidia diese Woche belastet, ist kein singuläres Ereignis, sondern eine Gemengelage. Am Montag brach der Philadelphia Semiconductor Index um 5,9 Prozent ein, Micron verlor mehr als fünf Prozent, Intel über fünf Prozent.

Parallel kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über die Marke von 5 Prozent – ein Niveau, das laut Barclays historisch als Wendepunkt gilt, ab dem Anleiherenditen zur echten Belastung für Aktien werden.

Am Dienstag folgte dann prompt der breite Markt: Der Dow gab um 0,89 Prozent nach, der S&P 500 um 0,49 Prozent, der Nasdaq um 0,75 Prozent. Steigende Ölpreise, eine anstehende Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch unter Fed-Chair Warsh und nun auch noch Selbstzweifel der KI-Branche – das ist eine seltene Kombination aus Makro-Nervosität und Sektor-Selbstreflexion.

Und doch bleibt die Frage, ob dieser Slowdown-Diskurs überhaupt das bedeutet, was der Markt fürchtet. Ein Kommentar bei MarketWatch brachte es auf den Punkt: Ein langsameres Tempo bei der Modellentwicklung heißt nicht automatisch weniger Ausgaben für Chips und Rechenzentren.

Genau hier liegt die eigentliche Volte dieser Geschichte – Nvidia verdient nicht daran, wie schnell die Modelle klüger werden, sondern daran, wie viel Rechenleistung dafür gebraucht wird.

Zahlen, die gegen die Panik sprechen

Die operativen Daten des Unternehmens erzählen jedenfalls keine Verlangsamungsgeschichte. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 setzte Nvidia 96,22 Milliarden US-Dollar um, ein Plus von mehr als 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Data-Center-Geschäft allein wuchs um 117 Prozent auf 89,02 Milliarden Dollar, die Bruttomarge lag bei 75 Prozent. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen 108 Milliarden Dollar in Aussicht. Solche Wachstumsraten relativieren die kurzfristige Kursnervosität, auch wenn sie sie nicht ungeschehen machen.

Bemerkenswert ist zudem, wie tief Nvidia inzwischen im gesamten KI-Ökosystem verankert ist. Das Unternehmen erwägt Berichten zufolge eine Beteiligung von bis zu 10 Milliarden US-Dollar am möglichen Börsengang von Anthropic, der das Unternehmen auf rund 2 Billionen Dollar bewerten könnte – ausgerechnet jenes Anthropic, dessen Chef gerade zur Vorsicht mahnt.

Und mit Salesforce hat Nvidia auf der Dreamforce-Konferenz das Reasoning-Modell Koa präsentiert, aufgebaut auf dem offenen Nvidia-Modell Nemotron – ein Beleg dafür, wie sehr sich die Nvidia-Technologie inzwischen in fremde Softwarewelten hineinfrisst, weit über die eigenen Chips hinaus.

Die eigentliche Wette

Bleibt die Sorge einiger Marktbeobachter vor einem überfüllten Trade. Ein Fondsmanager warnte kürzlich, Nvidia sei über ein bis drei Jahre betrachtet nicht teuer, doch die Konzentration im KI-Handel berge das Risiko eines schnellen Ausverkaufs, sollte die Nachfrage nach Rechenzentren einmal ins Stocken geraten.

Auch Investoren wie Steve Eisman verweisen darauf, dass ein erheblicher Teil von Nvidias Forderungen auf wenige Großkunden entfällt. Die Aktie bewegt sich damit an einer Bruchlinie: zwischen einem Unternehmen, das operativ liefert wie kaum ein anderes, und einer Branche, die zum ersten Mal öffentlich über ihr eigenes Tempo streitet.

Wer auf Nvidia schaut, schaut damit letztlich auf die Frage, ob KI-Fortschritt und KI-Vorsicht wirklich zwei verschiedene Dinge sind – oder ob am Ende doch beide denselben Strom an Rechenleistung brauchen.

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Nvidia Aktie

204,70 EUR

– 0,90 EUR -0,44 %
KGV 29,14
KUV 18,40
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,12 %
Marktkapitalisierung 5,57 Bio. USD
Ø Kursziel 327,70 USD
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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